Zählen, was zählt – NABU startet Aktion „Insektensommer“

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Thüringer Bürgerinnen und Bürger können vom 1. bis 10. Juni und vom 3. bis 12. August Insekten melden

Jena – Auch in Thüringen möchten Naturschützer dem Insektensterben auf die Spur kommen. Unter dem Motto „Zählen, was zählt“ startet der NABU deshalb sein neues Citizen Science-Projekt „Insektensommer“. Es ist die erste bundesweite Insektenzählung in Deutschland. Naturfans sind bundesweit aufgerufen das Summen, Brummen und Krabbeln in ihrer Umgebung vom 1. bis zum 10. Juni sowie vom 3. bis zum 12. August zu beobachten und dem NABU online zu melden.

„Mit der Aktion wollen wir vor allem darauf aufmerksam machen, wie wichtig Insekten für das Ökosystem und für uns Menschen sind. Die kleinen Krabbler sind fleißige Helfer, die wesentlich dazu beitragen, fast alle unsere Wild- und Kulturpflanzen zu bestäuben. Zudem bilden Insekten die Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Tieren, wie Vögeln und Fledermäusen“, erklärt Ronald Bellstedt aus Gotha, der Sprecher des Landesfachausschusses für Entomologie im NABU Thüringen.

Studien zeigen, dass die Insekten in Deutschland deutlich zurückgehen. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und die Ausräumung der Landschaft sind nur einige Gründe für den Insektenschwund. „Im Landkreis Gotha zum Beispiel nimmt die Insektenvielfalt und –häufigkeit von den Ackerebenen im Norden in Richtung Süden, zum Thüringer Wald hin deutlich zu. In einer strukturarmen intensiv genutzten Ackerlandschaft fehlen Hecken, Gewässerrandstreifen und Streuobstwiesen als Lebensräume für Insekten. Nehmen hingegen Grünland und Strukturvielfalt in einer Landschaft zu, gibt es auch mehr Insekten“, erklärt der Insektenexperte. „Uns sollte der Schutz der Insekten schon alleine wegen ihrer Schönheit am Herzen liegen. Denn wer geht nicht gerne über eine bunt blühende Wiese mit flatternden Schmetterlingen? Artenvielfalt ist auch Lebensqualität.“

Mit der Zählaktion soll auch für den Schutz von Insekten geworben werden und jeder kann mithelfen, Daten zur Artenvielfalt und -häufigkeit der Insekten zu sammeln. Jedes Insekt zählt! In Deutschland gibt es nach Schätzungen 35.000 Insektenarten, in Thüringen sind es etwa 25.000. Über die meisten liegen allerdings noch kaum Daten vor.

Beobachten und zählen kann man fast überall: Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich, Bach oder Fluss. Das Beobachtungsgebiet soll nicht größer sein als etwa zehn Meter in jede Richtung vom eigenen Standpunkt aus. Gezählt wird eine Stunde lang.

Egal ob Blattlaus, Fliege oder Schmetterling – jeder Sechsbeiner soll gemeldet werden. Auf 16 in Deutschland häufig vorkommende Arten soll dabei aber besonders geachtet werden. Darunter sind vier Tagfalter (Admiral, Tagpfauenauge, Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs), drei Wildbienen (Ackerhummel, Steinhummel, Holzbiene), zwei Käfer (Asiatischer Marienkäfer, Sieben-Punkt-Marienkäfer), zwei Wanzen (Lederwanze, Streifenwanze), die Hainschwebfliege, die Florfliege, die Blutzikade sowie die Blaugrüne Mosaikjungfer als Libellenart und das Grüne Heupferd als Laubschrecke.

„Insekten können an sonnigen, warmen, trockenen und windstillen Tagen gut beobachtet werden. Fündig wird man schnell in blütenreichen Gärten oder wenn man einfach mal einen Stein umdreht“, beschreibt Ronald Bellstedt.

Die Daten der Zählaktion „Insektensommer“ werden in Zusammenarbeit mit der Plattform www.naturgucker.de erfasst. Die Ergebnisse werden vom NABU ausgewertet und zeitnah veröffentlicht.

Nähere Informationen zur Aktion finden Sie unter: https://thueringen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/insektensommer/index.html

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