Wichtel mit roten Mützen

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Wichtel mit roten Mützen, oder mit blauen.

Der Gartenzwerg ist ein Thüringer. Er kommt in Gräfenroda zur Welt. In
Deutschland stehen 25 Millionen in Vorgärten, wie die Internationale
Vereinigung zum Schutze der Gartenzwerge schätzt. Seit 1874 kommen
die Echten aus dem Thüringer Wald. Heutzutage müssen sie sich der
Billig-Konkurrenz aus Osteuropa erwehren.
„Gartenzwerge sind Weltkultur für Gräfenroda. Ich konnte nicht einfach
zusehen, wie so eine vielfältige Handwerkskunst ausstirbt. Dieses Erbe
muss gehütet werden“, sagt Reinhard Griebel. Er hat den Familienbetrieb
an Helma Ortmann übergeben. Sie hat nicht nur die „Zwergstatt“ erworben,
sondern auch Hunderte historischer Gusformen,
Begonnen hatte es in der „Thonwaarenfabrik“ Griebels Urgroßvater Reinhold,
der außer „Thon-Thieren“ auch Gnome mit roter Zipfelmütze herstellte. Zum
Mythos der Gartenzwerge in bürgerlichen Vor- und Schrebergärten gehörte,
dass sie nachts heimlich und leise halfen, also Fleiß und Ordnung symboli-
sierten. Sie traten einen Siegeszug in der Welt an und waren in der DDR ein
begehrtes Tauschobjekt.
Nach der Marktöffnung kamen „unbeseelte Plastikmodelle“ auch aus China.
Aus Handwerkskunst wurde Kitsch, meint Helma Ortmann. Figuren mit
Stinkefinger oder exhibitionistische Wichtel schadeten seinem Ruf. Aber der
Spott und die Häme über Spießbürger lässt nach. Einige Modelle wurden
sogar an das thailändische Königshaus geliefert. Mit neuen Formen sollen
neue Märkte erschlossen werden.
Der Gnom aus Gräfenroda ist bis zu 70 Zentimeter hoch und setzt sich aus
mehreren Teilen zusammen; die Bestandteile der Tonmasse sind so geheim
wie das Rezept für Coca-Cola. Sie werden bei 1050 Grad Celsius gebrannt.
Jeder Zwerg ist ein Unikat, weil von Hand bemalt. Mit einer Heritage Collection
will Helma Ortmann beweisen, wie faszinierend die Zwergenwelt sein kann.

Manfred Neuber

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