Wölfe und Wir. Wege zum Miteinander

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NABU Thüringen erwartet Wolfsnachwuchs und fordert die Unterhaltskosten für den Einsatz von Herdenschutzhunden zu fördern

Jena – Am 30. April ruft der NABU erneut zum Tag des Wolfes auf. Inzwischen gibt es schon 20 Jahre Wölfe in Deutschland. Die Rückkehr der einst durch den Menschen ausgerotteten Tiere ist vor dem Hintergrund des massiven weltweiten Artensterbens ein großer Erfolg für die Bemühungen um den Artenschutz in Deutschland. Wenn es in diesem Frühjahr zu einer Verpaarung zwischen der Ohrdrufer Wölfin und ihrem neuen Partner kommt, wäre der erste genetisch reine Wolfsnachwuchs im Freistaat zu erwarten. „Viele Befürchtungen, Ängste und Sorgen haben sich mit der Rückkehr der Wölfe nicht bewahrheitet. Dennoch bleibt es eine der großen Herausforderungen, die Weidetierhaltung für das Nebeneinander von Wolf und Naturnutzung durch den Menschen fitzumachen“, sagt Silvester Tamás, ein Sprecher der Landesarbeitsgruppe Luchs und Wolf beim NABU Thüringen. Der Herdenschutz von Schafen und Ziegen spielt, nach Angaben des NABU, eine besondere Rolle. In Thüringen werden Maßnahmen zum Ausbau des Herdenschutzes bereits bis zu 100 Prozent für die Anschaffung von Zäunen, Technik und Herdenschutzhunden gefördert. „Weidetierhalter leisten eine wichtige Arbeit zum Schutz der Landschaft. Die Fördermöglichkeiten, die es bereits in Thüringen gibt, sind wichtig um den Mehraufwand, durch die Rückkehr der Wölfe, abzumildern. Aktuell muss der Freistaat aber auch dafür sorgen, dass die kostspieligen Unterhaltskosten für den Einsatz von Herdenschutzhunden gefördert werden“, fordert Martin Schmidt, der Landesvorsitzende des NABU Thüringen. Fördermittelprogramme der Europäischen Union eröffnen diese Möglichkeit. Ein Schreiben der EU-Kommissare Hogan und Vela, vom 11.02.2019 an die Umwelt- und Agrarminister hebt dies noch einmal hervor. Thüringen muss nunmehr die Rahmenbedingungen für diese Fördermöglichkeit schaffen. Ebenso wären projektgebundene Finanzierungen durch den Freistaat denkbar, welche die zusätzlichen Ausgaben der Weidetierhalter für den Herdenschutz deckeln können. Thüringen muss überdies die „Lücken“ im Herdenschutz durch ein abgestimmtes und geplantes Vorgehen der zuständigen Stellen landesweit schließen. Hierfür sind Informationsangebote für die Landwirte über effektive Herdenschutzmaßnahmen und Fördermöglichkeiten unerlässlich. Auch die Öffentlichkeitsarbeit zur Akzeptanzförderung gegenüber dem Wolf ist hierbei ein wichtiges Instrument.

Auf falscher Fährte

Einen falschen Weg haben dagegen das Thüringer Umweltministerium und die ihm angegliederte Naturschutzfachbehörde, das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz, eingeschlagen. Mit ihrem aktuellen Begehren, die Ohrdrufer Wölfin abzuschießen, wird auch die Tötung ihres Partners, ein im Mai 2019 zugewanderter erwachsener Wolfsrüde, in Kauf genommen. Ein Abschuss der Wölfe kann jedoch unter den aktuellen Verpflichtungen für den Arten- und Gebietsschutz keine Lösung sein. Dieser Auffassung war auch das Verwaltungsgericht Gera mit seinem Beschluss vom 20. Februar 2020, nachdem der NABU Thüringen mit Unterstützung des BUND Thüringen Klage eingereicht haben. Der Freistaat hat nun Beschwerde gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes eingelegt. Jetzt muss sich das Oberverwaltungsgericht Weimar mit der Sache befassen und erneut über das Abschussbegehren entscheiden.

Zusatzinformation:

Der NABU Thüringen hilft mit dem Sammeln von Daten und Informationsangeboten Wissenslücken zu schließen. Interessierte Naturfreunde und aufmerksame Bürgerinnen und Bürger können sich deshalb jederzeit an den NABU Thüringen wenden, um Fragen, Anregungen und Meldungen zum Wolf mitzuteilen. www.NABU-Thueringen.de

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