Wölfe haben es in Thüringen nicht leicht

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Der NABU berichtet über die Widrigkeiten und Hindernisse bei der Ausbreitung des Wolfs und bietet Unterstützung im Herdenschutz an

Jena – Die bekannt gewordenen Zahlen aus dem Wolfsmonitoring des zurückliegenden Zeitraums 2016/17 zeigen eine konstante Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland. Experten gehen von 60 Wolfsrudeln, 13 Paaren und drei standorttreuen Einzeltieren aus. Doch Wölfe haben es in unserer Landschaft nicht leicht und ihre Art weist immer noch einen insgesamt ungünstigen Erhaltungszustand auf.

Mit nur einer Wölfin in Thüringen, die sich mit einem Hund verpaart hat, wird diese Tatsache bestätigt. „Unser Beispiel im Freistaat zeigt deutlich, wie schwierig die Lage von einzeln vorkommenden Wölfen in Gebieten ohne Anschluss an eine übergeordnete Wolfspopulation ist. Ist eine Wölfin über längere Zeit alleine in einem Gebiet aktiv und wird die Situation freilaufender Hunde im unmittelbaren Rückzugsgebiet unterschätzt, kann es – wie es das aktuelle Thüringer Beispiel zeigt – zur Verpaarung zwischen Wolf und Hund kommen“, erklärt Silvester Tamás, ein Sprecher der Landesarbeitsgruppe Wolf im NABU Thüringen. Die natürliche Wolfpopulation muss zwingend vor dem Einfluss von Haushunden bewahrt werden. Die zügige Entnahme der Wolf-Hund-Mischlinge und die geplante Besenderung der Wölfin werden deshalb vom NABU unterstützt.

Wölfe haben aber auch noch andere Probleme. Die vielen Verkehrsopfer und die zahlreich illegal mit Jagdmunition getöteten Wölfe zeigen die Widrigkeiten, mit denen die Tiere auf dem Weg ihrer Ausbreitung zu kämpfen haben. Seit 2000 sind deutschlandweit bereits mindestens 26 Wölfe illegal abgeschossen wurden, die Dunkelziffer ist ungewiss. In diesem Zusammenhang hält der NABU die derzeitige Forderung des Landesjagdverband Thüringens die Thüringer Wölfin abzuschießen für eine Zumutung. Von einer „Problemwölfin“ kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Rede sein. Die Probleme sind hausgemacht. Naturschutz mit der Waffe zu proklamieren ist weder zeitgemäß, noch fachlich begründet.

Doch nicht genug: „Scheinbar gelingt es den Wölfen nicht, ungehindert den Weg nach Thüringen zu finden. Erst im Jahr 2016 starb eine junge Wölfin auf der A 71 bei Schlossvippach nach einem Verkehrsunfall“, sagt Tamás. Natürliche Faktoren, wie die territoriale Lebensweise sowie Beuteverfügbarkeit und Krankheiten begrenzen das Wachstum zusätzlich, sorgen aber langfristig für eine stabile Populationsdynamik.

Unerlässlich für das alltägliche Zusammenleben von Mensch und Wolf bleibt die Anwendung eines flächendeckenden und fachgerechten Herdenschutzes in Wolfsgebieten. Werden die empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen konsequent und zügig umgesetzt, bleiben Übergriffe und Schäden nahezu aus. Bei der Umsetzung braucht es zukünftig aber auch mehr konstruktive Zusammenarbeit und finanzielle Unterstützung der Weidetierhalter.

In Thüringen bemühen sich deshalb ganz aktuell ehrenamtliche Naturschützer des NABU um den Aufbau einer Task-Force für den Herdenschutz. „Hierbei wollen wir den Schäfern ganz konkret dabei helfen, ihre Herdenschutzmaßnahmen zu verbessern und auch umzusetzen.“ sagt Silvester Tamás. „Wir möchten unseren Partnern im Naturschutz, den Schäfern, auch beim Aufbau ihrer neuen Herdenschutzzäune helfen.“ Interessierte Schäfer aus dem unmittelbar betroffenen Wolfsgebiet zwischen Arnstadt und Ohrdruf können sich bei der Landesarbeitsgruppe Wolf des NABU Thüringen melden: www.NABU-Thueringen.de

(Foto:NABU Thüringen)

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