Unsere Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer….

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Eine kleine Werbung für das lesenswerte Buch „Blaue Wimpel im Sommerwind“

Wem, der vor 1980 geboren ist, geht es nicht so, dass bei dieser Liedzeile sofort die Melodie in Erinnerung gerufen wird und mancher kann sogar den ganzen Text singen. Wer aber weiß schon, dass dieses Lied, das wir als Kinder sangen, schon 1951 entstand und dass es zu Anfang mit dem Begriff „Heimat“ sich von dem Verständnis im Nationalsozialismus abgrenzen wollte. Das zweite bekannte Lied „Blaue Wimpel im Sommerwind“ wurde 1952 geschrieben für den gleichnamigen Dokumentarfilm. Beide Lieder sind Teil unserer Geschichte, der Geschichte einer Generation, die zwischen 1945 und 1980 geboren wurde und der schon bei den Liedtiteln viele, meist schöne Erinnerungen hochkommen. Sie sind aber auch die Lieder, die für die Pionierorganisation der DDR stehen, und diesem Thema hat sich Marcel Piethe in seinem Buch „Blaue Wimpel im Sommerwind“, das vor kurzem im ‚Verlag für Regional- und Zeitgeschichte‘, vormals „Altberliner Verlag“, der in der DDR-Zeit auch viele Kinderbücher herausgab, erschienen ist, gewidmet. Ich bekam es von einem Freund und schon bei dem Titelbild begann eine ‚Zeitreise‘ in den 60er Jahre als ich selbst Pionier war, die Ferienspiele besuchte und ins Ferienlager fuhr. Ich verschlang regelrecht die ersten 100 der 168 Seiten und schaute die Vielzahl der Fotos an, die alle das Leben in den Ferienspielen und Ferienlagern wiederspiegeln. Marcel Piethe hat, wie ich finde, mit diesem Buch nicht nur eine Lücke geschlossen für alle, die nicht trockene Dokumentationen über diese Ferienlager lesen wollen, sondern mit dem Buch ein gewisses ‚Stück Lebensgeschichte‘ wieder aufleben lassen. Sicher, im Text sind auch viele Zahlen, aber die sind beeindruckend! Wer hatte schon eine Vorstellung, dass nahezu 3.000.000 Pädagogen und Pädagoginnen bei der organisierten Feriengestaltung eingesetzt waren oder dass beispielsweise im Jahre 1980 insgesamt 900.000 Plätze in den Ferienlagern zur Verfügung standen. Oder, dass drei Wochen Ferienlager zwischen 15 und 20 Mark inklusive An- und Abreise, Unterkunft, Betreuung und Verpflegung kosteten und dass pro Tag für die Teilnahme an den Ferienspielen incl. Mittagessen und Eintritt in Schwimmbädern, Kino und Museen 1 Mark bezahlt werden musste. Allerdings wird auch in diesem Buch der Zweck dieser Lager aus Sicht des Staates behandelt, denn letztendlich dienten diese auch dazu vorbildliche Staatsbürger der DDR zu erziehen und dafür war kaum ein Aufwand zu hoch. Es muss nicht betont werden, dass dieses Ziel nur sehr vereinzelt erreicht wurde, denn diese bewusst erzogenen Bürger standen 1989 auf der Straße und forderten Freiheit und Veränderung. Zurück aber zu dem Buch „Blaue Wimpel im Sommerwind“. Sicher, es kostet 16,80 EUR – aber es behandelt ein Stück Vergangenheit, das fast schon in Vergessenheit geraten ist. Diese Erinnerung ist schon so tief in uns und wird von den aktuellen Geschehnissen – und damit meine ich nicht nur diese CORONA-krise – verdeckt und immer tiefer eingegraben, dass es eigentlich Zeit wurde, diese Jahre der Kindheit wieder ins Bewusstsein zu rufen. Letztendlich kommen nicht ohne Grund Melodie und Texte, Erlebnisse an eine Ferienzeit und Sommer, die man noch so nennen konnte, an Tage und Wochen im Schwimmbad, an Wanderungen und den Bau von Waldhütten wieder hoch. Man muss Marcel Piehte dankbar sein, dass er nach Recherchen und dem Sammeln der vielen Fotos sich der Veröffentlichung dieses Buches gewidmet hat. Nebenbei: Er ist nicht nur der Autor, sondern auch der Verleger selbst, der sich seit Jahrzehnten geschichtlichen Themen widmet. Ihm ist es zu verdanken, dass meine Frau und ich beim Blättern manche Träne unterdrücken musste. Wir finden, dass dieses Buch von vielen Familien gelesen werden sollte, denn es ist unsere gelebte Vergangenheit, und dass es in den Buchbestand der Schul- und auch sonstiger Bibliotheken aufgenommen werden sollte. Vielleicht als Schlussbemerkung: Gerade in dieser Zeit der auferlegten oder notwendigen Isolation durch diesen Virus ist es auch Zeitvertreib verbunden mit der Erinnerung an und Hoffnung auf bessere Zeiten.

Dr. Wolfgang R. Pientka in Erinnerungen an die Kindheit

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