Pflege-Report zeichnet Bild der letzten Lebensphase im Pflegeheim

0

Mehr als ein Drittel der verstorbenen Sachsen und Thüringer lebten in einer Pflegeeinrichtung

Die Pflege und Begleitung von Menschen am Lebensende ist ein wesentlicher Bestandteil des Alltags in deutschen Pflegeheimen. Rund jeder dritte, innerhalb eines Jahres verstorbene AOK-Versicherte lebte in einem Pflegeheim.

In Sachsen lebten 2020 34,9 Prozent und in Thüringen 34,7 Prozent der verstorbenen AOK-versicherten Menschen vor dem Tod in einer Pflegeeinrichtung. Deutlich mehr als die Hälfte davon wurde in den letzten zwölf Wochen vor dem Tod mindestens einmal in ein Krankenhaus verlegt.

Verlegung ins Krankenhaus in den letzten Lebenswochen
Auf Basis von AOK-Routinedaten beleuchtet der Pflege-Report, der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) herausgegeben wird, Krankenhaus-Verlegungen von Pflegeheimbewohnenden unmittelbar vor dem Lebensende.
Im Jahr 2020 wurden in Sachsen 46 Prozent und in Thüringen 52,1 Prozent aller Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner innerhalb der zwölf Wochen vor ihrem Lebensende mindestens einmal in ein Krankenhaus verlegt.

„Verlegungen in ein Krankenhaus bergen für die hochbetagten, multimorbiden Patientinnen und Patienten erhebliche Risiken: psychische Belastungen, kognitive Verschlechterungen, in der Klinik erworbene Infektionen, Stürze, Komplikationen durch Immobilisation sowie der weitere Verlust von Selbständigkeit sind hier nur Beispiele“, sagt Dr. Antje Schwinger, Forschungsbereichsleiterin Pflege beim Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) und Mitherausgeberin des Pflege-Reports 2022, der in Kooperation mit Prof. Adelheid Kuhlmey von der Charité Berlin und Prof. Stefan Greß von der Hochschule Fulda herausgegeben wird. Der Pflege-Report 2022 mit Schwerpunkt „Spezielle Versorgungslagen in der Langzeitpflege“ rückt neben der Versorgung am Lebensende jene Pflegebedürftigen in den Mittelpunkt die nicht wie im „Normalfall“ aus altersassoziierten Gründen Unterstützungsbedarf aufweisen.

Die Krankenhausaufenthalte verdichten sich kurz vor dem Tod. In der letzten Lebenswoche hatten 2020 29,5 Prozent der Pflegeheimbewohnenden aus der Studienpopulation in Thüringen und 27 Prozent in Sachsen einen mindestens eintägigen Krankenhausaufenthalt.

Vermeidbare Krankenhausaufenthalte
Mehr als jeder dritte Krankenhausfall in den letzten zwölf Wochen vor Versterben kann – so die WIdO-Analysen – als potenziell vermeidbar klassifiziert werden. Analysiert wurde hierbei die Häufigkeit von so genannten Pflegeheimsensitiven Krankenhausfällen (PSK). Experten definieren als solche beispielsweise Herzinsuffizienz, Dehydration oder Harnwegsinfektionen.

„Die Analyse der PSK-Fälle liefert dabei Anhaltspunkte, ob die Behandlung potentiell auch im Pflegeheim möglich gewesen wäre. Inwiefern die erfolgten Krankenhauseinweisungen nahe dem Lebensende ganz generell nicht dem Willen der Betroffenen entsprechen, kann über Routinedaten nicht erfasst werden“, so Schwinger.

Mehr Palliative Kompetenzen und Patientenverfügung
Um die Hospitalisierungsrate zu senken, kann es helfen, die Palliativ-Kompetenzen von Ärzten und Pflegenden weiterzuentwickeln, die interprofessionelle Zusammenarbeit zu intensivieren sowie ausreichend personelle Ressourcen bereitzustellen. Auch das Vorliegen und die Berücksichtigung einer Patientenverfügung hilft, den Bedürfnissen der Bewohner gerecht zu werden und in Ihrer letzten Lebensphase gut begleitet werden können.

Share.

Leave A Reply

*