Wir brauchen mehr Ruhe im Wald

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Zum Internationalen Tag des Waldes wirbt der NABU Thüringen für mehr Sensibilität im Umgang mit unseren Wäldern als letzte Rückzugsorte für Wildtiere

Jena – Zum Internationalen Tag des Waldes am 21. März macht der NABU Thüringen auf den dramatischen Zustand der Wälder aufmerksam. Laut des Verbandes braucht es mehr Anstrengungen zum Schutz und zur Wiederherstellung gesunder Waldökosysteme. Unter anderem zerstören Fichtenmonokulturen, Kahlschläge oder der Einsatz von Pestiziden die Lebensräume unzähliger Tier- und Pflanzenarten. Deshalb fordern die Naturschützer von der Holz- und Forstwirtschaft mehr Sensibilität im Umgang mit unseren Wäldern.

„Wälder sind nicht nur Rohstoff Holz, sondern auch die letzten Rückzugsorte und Lebensräume für seltene und bedrohte Arten wie zum Beispiel von Fledermäusen, Spechten, Wildkatzen und Luchsen“, sagt Silvester Tamás, Koordinator des Luchsprojektes beim NABU Thüringen. „Wir erleben in den letzten Jahren einen immer größer werdenden Druck durch die Holznutzung. Selbst in Wäldern von Naturschutzgebieten und von FFH-Gebieten (Fauna-Flora-Habitat) beispielsweise im Tautenburger Forst, bei den Waldecker Buchen und auf dem Ettersberg wird unsensibel Holzeinschlag betrieben. Dabei fallen selbst wertvolle Habitat- und Brutstätten von Fledermäusen und Vögeln dem Holzeinschlag zum Opfer.“

Vor allem in den Schutzgebieten hat der Freistaat Thüringen die Verpflichtung, den Schutz dieser letzten Refugien als Lebensräume für schützenswerte Arten und Lebensgemeinschaften zu erhalten und sogar weiterzuentwickeln. „Der Rohstoff Holz wird immer nachgefragt sein, in Zukunft sicher noch mehr als in der Vergangenheit. Genau aus diesem Grund muss der Fokus der Landesregierung jetzt dringend auf den Schutz von Naturschutz- und FFH-Wäldern geschärft werden“, so Silvester Tamás. „Sonst gehen uns auch noch die letzten einigermaßen intakten Lebensräume verloren.“

Der NABU Thüringen wirbt bereits seit letztem Jahr mit seiner Aktion LuchsWald für mehr Naturschutz im Wald. „Pro Jahr zeichnen wir bis zu drei Wälder in Thüringen als LuchsWald aus, die in besonders vorbildlicher Weise für den Waldnatur- und Lebensraumschutz stehen. Bewerben können sich alle Waldbesitzer*innen in Thüringen, deren Wald mindestens eine Fläche von zehn Hektar zusammenhängendem Waldgebiet aufweist und die weiteren Kriterien für einen LuchsWald erfüllt“, erklärt der Projektkoordinator des NABU-Luchsprojektes. „Solche Wälder sind für Luchse wichtig, denn eine im Januar 2022 vorgestellte Studie der Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg belegt, dass Luchse menschliche Siedlungen und Infrastruktur meiden. Luchse orientieren sich vorzugsweise an Versteckmöglichkeiten sowie an dem Vorkommen von Beutetieren. Diese neuen, aber nicht ganz unerwarteten Erkenntnisse machen deutlich, wie wichtig der Schutz potenzieller Luchslebensräume und -wanderwege ist. LuchsWälder können dem Luchs ganz konkret dabei helfen, sich besser zu vernetzen und auch ungestört Nachwuchs zur Welt zu bringen.“ Weitere Informationen unter www.NABU-Thueringen.de/luchs

Zusatzinformation

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie von 1992 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen verpflichtet Thüringen, Deutschland und alle EU-Mitgliedstaaten, die sogenannten „Arten und Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse“ in einen guten Erhaltungszustand zu versetzen bzw. diesen zu erhalten.

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