WIR!-Vorhaben starten durch

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Nordhausen (HSPN): Zwei neue Forschungsvorhaben zum Gipsrecycling im WIR!-Bündnis „Gipsrecycling als Chance für den Südharz“ gestartet

Bereits zum 1. November 2020 startete an der Hochschule Nordhausen das Forschungsprojekt „PolyGips“ das gemeinsam mit dem Verbundpartner K-UTEC AG SALT TECHNOLOGIES aus Sondershausen bearbeitet wird. Das Projekt beschäftigt sich mit der Gewinnung von Gipsprodukten aus calciumsulfathaltigen Verarbeitungsrückständen der Kaliproduktion im Südharz-Unstrut-Revier. Das Forschungsvorhaben strebt an, die Wertschöpfungskette beim Kalisalzabbau zu erweitern.

Die Herausforderung liegt dabei im komplexen Aufbereitungsprozess, der nötig ist, um das Calciumsulfat zu gewinnen. Ziel des Projektes ist es, ein Calciumsulfat-Produkt zu generieren, welches letztlich in der Gipsindustrie verwendet werden kann und somit zur Verringerung der REA-Gipslücke beitragen kann. Technische Gipse aus der Rauchgasentschwefelung von Kohlekraftwerken (REA-Gips) deckten, laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, bisher etwa die Hälfte des inländischen Gipsbedarfs (ca. 10 Mio. Tonnen). Durch den schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2038 wird es zu einem deutlichen Rückgang der Verfügbarkeit von REA-Gips aus Kohlekraftwerken kommen.

Das zweite WIR!-Vorhaben „Rückführung sulfathaltiger Stoffströme“, welches von der Hochschule Nordhausen, dem gipsproduzierenden Unternehmen Saint-Gobain Formula GmbH aus Walkenried und dem regionalen Bauunternehmen Henning GmbH aus Urbach bearbeitet wird, startete am 01. Februar 2021. Ziel dieses Projektes ist es, die Art und die anfallende Menge bisher nicht bzw. nur in geringem Maße genutzter gipshaltiger Stoffströme zu erfassen. Diese Stoffströme können, neben gemischten Gipsabfällen aus dem Bausektor, Abfälle aus industriellen Prozessen sein, die bisher nicht verwertet, sondern deponiert werden. Die Stoffströme werden im Rahmen des Projektes umfassend untersucht und hinsichtlich ihrer technischen Recyclingfähigkeit sowie ihrer Verwertungsmöglichkeiten bewertet. Für ausgewählte Gipsabfälle werden Sammel- und Logistikkonzepte entwickelt und erprobt.

Fokus des Bauunternehmens Henning liegt insbesondere auf der Entwicklung mechanischer Verfahren zur Gewinnung von möglichst sortenreinen und recyclingfähigen Gipsabfällen auf Baustellen sowie deren Mengenerfassung. Mit diesen Erkenntnissen sollen Arbeitsabläufe und Techniken bei Bau-, Abriss- und Modernisierungsarbeiten von Gebäuden optimiert und verfügbare Gipsabfallmengen im Bausektor abgeschätzt werden.

Die Firma Saint-Gobain Formula beschäftigt sich als gipsverarbeitendes Unternehmen im Rahmen des Forschungsvorhabens mit der Identifizierung von Gipsabfällen aus dem Bereich der Spezialgipse und der Charakterisierung von gipshaltigen Abfällen. Dabei stellt die Erzeugung von Bindemitteln aus Recyclinggipsen mit mechanischen und thermischen Verfahren sowie deren werkstoffliche Untersuchung einen Kernpunkt dar.

Für die Hochschule Nordhausen ist die Erarbeitung eines Sammel- und Logistikkonzepts auf Basis von Stoffstromanalysen das Hauptziel des Teilvorhabens. Im Rahmen eines Praxistests soll dieses Konzept dann modellhaft umgesetzt werden. Im Thüringer Innovationszentrum für Wertstoffe (ThIWert) der Hochschule werden umfangreiche praktische Aufbereitungsuntersuchungen mit verschiedenen gipshaltigen Abfällen durchgeführt. Dafür stehen diverse Aggregate zur Zerkleinerung, Klassierung und Sortierung im Labor- und halbtechnischen Maßstab zur Verfügung.

Das WIR!-Bündnis „Gipsrecycling als Chance für den Südharz“ mit seinen Initiatoren der Hochschule Nordhausen, der Bauhaus-Universität Weimar und dem Südharzer Unternehmen CASEA GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit weiteren regionalen und überregionalen Partnern, ganzheitliche Recyclingkonzepte für Gipsabfälle zu entwickeln.

Die Förderung erfolgt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über das Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“.

Gips ist ein Mineral, das aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften ein beliebter und bewährter Rohstoff in der Bauindustrie ist. Im Gegensatz zu Zement kann Gips nach seiner Verwendung wieder in seinen Ursprungszustand zurückversetzt werden. Durch Kalzinierungsprozesse entsteht ein abbindefähiger Rohstoff, der durch Wasserzugabe erneut aushärtet. Dieser Prozess ist reversibel, wodurch Gipsprodukte sehr gut im Kreislauf geführt werden können. Bisher fehlen in Deutschland jedoch Recyclingkonzepte, die sowohl die Rückführung, die Aufbereitung als auch die Verwertung von Gipsabfällen betrachten. Doch nie war es so zwingend tragfähige Lösungen für das Gipsrecycling zu entwickeln.

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