Solider Herdenschutz im Wolfsgebiet wichtiger denn je

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Jena – „Der jüngste Rissvorfall bei Günthersleben-Wechmar im Landkreis Gotha zeigt, wie wichtig der empfohlene Herdenschutz und die Beaufsichtigung von Weidetieren sind“, sagt Silvester Tamás, der Sprecher der Landesarbeitsgruppe Luchs und Wolf im NABU Thüringen.
In unmittelbarer Nähe zur Autobahn A4 wurden in der Nacht zum Montag Schafe und Ziegen gerissen. Ausgebrochene Schafe und Ziegen flüchteten danach auch auf die angrenzende Autobahn A4 und sorgten für einen Unfall mit einem Lastkraftwagen. Der Sachschaden, der an dem Lastkraftwagen verursacht wurde, wird vorerst mit 3000 Euro beziffert. „Nun muss hinterfragt werden, ob es in einem ausgewiesenen Wolfsgebiet und nahe einer stark befahrenen Autobahn sinnvoll ist nur mit einer 90 Zentimeter hohen Elektrozäunung, dem sogenannten Mindestschutz zu arbeiten. Hier sollte der Herdenschutz unverzüglich, zum Beispiel durch höhere und stabile Zäune und mit Herdenschutzhunden, aufgerüstet werden.“
Zudem sollten Weidetierhalter grundsätzlich mit einer Tierhalterhaftpflichtversicherung versichert sein. In nicht schuldhaften Fällen trägt die Kosten für etwaig entstandene Schäden im Normalfall die Versicherung. Nicht schuldhaft hat zum Beispiel ein Schäfer gehandelt, wenn er seine Schafe ausreichend eingezäunt und damit vor dem Ausbrechen gesichert hat. „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es aber grundsätzlich vor nichts. Denn Weidetiere können auch ausbrechen, wenn zum Beispiel Wildschweine, streunende Hunde oder Menschen die ordnungsgemäße Einzäunung beschädigen“, erklärt Tamás. Ohne hinreichend genetische Untersuchungsergebnisse wurde jedoch voreilig der Wolf für die Risse verantwortlich gemacht. „Schon mehrfach lag man mit vergleichbaren Schnellschüssen daneben. Hier sollten vor allem die zuständigen Behörden mit der notwendigen Sorgfalt und Verantwortung walten“, so Tamás. „Derartig voreilige Mutmaßungen verbreiten sich in der Öffentlichkeit sehr schnell. Die tatsächlichen Untersuchungsergebnisse hingegen dringen dann nur tröpfchenweise durch.“

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