Whisky – Genuss- oder Wertobjekt? (5) – DDR-Whisky

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So absurd es heute klingen mag, bereits in den 60er Jahren wurde in der DDR urkapitalistischer Whisky hergestellt. Vorrangig zur Befriedigung alkoholischer Bedürfnisse sozialistischer Staatsbürger aber auch zwecks Devisenbeschaffung im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet. Dabei hatte die DDR-Staatsführung noch mehr im Sinn. Die durch den Wiederaufbau beflügelte DDR-Wirtschaft hatte erfreuliche Auswirkungen auf Konsummöglichkeiten der sozialistischen Staatsbürger. Wenig linientreu orientierten sich diese an den Produkten der noch besser florierenden westdeutschen Wirtschaft. Kurzerhand beschloss die DDR-Staatsführung selbst Whisky herzustellen. Da weder die Qualität noch die Preise mit der internationalen Whisky-Konkurrenz mithalten konnten, war dieser Plan von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Aber für Sammler ist gerade solch eine Historie hochinteressant, denn DDR-Whisky wird es per se nicht noch einmal geben.
Motiviert durch den Artikel „OST-WEST-WHISKY“ von Markus Giesbert in der Herbstausgabe 2020 vom „The Highland Herold“, unternahm der Verfasser dieser Zeilen ebenfalls einen Versuch, Licht ins Dunkel zu bringen. Der daraus entstandene Beitrag über den „Smoky Springs“ des VEB Nordbrand Nordhausen wurde auf der Homepage des Whisky Club Nordhausen publiziert. Andere Hersteller von DDR-Whisky waren der VEB Falckenthal Luckenwalde mit dem „Der Falckner“, der VEB Bärensiegel Berlin mit dem „Old Joe Silver“ oder der Konsum Melde Cottbus mit dem „Ratsherr Whisky“.
All diese Abfüllungen sind heute gesuchte Sammlerstücke. Die Scene der Sammler von Deutschem Whisk(e)y ist (noch) klein, wächst aber beständig. Dabei ist DDR-Whisky ein kleiner, aber unerlässlicher Baustein. Grundsätzlich gilt dies auch für die sogenannten „Nachwendeabfüllungen“ dieser Hersteller, was sich im Preis niederschlägt.
Die – soweit bekannt – einzige Malt-Brennerei der DDR war der VEB Falckenthal Luckenwalde. Für deren Standardabfüllungen „Der Falckner“ werden etwa 200 € aufgerufen. Äußerst seltene Abfüllungen, wie bspw. ein Fassmuster des ersten Fasses von „Der alte Falckner“ wird für 1.300 € angeboten. Für Nachwendeabfüllungen namens „Der Falckner“ bzw. der „Edel Falcke“ werden zwischen 125 € bis 175 € verlangt.
Eine ähnliche Preisentwicklung ist beim „Smoky Springs“ vom VEB Nordbrand Nordhausen zu verzeichnen. Abfüllung aus der zweiten Hälfte der 80er Jahren sind ebenfalls nicht unter 200 € zu bekommen. Die „Ligth Whisky“-Abfüllungen des „Smoky Springs“ liegt bei etwa 125 €. Offizielle Verkäufe von Abfüllungen aus den 60er Jahren sind nicht bekannt geworden. Diese werden fast nur unter Sammlern zu Preisen von etwa 300 € (plus) weitergerecht.

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Die Preisentwicklung von DDR-Whisky treibt mit unter erstaunliche Blüten. Selbst für ein Fassmuster eines unbekannten deutschen Whiskys aus der DDR-Produktion wird immerhin noch ein Preis von 135 € aufgerufen.
L. E.

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