Strukturarme Landschaft fördert Mäusebestand

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NABU Thüringen fordert Wende in der EU-Förderpolitik

Jena – Es ist ein Trauerspiel, auch in diesem Jahr machen Landwirte wieder mobil und wollen mit Giftködern Mäuse bekämpfen. Die Forderungen gehen sogar soweit, in für den Feldhamster ausgewiesenen Gebieten und möglicherweise sogar in EU- Vogelschutzgebieten Gift ausbringen zu dürfen. Laut NABU Thüringen ist der hohe Mäusebestand teilweise eine Folge einer ausgeräumten Landschaft. „Es fehlen einfach die Strukturen wie Hecken und Bäume. Damit fehlen den Mäusen die natürlichen Fressfeinde wie zum Beispiel Greifvögel und Eulen“, sagt Tino Sauer ein Vogelexperte des NABU Thüringen. „An einer gesunden Greifvogel- und Eulenpopulation, die zum Teil dazu beitragen könnte Mäuse im Zaum zu halten, hat niemand Interesse. Selbst Sitzkrücken werden in dieser ausgeräumten Landschaft nur noch ab und zu aufgestellt. Was unsere Greifvögel und Eulen dringend brauchen ist ein Erneuerungsprogramm für Feldgehölze, vor allem in den EU-Vogelschutzgebieten. Denn kommt es in den von der europäischen Union ausgewiesenen Vogelschutzgebieten zu einer Verschlechterung der Eulen- und Greifvogelpopulationen sind mögliche Strafen an die EU nicht ausgeschlossen.“

Der NABU Thüringen versteht aber auch die Landwirtinnen und Landwirte, die eine Pflege und Gestaltung einer strukturreichen Landschaft nicht ohne finanzielle Anreize übernehmen können. „Landwirtinnen und Landwirte müssen angemessen für Umweltleistungen wie die Pflege und das Anlegen von Heckenstrukturen bezahlt werden“, fordert Dirk Hofmann der stellvertretende Vorsitzende des NABU Thüringen. Im Freistaat gibt es zwar schon Förderprogramme die dies unterstützen, aber Dirk Hofmann sieht noch mehr Potential nach oben: „Derzeit wird die Gestaltung der nächsten Förderperiode einer Gemeinsamen Agrarpolitik der EU neu verhandelt. Die Thüringer Mitglieder des Europäischen Parlaments können hierbei einen wichtigen Beitrag leisten und könnten die Pflöcke einschlagen. Die Zahlungen aus der EU müssen sich zukünftig am Gemeinwohl orientieren und eine naturverträgliche Landbewirtschaftung endlich angemessen honorieren. Dann hätten wir auch wieder genügend Strukturvielfalt auf den Feldern, mehr Greifvögel und Eulen und die Landwirtschaft hätte weniger Mäuse zu beklagen.“

Zusatzinfo

Die Feldmaus gehört genauso zum Naturhaushalt wie alle anderen Wildtierarten. Die Schwankungen in den Beständen sind völlig normal. Das Ausbringen von Mäusegift auf landwirtschaftlichen Flächen birgt zudem Gefahren für die biologische Vielfalt. Giftköder können direkt aufgenommen werden und verendende Mäuse werden von Greifvögeln, Eulen, Störchen, aber auch von Hunden und Katzen als erste erbeutet.

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