Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow beim Thüringer HC

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Nur drei Tage nachdem der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) in Berlin das Amt des Bundesratspräsidenten offiziell übernommen hat und einen Tag bevor er sich in Berlin im Bundesrat seinen Länderkollegen- und -kolleginnen als ihr neuer Chef in der Sitzung des Bundesrates vorstellen wird, besuchte der hochrangige Politiker den Thüringer HC. Und das kam so. Eigentlich wollte der Ministerpräsident zur Bundesligaspiel Thüringer HC gegen den SV Union Halle-Neustadt wieder einmal Gast des THC sein. Mit dem Ausscheiden aus der Qualifikation zur EHF European League war die Verlegung des Bundesligaspiels auf den 3. November nicht mehr notwendig. Das Spiel war abgesetzt und der Termin stand noch im wahrlich voll gepfropften Terminkalender des Herrn Ramelow. Es spricht für ihn, dass er den Termin nicht einfach gestrichen hat. Helmut Peter ergriff die Initiative und rief den Ministerpräsidenten an, bat ihn in die Salza-Halle, um mal den rund 50 Sponsoren, die den Profibetrieb im Bundesliga-Handball erst möglich machen, im Kreis von Vereinsmanagement, den Gesellschaftern, Trainer und Spielerinnen in einer zwanglosen Runde Danke zu sagen. „Gerade in dieser schwierigen Zeit mit zwei zurückliegenden Corona-Saisons, mit immer noch restriktiven Auflagen zum Schutze der Gesundheit, ist der Zusammenhalt im Verein von immenser Wichtigkeit“, betonte Gesellschafter Helmut Peter.

Es war wohltuend in der Runde, an der auch der Landrat des Unstrut-Hainich Kreises Harald Zanker und der Stellvertreter des Bürgermeisters von Bad Langensalza, Volker Pöhler, teilnahmen, festzustellen, dass es kein Parteienpalaver und -gezänk gab. Unabhängig von der Parteizugehörigkeit, ob des „schwarzen“ Peter oder des „roten“ Ramelow war die Atmosphäre geprägt vom Stolz aller Beteiligten auf die Botschafter- und Aushängeschildfunktion des Thüringer HC für die Städte Bad Langensalza und Erfurt, den Unstrut-Hainich-Kreis oder das Land Thüringen. Mit seiner sportlichen Erfolgsgeschichte von sieben deutschen Meisterschaften, drei Pokalerfolgen und drei Supercup-Titeln ist der Thüringer HC der erfolgreichste Ballsportverein Thüringens aller Zeiten, und darüber hinaus war er bis vor kurzem der erfolgreichste Frauenhandballverein in Deutschland. Bodo Ramelow stellte mit Bewunderung fest, dass Handball eine ganz besondere Sportart sei, und schmunzelnd bemerkte er „dass zu seinem Schutz mehr Sicherheitsbeamte mit ihm unterwegs seien, als er Polizisten bei einem Handballspiel gesehen hat. Eine hohe Summe an Steuergeldern sei dagegen notwendig, um ein Fußballspiel abzusichern.“

Das Treffen in dieser einmalig schönen Sporthalle, deren Rekonstruktion und Modernisierung, darüber waren sich alle einig, war kein selbstverständlicher Kraftakt. Erst nachdem alle an einem Strang gezogen haben, Landkreis und Bürgermeister sich einig waren und das Land die enorme Fördersumme in zweistelliger Millionenhöhe stemmen konnte, „wurde mit allen Tricks gebaut, nicht verboten, aber auch nicht erlaubt“, wie Landrat Harald Zanker noch immer nachdenklich betonte, weil so ein Landrat viele Prioritäten in seinem Kreis unter einen Hut bringen muss. Es hat sich gelohnt, das konnten alle an diesem Abend unterschreiben und drückten ihr Bedauern nur darüber aus, dass die Eröffnung und erste Nutzungsphase ausgerechnet in die Corona-Pandemie fielen, bei der die Zuschauer, die so begeisterungsfähige „ROTE WAND“ ausgesperrt bleiben musste. Der Landrat unterließ es nicht mahnend den Zeigefinger zu heben und darum zu bitten, dass wir alle lernen, mit Corona umzugehen. „Es ist noch immer das Gebot der Stunde, sich vernünftig zu verhalten, und ein Jeder muss Rücksicht auf andere nehmen.“ Selbstredend, dass sich der Ministerpräsident für die „ROTE WAND“ besonders begeisterte. Um diese wieder hautnah erleben zu dürfen, hat er schon mal den 15. Januar in seinem Terminkalender reserviert: Heimspiel gegen den Buxtehuder SV. Herbert Müller ergriff für die Mannschaft das Wort des Dankes an die Gesellschafter und Sponsoren. Von den Spielerinnen hatte er Laura Kuske, Kim Braun, Josefine Huber und Anika Niederwieser, gleich nach dem Training mitgebracht, und Kerstin Kündig, gerade aus der Schweiz vom Nationalmannschaftslehrgang zurück, war ebenfalls dabei. „Bei uns geht nicht alles übers Geld, wir sind da schon anders aufgestellt als die SG BBM Bietigheim oder Borussia 09 Dortmund.

Viele Sponsoren sichern den Etat und gewährleisten den Profisportbetrieb mit hoher Verlässlichkeit. Besonderer Dank gilt dabei Helmut Peter und Robert Böhm als die Macher an der Spitze der Geldgeber. Der THC ist wegen des fehlenden Großsponsors, den es nun mal in der Region nicht gibt, gezwungen, andere Wege zu gehen. Als Ausbildungsverein und mit seiner sicheren Platzierung an der Spitze der Bundesliga war er immer Garant für die Teilnahme an der EHF Champions League oder der EHF European League. Das zog und zieht leistungsstarke Handballerinnen in den Verein. Bedauerlich, dass es in dieser Saison mal nicht zur Qualifikation zur Gruppenphase der EHF European League gereicht hat. Bei uns ist alles ein bisschen kleiner, ein bisschen familiärer. Gerade im Miteinander der Handballfamilie: Gesellschafter, Sponsoren, Management, Mannschaft, ehrenamtliche Helfer und Zuschauer, darin liegt auch unsere Stärke.“

Den THC noch tiefer in der Bevölkerung zu verbringen, sich noch mehr mit Land und Volk zu verbinden, war eine Botschaft dieses Abends. Dazu sollte auch der „Club der Tausender“ noch mehr genutzt und entwickelt werden. „Was wäre, wenn eintausend sportbegeisterte Bürger einen Tausender im Jahr für den THC übrig hätten?“, stand dabei als Frage im Raum. Sicher noch eine Utopie, noch sind das keine hundert. Aber man sollte daran arbeiten.

Bericht und Foto: HaJo Steinbach

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