Wolf wird oft im falschen Licht gezeigt

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Zum Tag des Wolfes am 30. April zieht der NABU eine Bilanz für Thüringen

Jena – Regelmäßig begeht der NABU am Ende des sogenannten Monitoringjahres am 30. April den Tag des Wolfes. Dieser Tag soll grundsätzlich daran erinnern, dass Wölfe noch vor gut 20 Jahren in Deutschland gefehlt haben und seitdem selbstständig in viele Landesteile zurückgekehrt sind.

Seit 2013 gab es so auch für Thüringen einige Wolfsnachweise. Im folgenden Jahr hat sich sogar eine Wölfin aus dem Spremberger Rudel der Lausitz in Thüringen nahe Ohrdruf niedergelassen und dort seit 2017 mit der Geburt ihrer sechs Wolf-Hund-Mischlinge für einiges Aufsehen gesorgt. 2016 und 2018 gab es leider auch Verkehrsunfälle, wobei eine Jungwölfin auf der Autobahn bei Schlossvippach und bei Bad Klosterlausnitz ums Leben gekommen sind. „Das ist ein herber Verlust für die Bemühungen im Wolfsschutz“, sagt Silvester Tamás, der Sprecher der Landesarbeitsgruppe beim NABU Thüringen. „Thüringen bietet mit seinen wild- und waldreichen Gebieten grundsätzlich gute Lebensbedingungen für Wölfe, dennoch sehen wir, dass es Wölfen offenbar sehr schwer fällt, ungehindert den Weg nach Thüringen zu finden. Insbesondere der Straßenverkehr stellt ein hohes Risiko für die wanderfreudigen Tiere dar.“

Weitere Gefahren für den Wolf bestehen in Vermittlung falscher Fakten und der Lust an der Wolfsjagd. In Thüringen setzten sich so auch Interessensgruppen für den Abschuss von Wölfen und deren Bejagung ein. „Dies ist unverständlich, denn wir haben in Thüringen gerade einmal eine sesshafte Wölfin“, so Silvester Tamás. „Kaum in Thüringen angekommen, wird der einzigen im Freistaat ansässigen Wölfin unterstellt, sie allein sei für zahlreiche Rissvorfälle oder für die Nachnutzung von toten Weidetieren in der Region um Ohrdruf verantwortlich.“ Hinreichende genetische Belege dafür existieren allerdings nur in wenigen Einzelfällen. Dies hält den Landesjagdverband Thüringen und schlecht informierte Politiker offenbar dennoch nicht davon ab, zur Jagd auf die Wölfin zu blasen. „Dies ist ein Armutszeugnis. Denn insbesondere Jäger sollten sich als Naturfreunde ganz aktiv für den Artenschutz und die Rückkehr streng geschützter Beutegreifer einsetzen“, erklärt Silvester Tamás. Wölfe haben das Potential viele Schieflagen in der komplexen Lebensgemeinschaft Wald-Wild unterstützend zu korrigieren. Wölfe lebten schon seit hunderttausenden von Jahren in unserer Landschaft und sie haben es noch nicht geschafft auch nur eine einzige Art auszurotten. Wölfe sind effiziente Jäger und können die heute ausufernden Wildschweinbestände und Wildschäden in Wald und Flur durchaus punktuell eindämmen. Da, wo der Wolf jagt, wächst der Wald, so besagt es ein altes Sprichwort. Jäger sollten gerade den Wolf als einen Mithelfer in der Jagd sehen und nicht als Konkurrenten.

„Wir sehen die Rückkehr des Wolfes als großen Erfolg für den Artenschutz. Gleichzeitig jedoch stellt uns der Wolf vor Herausforderungen in der Weidetierhaltung“, sagt Silvester Tamás. Um den Schäfern in Thüringen zu helfen, ist in den letzten Jahren sehr viel durch das Thüringer Umweltministerium geleistet worden. Seit 2019 ist der ganze Freistaat zum Wolfsgebiet erklärt worden, in welchem Weidetierhalter beim Ausbau ihres Herdenschutzes mit bis zu 100 Prozent gefördert werden können. Ebenso erhalten Schäfer, die Risse durch den Wolf erlitten haben, kulante Ausgleichszahlungen für ihre Verluste. Bundesweit einmalig ist die Einführung einer Scha-Zie-Prämie, durch welche Schäfer- und Ziegenhalter weitere Unterstützung erhalten. Thüringen ist auf einem guten Weg. Dort wo sich Schäfer vorsorglich um den Ausbau des Herdenschutzes bemühen, bleiben Schäden durch Wolfsübergriffe in der Regel aus. Deshalb gilt, je früher die Schäfer mit dem Herdenschutz beginnen, desto konfliktfreier gelingt auch das Zusammenleben von Mensch und Wolf. Herdenschutz ist somit praktizierter Artenschutz.

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