SMOKY SPRINGS – der erste und bisher letzte (Blended) Whisky aus Nordhausen

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Scotch, Irisch Whisky und Bourbon haben im letzten Jahrhundert die Welt erobert. Aber nur wenige wissen, dass auch im Osten des Landes – im real existierenden Sozialismus – Whisky hergestellt wurde. Vorrangig zur Befriedigung alkoholischer Bedürfnisse sozialistischer Staatsbürger aber auch zwecks Devisenbeschaffung im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet (NSW). Führend dabei waren der VEB Falckenthal Luckenwalde mit dem „Der Falckner“, VEB Bärensiegel Berlin mit dem „Old Joe Silver“ und ein Whisky einer ausgewiesenen Kornbrennerei: der „SMOKY SPRINGS“ vom VEB Nordbrand Nordhausen.
Für die Whiskyverrückten vom Whisky Club Nordhausen ist durch den regionalen Bezug zum heutigen Nachfolgeunternehmen, der Nordbrand Nordhausen GmbH, gerade der „SMOKY SPRINGS“ hochinteressant. Fragt man Experten danach, hört man: „Den kenne ich nicht!“ oder „Da weiß ich nichts Genaues!“. Auch im allwissenden Internet sind nur wenige Informationen darüber zu finden – umso mehr Spekulationen. Erfreuliche Ausnahme sind die wenigen Zeilen von Prof. Walter Schobert in seinem „(Das) Whiskylexikon“. Nur wesentlich mehr als über seine Existenz hinaus ist auch darin nichts zu finden. So bleibt nur sich selbst auf Entdeckungsreise zu begeben. Zeitzeugen und Sammlern halfen dabei, Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen.

Die Anfänge des Nordhäuser Whiskys
Mitte der 1960er Jahre beschloss die sozialistische Staatsführung sogenannte „Delikatläden“ zu eröffnen. Die im Volksmund nur „Deli“ oder „Fress-Ex“ genannt wurden. Diese sollten den „gehobenen Lebensmittelbedarf“ der DDR-Bürgern entgegenkommen und gleichzeitig den blühenden Schwarzhandel mit Westprodukte eindämmen. So lag es auf der Hand, auch die alkoholischen Bedürfnisse nach etwas Urwestlichem zu befriedigen – nach Whisk(e)y. Das geschah auf die ganz eigene DDR-typische Art und Weise. Man ordnete einfach an Whisky herzustellen. Dies mündete in der aus heutiger Sicht lächerlichen Absichtsbekundung, der schottischen Whisky-Industrie Paroli zu bieten.
Als Qualitätsstandard dienten dabei natürlich nicht die Anforderungen der westlichen Whisk(e)ybranche, sondern die zwischen 1955 bis 1990 in der DDR geltenden sogenannten „Technischen Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen“ – kurz „TGL“ genannt. Konkret die TGL-Reihe 8247. Diese machten Vorgaben, wie Alkohol und Trinkbrandwein hergestellt werden musste. Wenig überraschend dabei, die TGL hatte herzlich wenig mit Scotch, Irisch Whisky und Bourbon zu tun.
Das Ergebnis der Anstrengungen, ein Blended Whisky namens „SMOKY SPRINGS“ mit einem Alkoholgehalt von 43 % vol., abgefüllt wurde in einer braunen Glasflasche mit quadratischer Standfläche. Diese geht zurück auf die Jubiläumsdoppelkornflasche des VEB Nordbrand Nordhausen, welche anlässlich von 450 Jahren Nordhäuser Doppelkorn im Jahr 1957 hergestellt worden ist.
Den Flaschenhals zierte ein goldfarbenen Schraubverschluss. Unterhalb war ein Etikett angebracht, auf dem die Abfüllung als „Deutsches Erzeugnis“ ausgewiesen wurde. Die gleichen Worte befanden sich im oberen Bereich des über Eck geklebten Vorderetiketts. Darunter das Eisbären-Logo vom VEB Nordbrand Nordhausen. Im unteren Bereich war, wie in der DDR auf allen Waren des täglichen Bedarfs üblich, der Preis von „MDN 22,50“ ausgewiesen. Aus heutiger Sicht hochinteressant, denn hiernach lässt sich das Alter der Abfüllung bestimmen. Die MDN (Mark der Deutschen Notenbank) existierte nämlich nur für wenige Jahre. Im Klartext, diese Abfüllung wurde zwischen dem 1. August 1964 und 31. Dezember 1967 verkauft.
Soweit bekannt, soll der Whisky vollständig im VEB Nordbrand Nordhausen hergestellt worden sein. Dazu bezog man Malz vom VEB Erfurter Malzwerke. Somit wies das Etikett zu Recht „DISTILLED AND BOTTLED IN NORDHAUSEN“ aus.
Aus Sicht der DDR-Staatsführung wurde damit bewiesen, dass auch im real existierenden Sozialismus Whisky hergestellt werden konnte. Nach kurzer Zeit setzte sich aber bei den Beteiligten die Erkenntnis durch, dass die Whiskyherstellung viel zu teuer und das Ergebnis nur mit viel guten Willen genießbar war.

Foto: Blitzlicht

Lesen Sie in Kürze den 2. Teil

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