Wenn der Schmerz nicht verschwindet

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Multimodale Schmerztherapie hilft Patienten mit langjährigem Leidensdruck

Jacqueline Liesegang leidet seit fast zwanzig Jahren unter starken Schmerzen und immer wiederkehrenden Wirbelsäulenerkrankungen. Nach langen Recherchen erhält sie ihre Diagnose zu einer seltenen Bindegewebserkrankung und findet eine auf sie abgestimmte Therapie in der Helios Klinik Bleicherode.

Jacqueline Liesegang sitzt auf dem Ergometer inmitten der vielen Trainingsgeräte in der Physiotherapie der Helios Klinik Bleicherode. Seit fast drei Jahren ist die 47Jährige regelmäßig als Patientin der Multimodalen Schmerztherapie in der Helios Klinik Bleicherode. 2005 beginnt ihre Leidensgeschichte. Nach ihrem ersten Bandscheibenvorfall, kommen immer weitere Bandscheibenvorfälle und anhaltende Schmerzen hinzu. Ihre Muskelschwäche, unter der sie bereits als Kind litt, und die Symptome weisen zunächst auf Multiple Sklerose hin. Eine Untersuchung in der Uniklinik Göttingen kann den Verdacht jedoch nicht bestätigen. Im Laufe der Jahre leidet die Mutter zweier Kinder aus Holungen im Eichsfeld nicht nur unter mehreren Bandscheibenvorfällen, hypermobilen Gelenken und chronischen Schmerzen, sondern auch unter einer instabilen Wirbelsäule. Dann sieht Jacqueline Liesegang 2019 einen Fernsehbeitrag zu einem seltenen Krankheitsbild und erkennt sich wieder: Das Ehlers-Danlos-Syndrom. Ein Neurologe bestätigt die Diagnose.

Das Ehlers-Danlos Syndrom (EDS) ist eine angeborene Störung im Bindegewebe. Sichtbare Merkmale sind eine Überdehnbarkeit der Haut und überbewegliche Gelenke. Betroffen sind jedoch auch Gefäße, Muskeln, Bänder, Sehnen und innere Organe. Erkrankte leiden über Jahre unter chronischen Schmerzen. Die Erkrankung verläuft in den meisten Fällen fortschreitend und eine Heilung oder medikamentöse Therapie gibt es bislang nicht.

Jacqueline Liesegang kann ihren Beruf als Krankenschwester aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr ausüben und begibt sich in die Multimodale Schmerztherapie von Dr. Steffen Zwanzig in der Helios Klinik Bleicherode. Hier erhält sie ein individuell auf sie abgestimmtes interdisziplinäres Therapieprogramm aus Physiotherapie, Schmerzmedikation sowie psychologischen Gruppen- und Einzeltherapien. Mit der Therapie versucht sie ihr Ziel, so lange wie möglich mobil zu bleiben, zu erreichen. „Man kann nicht so viel machen, wie man möchte. Kein Tag ist wie der andere. Sich das einzugestehen, ist ein schwerer Schritt und eine Hürde, die man als Schmerzpatient überwinden muss“, erzählt Liesegang. Täglich arbeitet sie durch Fahrrad fahren und spazieren gehen daran, ihren Körper nicht den Schmerzen zu überlassen.

Foto:Janine Skara

„Die multimodale Schmerztherapie bezeichnet die gleichzeitige, inhaltliche, zeitliche und in der Vorgehensweise aufeinander abgestimmte umfassende Behandlung von Patienten mit chronifizierten Schmerzsyndromen. Sowohl Verfahren, als auch Behandlungsplan und Therapieziel werden von gleichberechtigen Teammitgliedern festgelegt“, erklärt Dr. Zwanzig, Oberarzt für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapeut in der Fachklinik für Orthopädie. Seit 2008 leitet Dr. Zwanzig die Multimodale Schmerztherapie in der Helios Klinik Bleicherode. Das ganzheitliche Konzept ist für Menschen mit chronischen Schmerzen ausgelegt, bei denen konservative Therapien keine Erfolge brachten, der Medikamentenverbrauch zu hoch oder psychosoziale Risikofaktoren und Begleiterkrankungen deutlich werden.

Für die stationäre multimodale Schmerztherapie in der Helios Klinik Bleicherode wird die Einweisung durch einen Haus- oder Facharzt benötigt. Liegt die notwendige Diagnose durch den Arzt noch nicht vor, können sich Patienten mit einem Überweisungsschein vorab einen Termin in der ambulanten Schmerzsprechstunde von Dr. Zwanzig holen. Während der Untersuchungen werden die zu erfüllenden Patientenkriterien für eine multimodale Schmerztherapie geprüft. „Sind alle Untersuchungen abgeschlossen und der Patient kommt für eine Schmerztherapie in Frage, erhält er einen Termin zur stationären Behandlung“, erklärt Dr. Zwanzig. Gemeinsam mit dem leitenden Oberarzt der Anästhesie, Dr. Björn Lorenz, werden die Patienten in der Multimodalen Schmerztherapie über einen Zeitraum von 14 Tagen stationär betreut.

Jacqueline Liesegang schätzt das Angebot der Multimodalen Schmertherapie sehr. „Die Wochen hier in der Klinik tun mir gut. Gerade der ganzheitliche Aspekt hilft mir bei meinem Krankheitsbild“, sagt Liesegang. Für sie sei es nicht einfach gewesen, Ärzte zu finden, die sich mit ihrer Erkrankung auskennen. Umso mehr hegt sie Vertrauen in die Ärzte und Pflegekräfte der Fachklinik, die sie nun bereits gut kennt. „Das Programm ist Kräfte zehrend und entspannend zugleich. Nach den zehn Tagen geht man zuversichtlicher nach Hause“, erklärt sie. Nun freut sie sich, ihre Töchter wieder in die Arme zu schließen und ihren Alltag erneut zu bewältigen.

Foto:Janine Skara

J.Skara

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