Tobermory Destillerie – Mull und ihre kleine, aber feine Brennerei

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Die Tobermory Destillerie ist die einzige Brennerei auf der schottischen Insel Mull. Das Eiland liegt nur etwa 6 Meilen westlich von Oban, der gleichnamige Ort hingegen etwa 26 Meilen davon entfernt. Von Oban sind es etwa 45 min Überfahrt. Ein perfekter Zeitvertreib für einen sonnigen Frühlingsmorgen. Bei Einfahrt in den Hafen fallen sofort die farbigen Häuserfassaden an der Main Street – der Straße direkt am Hafen – auf. Rot, Blau, Gelb, sogar Pink ist dabei. Offenbar hatten die Bewohner des Orts irgendwann die Nase voll von den mehr oder weniger grauen Natursteinfassaden.
Viele Geschichten ranken sich um die Gewässer um Mull. Soweit bekannt soll vor Tobermory eine spanische Galeone auf Grund liegen. Nach einer verlorenen Schlacht gegen die Engländer soll diese 1588 auf dem Rückweg nach Spanien zur Proviantaufnahmen gekommen sein. Die Spanier erhielten zwar ihren Proviant, wollen aber nicht dafür zahlen. Kurzerhand sprengten die Inselbewohner die Galeone samt seiner Besatzung in die Luft. Fragt ein Gast einen Einheimischen danach, nutzt dieser die Gelegenheit den Besucher an die Zahlung seiner Zeche zu erinnern.
Am südlichen Ende der Main Street liegt die Tobermory Destillerie. Es fällt auf, wie klein die Destillerie – zumindest nach außer – erscheint. Schreitet man westlich am Objekt den Berg hinauf, sind durch ein großes Fenster die Pot Sills zu sehen. Das Besucherzentrum liegt auf der dem Hafen zugewanderten Seite. Dem Verfasser dieser Zeilen kommt das Prädikat „klein, aber fein“ in den Sinn.
Die Gründung der Destillerie im Jahr 1798 geht auf einen gewissen John Sinclair zurück. Zur damaligen Zeit hatte ein Konsortium die Absicht neue Heringshäfen zu bauen. Die Bucht von Tobermory bot sich als perfekter Ort und eine Destillerie als zusätzliche Geldquelle an. Soweit bekannt, hatten auch die Brüder John und Hugh Stevenson als Hauptauftragnehmer verschiedener Bauvorhaben in der Bucht die Finger mit im Spiel. Diese hatten nur vier Jahre zuvor die Oban Destillerie gegründet. Die Jahrhunderte überstand die Destillerie nicht unbeschadet. Jahrzehnte der Stilllegung, mehrmaligen Umbenennungen und zweckentfremdete Nutzungen hinterließen Spuren. Jim Murray berichtet davon, dass beispielweise in den Lagerhäusern Käseleibe reifen durfte. Er sprach davon, dass dies „zu den kuriosesten Anblicken in der Whiskyproduktion“ gehörte, die er kenne.
Das alles hatte 1993 – als Burn Steward, Inhaber von Deanston, die Brennerei übernahm – ein Ende. Das Unternehmen investierte viel, um die Destillerie auf den heutigen Stand zu bringen. Auch wurde der zum Teil irritierende Auftritt der Marken Tobermory und Ledaig (heute die rauchige Variante) beendet. Zumindest den Tobermory gab es als Blend, als Vattend und auch als Single Malt. Auch schwankte die Qualität der Abfüllungen in teils unerträglichem Maße. Damit war endlich Schluss.
Im Gegensatz zur nur wenige Meilen entfernten Oban Destillerie hat Tobermory heute ein breit gefächertes Angebot an Abfüllungen unterschiedlichen Alters und Finishs. Ungeschlagen ist nach Meinung des Verfassers die 12-jährige Standardabfüllungen im Vergleich zu anderen gleichaltrigen. Die aufgerufenen etwa 47 € je Flasche sind nicht günstig, aber in jedem Fall ihr Geld wert. Hochinteressant sind auch die 12- und 21-jährige Abfüllung mit Manzanilla Finish. Besonders die etwa 140 € teure fassstarke 21-jährige Abfüllung beeindruckt durch eine enorme Aromenvielfalt. Neben einem rauchigen 22-jährigen BenRiach wurde diese zum 9. Tasting vom Whisky Club Nordhausen verkostet.

FotoWCN_MC

L. E.

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