Teilnehmerrekord bei Stunde der Gartenvögel

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Haussperling trotz Rückgang auf dem ersten Platz und Blaumeisensterben belegt

Jena – Der NABU Thüringen verkündet bei der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“ einen Teilnehmerrekord. Über 4.900 Vogelfreund*innen haben an der Aktion, vom 8. bis 10. Mai im Freistaat teilgenommen. „Mit dem diesjährigen Ergebnis toppen wir das Rekordjahr 2017. Damals konnten wir immerhin 2.900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für unsere Zählaktion begeistern“, freut sich Klaus Lieder, der Sprecher der Landesarbeitsgruppe Ornithologie im NABU Thüringen. Der Vogelexperte vermutet, dass der Corona-Shutdown zu einem verstärkten Interesse an der Natur vor der Haustür und damit zu den hohen Mitmach-Zahlen geführt hat. „Vielleicht haben wir beim ein oder der anderen die Neugierde an der Vogelwelt geweckt und sie sind beim nächsten Jahr wieder dabei.“

Besonders im Fokus stand die Blaumeise. Im März und April wurden auffällig viele an Krankheit verstorbene Vögel dieser Art gemeldet. Über ein Online-Formular sammelt der NABU diese Hinweise. Bis heute gingen bundesweit über 21.000 Meldungen mit knapp 40.000 betroffenen Vögeln ein, unter ihnen auch welche aus Thüringen. Das vogelspezifische Bakterium Suttonella ornithocola konnte als Auslöser dieser Epidemie identifiziert werden.

„Thüringenweit sind uns 30 Prozent weniger Blaumeisen als im letzten Jahr gemeldet worden“, berichtet Klaus Lieder. Um das Blaumeisensterben als Ursache des Rückgangs zu identifizieren, haben NABU-Forscher für jeden Postleitzahlbereich die Veränderungen der Blaumeisenzahlen bundesweit mit der Anzahl der Meldungen kranker Meisen korreliert. Es ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang: Je mehr Berichte toter Meisen, desto größer waren dort auch die Bestandsrückgänge. In Gebieten ohne Totfundmeldungen gab es im Mittel auch keinen Rückgang. „Wir haben die Hoffung, dass die übrig gebliebenen Blaumeisen sich in der derzeitigen Brutsaison gut weitervermehren. Dies könnte die Verluste eventuell wieder ausgleichen. Wer helfen möchte, gestaltet seinen Garten naturnach mit einheimischen Bäumen und Sträuchern“, so der Vogelexperte.

Wie auch in den letzten Jahren war der Haussperling mit 5,7 Vögeln pro Garten der am häufigsten gemeldete Gartenvogel, 2019 waren es noch 6,18 Tiere. In der Rangliste 2020 folgen Amsel, Kohlmeise, Star, Feldsperling, Mehlschwalbe und Blaumeise.

„Es ist zwar schön, dass der Haussperling der am häufigsten gesichtete Gartenvogel ist, aber dennoch gehen die Bestände des kleinen Kerls europaweit zurück. Einer der Gründe könnte möglicherweise der Mangel an Insekten sein. Der Haussperling benötigt diese für die Aufzucht seiner Jungen. Aber auch immer mehr Nistmöglichkeiten an Gebäuden gehen durch Altbausanierungen verloren“, sagt Klaus Lieder.

Große Verlierer dieses Jahres sind neben der Blaumeise auch der Star und der Grünfink. Die Zahlen sinken in Thüringen konstant von Jahr zu Jahr. Zu den Gewinnern zählt allerdings die Türkentaube, die ihr bisheriges Bestergebnis einfliegen konnte.

Detaillierte Ergebnisse sind auf Bundes-, Landes- und Landkreisebene unter www.NABU-Thueringen.de abrufbar und können mit vergangenen Jahren verglichen werden. Die nächste Vogelzählung, die „Stunde der Wintervögel“ steht vom 8.bis 10. Januar 2021 an.

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