Thüringer sind bundesweit am häufigsten und am längsten im Krankenhaus

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Erfurt, 9. August 2018 – Die Thüringer sind so oft und so lange im Krankenhaus wie kein anderer Bundesbürger: Im vergangenen Jahr war im Schnitt jeder Vierte einmal stationär in Behandlung. Das geht aus dem heute veröffentlichten BARMER Krankenhausreport hervor.

Zum Vergleich: Während in Thüringen im Vorjahr 243 von 1.000 Personen einen Krankenhausaufenthalt hatten, waren es in Hamburg nur 184, in Baden-Württemberg nur 174, ein Unterschied von fast 40 Prozent. Bei den Krankenhaustagen zeigt sich ein ähnliches Bild: Mit 1.847 Krankenhaustagen je 1.000 Personen weist Thüringen wiederum den höchsten Wert im Vergleich der Bundesländer auf. Die niedrigsten Werte verzeichnen erneut Baden-Württemberg mit 1.331 und Hamburg mit 1.443.

„Allein mit der Bevölkerungsstruktur lassen sich diese Abweichungen nicht erklären, zumal unsere Daten altersstandardisiert sind. Ursächlich für die hohen Fallzahlen ist eher die hohe Krankenhausdichte in Thüringen. Denn gerade bei planbaren Behandlungen zeigt sich immer wieder, dass Angebot auch Nachfrage erzeugt“, erklärt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Thüringen.

Dziuk: „Wir brauchen eine gemeinsame Bedarfsplanung“

Mehr Fälle bedeuten auch höhere Kosten. Folglich belegt Thüringen auch beim Vergleich der Ausgaben für Krankenhausbehandlungen den Spitzenplatz unter den Ländern. Pro Versichertem sind 2017 im Schnitt 1.011 Euro geflossen. In Sachsen, das eine vergleichbare

demografische Struktur hat, waren es mit 913 Euro je Versichertem knapp 100 Euro weniger. Die geringsten Ausgaben sind in Baden-Württemberg mit 767 Euro zu beobachten.

Dziuk: „Wir müssen die Versorgungsstrukturen stärker an den Möglichkeiten und der Situation der ambulanten Medizin in Thüringen ausrichten. Derzeit sind mehr als ein Viertel der ambulant tätigen Ärzte im Freistaat 60 Jahre und älter. Wir müssen hier eine drohende Versorgungslücke schließen und sehen großes Potenzial, indem wir Thüringen Kliniken zu Versorgungszenten umgestalten, die ambulante und stationäre Behandlungen anbieten. Wir brauchen ein Gesamtkonzept und eine gemeinsame Bedarfsplanung, um die sektorenübergreifende Versorgung stärken zu können.“

Hintergrund:

Die Datengrundlage für den Report bilden die pseudonymisierten Routinedaten der Versicherten der BARMER. Damit die Analyseergebnisse Aussagen für die Gesamtbevölkerung ermöglichen, wurden die Werte alters- und geschlechtsstandardisiert und auf die Bevölkerungsstruktur Deutschlands hochgerechnet.

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