Waldschutzgebiet von europäischer Bedeutung zerstört – NABU kritisiert Holzeinschlag im Tautenburger Forst

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Jena – Der derzeitige massive Holzeinschlag im Tautenburger Forst, im
Saale-Holzland-Kreis wird vom NABU Saale-Holzland-Kreis und vom NABU
Thüringen stark kritisiert. „Wir beobachten diese massiven und teils
verheerenden forstwirtschaftliche Eingriffe, leider auch in sensiblen und
geschützten Waldabschnitten schon seit Jahren. Wo einst mächtige und große
Buchen, Eichen und Elsbeeren standen, blieb fast nur noch Schwachholz
stehen“, erklärt Silvester Tamás der Vorsitzende des NABU
Saale-Holzland-Kreises. „Und das obwohl der Tautenburger Forst ein über die
Grenzen von Thüringen bekanntes Waldschutzgebiet von überregionaler
Bedeutung im europäischen Schutzgebietsnetz NATURA 2000 ist.“

Sogar am Rande des direkt angrenzenden Naturschutzgebiets „Gleistalhänge“
fielen Eichen der Säge zum Opfer. Leidtragender ist unter anderem der Eichen
bevorzugende Mittelspecht, dessen Bestand durch Experten des NABU auch im
Tautenburger Forst seit Jahren kontrolliert wird.
„Der dortige Waldzustand hat sich spürbar und gravierend verschlechtert,
einst nachgewiesene Mittelspecht- und Fledermausvorkommen sind
verschwunden“, berichtet Dr. Siegfried Klaus der Sprecher der Arbeitsgruppe
Wald beim NABU Thüringen. Seit Jahren begleiten der NABU die
forstwirtschaftliche Behandlung des Tautenburger Forstes mit großer Sorge
und dokumentieren dabei einen erschreckend zügig voranschreitenden Verlust
der Schutzqualität und -quantität, aber auch des Naherholungswertes. „Immer
wieder gab es Beschwerden und Termine mit dem zuständigen Forstamt. Dort
gelobte man stets Besserung und versprach vor allem auch die Einbeziehung
des ehrenamtlichen Naturschutzes, um wenigstens bedrohte Arten, wie den
Mittelspecht, Fledermäuse, Eremiten und deren Lebensräumen zu schützen“,
sagt Dr. Siegfried Klaus. „Allerdings schienen die Absprachen nicht viel
wert zu sein. Termine zur Abstimmung der Arbeiten zwischen Forst und dem
NABU Saale-Holzland-Kreis gab es letztlich doch nicht. Gleichfalls ist auch
vom behördlichen Naturschutz der Unteren Naturschutzbehörde so gut wie keine
Einflussnahme zu erfahren – trotz der schlimmen Zustände und des
augenscheinlichen Artenverlustes“, bedauert Silvester Tamás.
Der NABU beklagt das Fehlen eines hinreichend naturschutzfachlich
begründeten Umgangs mit diesem Schutzwald europäischen Ranges. Martin
Schmidt, der Vorsitzende des NABU Thüringen sagt hierzu: „Mit der
Unterschutzstellung der Waldflächen im Tautenburger Forst hat der Freistaat
Thüringen auf europäischer Ebene sowohl eine besondere Verantwortung für
eine positive Gebietsentwicklung hinsichtlich der natürlich vorkommenden und
geschützten Arten, als auch für den Waldlebensraum selbst übernommen. Wir
fordern deshalb dringend einen anderen Umgang mit Schutzgebieten im
Landeswald. Europäische Schutzziele müssen Vorrang vor der Holznutzung
haben.“ Offensichtlich seien die vorhandenen oder in Aufstellung
befindlichen Managementpläne noch einmal kritisch hinsichtlich ihrer
Wirksamkeit für das Schutzziel zu überprüfen. Wenn streng geschützte Arten
aus Schutzgebieten verschwinden, sollten auch alternative Holzerntetechniken
wie zum Beispiel leichtere Maschinen oder das Rückepferd eingesetzt werden.
Die immer noch bedeutenden jährlichen Zuwendungen des Landes an
ThüringenForst sollten genau diese Ziele unterstützen, damit der Wald in
öffentlicher Hand seiner Vorbildfunktion gerecht wird.

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