Rückgang der Steuereinnahmekraft der Gemeinden in Thüringen im Jahr 2020

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Im Rahmen des jährlich durchzuführenden Realsteuervergleichs wird die Steuereinnahmekraft1) der
Gemeinden aus Realsteuern, Gewerbesteuerumlage2) und den Gemeindeanteilen an der Einkommens-
und Umsatzsteuer2) ermittelt. Im Jahr 2020 betrug die Steuereinnahmekraft der 633 Thüringer
Gemeinden 1 704 Millionen Euro. Das waren nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik
104 Millionen bzw. 6 Prozent weniger als im Jahr 2019. Je Einwohner entsprach dies einem
Rückgang um 44 Euro auf nunmehr 802 Euro.
Die landesdurchschnittlichen Realsteuerhebesätze3) für das Jahr 2020 stiegen teilweise leicht an.
Für die Gewerbesteuer bedeutet dies einen Anstieg von 407 auf 409 Prozent und für die Grundsteuer
B von 435 auf 437 Prozent. Die landesdurchschnittlichen Hebesätze für die Grundsteuer A (299 Prozent)
blieben gegenüber dem Vorjahr unverändert. Die Thüringer Gemeinden nahmen 943 Millionen
Euro an Realsteuern ein, davon 693 Millionen Euro an Gewerbesteuer (brutto) und 250 Millionen
Euro an Grundsteuern. Das waren 120 Millionen Euro bzw. 11 Prozent weniger Realsteuern als im
Jahr 2019.
Die Einnahmen aus dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer verringerten sich gegenüber dem
Jahr zuvor um 16 Millionen Euro bzw. 2 Prozent auf 627 Millionen Euro.
Aus dem Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer hatten die Gemeinden mit insgesamt 193 Millionen
Euro Mehreinnahmen in Höhe von 21 Millionen Euro bzw. 12 Prozent gegenüber dem Jahr 2019.
Die an Bund und Land abzuführende Gewerbesteuerumlage, deren Umlagesatz bei 35 Prozent lag,
belief sich im Jahr 2020 auf 59 Millionen Euro. Im Jahr 2019 waren es 70 Millionen Euro bei einem
Umlagesatz von ebenfalls 35 Prozent.

Regional fällt die Steuereinnahmekraft 2020 in Thüringen sehr unterschiedlich aus. Sie betrug bei
den kreisfreien Städten 856 Euro je Einwohner (-34 Euro). Die Steuereinnahmekraft der kreisangehörigen
Gemeinden lag bei 782 Euro je Einwohner (-48 Euro).
Unter den kreisfreien Städten war die Stadt Jena mit 1 026 Euro pro Kopf der Bevölkerung wiederholt
am steuerstärksten. Steuerschwächer waren Erfurt (908 Euro), Suhl (813 Euro), Eisenach
(778 Euro), Weimar (705 Euro) und Gera (694 Euro). Nur die kreisfreie Stadt Jena konnte eine Erhöhung
ihrer Steuereinnahmekraft verzeichnen.
Kreisangehörige Gemeinden wie Laasdorf im Saale-Holzland-Landkreis (26 525 Euro je Einwohner)
und Großheringen im Landkreis Weimarer Land (19 408 Euro je Einwohner), die meist über Jahre bei
den Pro-Kopf-Werten ein Mehrfaches des Landesdurchschnittes erzielten, liegen zwar im Bereich
vieler großer Städte der alten Bundesländer, können aber wegen ihres relativ geringen Volumens
den Thüringer Durchschnitt nur gering beeinflussen.
Die stärksten Rückgänge der Steuereinnahmekraft je Einwohner gegenüber 2019 gab es in den Gemeinden
Großheringen im Landkreis Weimarer Land (um -3 883 Euro auf 19 408 Euro) und Marth im
Landkreis Eichsfeld (um -2 685 Euro auf 8 145 Euro). Dagegen konnten die Gemeinden Laasdorf im
Saale-Holzland-Landkreis (+22 569 Euro auf 26 525 Euro) und Hohenwarte im Landkreis Saalfeld-
Rudolstadt (+7 181 Euro auf 3 062 Euro) das größte Einnahmeplus ihrer Pro-Kopf-Steuern gegenüber
dem Vorjahr verzeichnen.
Insgesamt erreichten 67 der 633 Thüringer Gemeinden eine Steuereinnahmekraft über 1 000 Euro je
Einwohner. Davon waren neben der kreisfreien Stadt Jena die kreisangehörigen Städte Schleusingen
im Landkreis Hildburghausen und Ohrdruf im Landkreis Gotha nach der Einwohnerzahl die
Größten.
Weitere 393 Gemeinden hatten eine Steuereinnahmekraft zwischen 500 und 1 000 Euro je Einwohner.
Insgesamt 144 Gemeinden bzw. 23 Prozent lagen über dem Landesdurchschnitt von 802 Euro je
Einwohner.

1) Die Steuereinnahmekraft ist eine rechnerische Größe zur Ermittlung landesweit vergleichbarer
Werte. Dabei werden auf die tatsächlichen Besteuerungsgrundlagen einer Gemeinde die
landesdurchschnittlichen Realsteuerhebesätze angewandt.
2) nach der Schlussrechnung
3) Die Realsteuerhebesätze werden bei der Ermittlung der Steuereinnahmekraft als Multiplikator
für den Grundbetrag angewendet; Ausschaltung der unterschiedlichen, individuellen
Hebesätze.

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