Scotch in Italien – der Whiskyclub Nordhausen unterwegs

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Ein Urlaub im europäischen Ausland – von Schottland und Irland einmal abgesehen – ist für begeisterte Whiskyliebhaber immer etwas Besonderes. Denn nur hier kann dieser spezielle Whiskyabfüllungen aufstöbern, welche in Deutschland und dem Rest der Welt so nicht zu finden sind. Dazu gehören neben regionalen Abfüllungen insbesondere Abfüllungen, welche speziell für den regionalen Markt geschmacklich abgestimmt und insbesondere von den schottischen Destillerien abgefüllt worden sind.

Ein Beispiel hierfür ist Italien. Legendär ist der italienische Barbesitzer Edoardo „Baffo“ Giaccone, der in den späten 1960er Jahren offizielle Abfüllungen von schottischen Single-Malts für seine Bar in Salo abfüllen ließ. Eine der frühesten Abfüllungen war ein 21-jährige Glenfarclas-Glenlivet, welcher in den späten 1960er Jahren in einer üblichen transparenten Flasche, jedoch ohne Schulterlabel vertrieben wurde und heute für etwa 6.000 € (plus) gehandelt wird. Auf dem Rücklabel dieser Abfüllung ist u. a. die Flaschennummer, das Alter und der Abfüller „Edward and Edward, Salo, Italy“ (Der Name Giaccone`s Bar war u. a. „Edward and Edward“, „La Taverna del Comandante“ usw.) vermerkt. Die verhältnismäßig alte Abfüllung war jedoch weder preislich, noch geschmacklich für die breite Masse bestimmt.

Armando Giovinetti hingegen schaffte, was in den 1960er Jahren undenkbar war. Er vermochte die breite Masse in Italien für Scotch zu begeistern. Dies war jedoch alles andere als leicht. Zunächst musste er einen Lieferanten finden, stieß aber bei den schottischen Destillerien auf wenig Gegenliebe. Nach längerem Suchen konnte er Douglas Mackessack sowie dessen Blender Charles H. Julian von Glen Grant gewinnen.

Letzterer schickte ihm 50 Karton vom 12-Jährigen Glen Grant nach Italien. Danach hörten sie von dem nervigen Italiener nichts mehr, bis sie ein Jahr später von diesem in Schottland besucht wurden. Dieser wünschte sich wieder eine Lieferung, nur von wesentlich jüngerem Whisky, was der Vorliebe der Italiener z. B. für Grappa geschuldet war. Das Resultat der Zusammenarbeit war ein 5-jähriger Glen Grant der in den darauffolgen Jahrzehnten hunderttausendfach von Giovinetti nach Italien importiert wurde. Noch heute ist dieser in jedem gut sortiertem Supermarkt in Italien zu finden und auch für einen deutschen Whiskyliebhaber eine Kostprobe wert.
L. E.

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