Weißstorch im Aufwind

0

NABU Thüringen stellt Weißstorchenbilanz für 2019 vor

Jena – Der NABU Thüringen kann für das Jahr 2019 erneut eine positive Storchenbilanz ziehen. „In der zurückliegenden Brutsaison gab es so viele besetzte Storchennester wie schon seit über 100 Jahren nicht mehr“, freut sich Klaus Schmidt, der Storchenexperte beim NABU Thüringen.

Der Experte erzählt: „Als ich vor über einem halben Jahrhundert mit dem Registrieren der Störche in Thüringen angefangen habe, war es nicht schwierig einen Überblick über die Storchensituation zu erhalten. Mit 5 besetzten Nestern war die Anzahl 1958 überschaubar. Viele Jungstörche verunglückten damals an Mittelspannungsleitungen. Das Aussterben von Adebar schien nah. Allerdings setzte nach langer Stagnation sehr zögerlich eine Zunahme an besetzten Nestern ein. Ab 2010 stieg dann ihre Zahl kontinuierlich an.“

Dieses Jahr war es wieder ein gutes für den Weißstorch. Das Rekordjahr von 2018, mit 62 gemeldeten Nestern und 138 ausgeflogenen Jungstörchen, konnte sogar übertroffen werden. „In der Brutsaison 2019 waren im Freistaat 72 Storchennester bewohnt und 142 Junge wurden flügge. Zusätzlich haben weitere Paare Nistversuche unternommen – dann aber nicht gebrütet. In der Regel handelt es sich dabei um noch nicht geschlechtsreife Jungstörche. Diese werden es im nächsten Jahr bestimmt erneut versuchen“, berichtet Klaus Schmidt.

Der NABU-Storchenexperte schätzt die Nachwuchsrate für 2019 trotz der überwiegend langanhaltenden Trockenheit und der hohen Temperaturwerte als zufriedenstellend ein. Die Rate liegt mit einem Durchschnittswert von fast 2 Jungen pro Brutpaar geringfügig unter dem langjährigen Mittelwert. „Gerade in der Aufzuchtperiode war es oft sehr schwierig, genügend Nahrung für die Storchenkinder zu finden. So waren die Altstörche zunehmend gezwungen, das angestammte Revier zu verlassen und auf weit entfernten Flächen nach Nahrung zu suchen. Normalerweise sammeln die Brutstörche das Futter für ihren Nachwuchs im Umkreis von maximal 4 Kilometer um den Horst. 2019 wurden Störche aber oft auch an günstigen Nahrungsflächen beobachtet, die bis zu 12 km vom Brutort entfernt liegen. Diese Beobachtungen und die genaue Erfassung der Geschehnisse an allen Horsten kann nur dank der Zuarbeit von ehrenamtlichen Storchenhorstbetreuern und Storchenfreunden erfolgen.“

Thüringen hat auch zwei Storchendörfer, denn Orte mit fünf oder mehr besetzten Storchennestern gelten in Deutschland als „Storchendorf“. In diesem Jahr traf dies für zwei Orte in der Werraaue zu, für Breitungen mit 5 und Berka mit 6 Brutpaaren. Die meisten Brutorte kamen in den Landkreisen Wartburgkreis (27), Schmalkalden-Meiningen(10), Gotha (8), Kyffhäuserkreis (6) und Sömmerda (6). „Anwohner freuen sich auch immer, wenn sich an neuen Standorten Störche niederlassen und sich ein Brutnest aufbauen. Neuansiedlung konnten wir in Wernshausen, Leimbach, Barchfeld, Oberellen, Berka, Herda, Mühlberg, Schwabhausen und Thiemendorf verzeichnen. Auffallend war, dass etliche Neuansiedlungen auch ohne menschliche Unterstützung erfolgten. Es wurden aber natürlich auch Nisthilfen angenommen, viele davon vom NABU errichtet“, so Klaus Schmidt. Damit sich Weißstörche in einer Region niederlassen sind in jedem Fall nahrungsreiche Wiesen und Äcker wichtig, damit über Monate genügend Futter für die Aufzucht der Nestlinge zur Verfügung steht.

Hintergrund

Für den Fortbestand einer Population spielen die Anzahl der erbrüteten Jungvögel sowie ihre Überlebensrate während der Nestlingszeit und nach dem Ausfliegen eine große Rolle. Dabei kann der Bruterfolg von Jahr zu Jahr deutlich schwanken oder auch naturräumlich sehr unterschiedlich ausfallen. Ganz entscheidend sind dabei die Witterung zur Nestlingszeit sowie die erreichbare tierische Nahrungsmenge in den Wiesen, Weiden und Feuchtgebieten. Ackerflächen spielen heute leider eine untergeordnete Rolle, da großflächige Raps-, Mais- und Getreidefelder im Sommerhalbjahr kaum für die Nahrungssuche geeignet sind. Ein Schwerpunkt des Weißstorchschutzes ist deshalb der Erhalt und die ökologische Aufwertung des Grünlandes. Der Naturschutzbund NABU und mehrere Storchenfreunde haben in den letzten Jahren durch die Neuschaffung von zahlreichen Nisthilfen die Ansiedlung der Adebare gefördert.

Teilen

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*