North British Destillerie – groß, größer, North British

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Die North British Destillerie liegt in Edinburgh, unweit des Rugby-Union- und Fußballstadions Murrayfield und etwa halbe Meilen östlich vom Standort der ehemaligen Caledonian Destillerie. Nördlich tangiert die Bahnlinie der früheren North British Railway die Destillerie. Vermutlich war diese auch der Grund, der für schottische Verhältnisse reichlich suspekten Namensgebung.
Gegründet wurde die vermutlich heute größte Whisky Destillerie Schottlands am 24. Oktober 1885. Der erste Whisky floss im September 1887. William Sanderson, Andrew Usher und John Crabbie waren die Gründer. Im Whiskygeschäft waren das zu der damaligen Zeit große Namen.
William Sanderson (*1839, †1908) begann im Alter von 13 Jahren eine Lehre bei einem Wein- und Spirituosenhersteller und gründete bereits 1863 in seiner Heimatstadt sein eigenes Whiskygeschäft. Sanderson experimentierte auch mit Whisky-Mischungen. 1880 trat sein Sohn William Mark in das Unternehmen ein. Gemeinsam kreierten sie rund 100 Blends – vermutlich waren dies überwiegend Vattings – und füllten diese in kleine Fässer ab. Danach luden sie Whisky-Experten, Freunde und Verwandte ein, die diese jeweils kosten durften. Dabei muss ernsthaft bezweifelt werden, dass je einer alle Proben genossen hat. Die überwiegende Anzahl der Gäste entschied sich für den Bottich (im englischen „Vat“) mit der Nr. 69, dessen Produktion im Juli 1882 startete. Für seinen Blend suchte Sanderson nach einem geeigneten Lead-Malt. Er fand ihn schließlich bei Glen Garioch und übernahm 1886 schließlich einen 50%-Anteil der Destillerie.
Der zweite im Bunde war Andrew Usher II. (*05.01.1826, †01.11.1898). Dieser perfektionierte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Blending von Whisky, daher wird er manchmal auch als „Vater des schottischen Whiskys“ bezeichnet. Außerdem war John Crabbie (*02.12.1806 – †1891) dabei. Dieser startete seine Unternehmerkarriere relativ früh im Geschäft seiner Eltern. Ob er deren Geschäft übernommen hat, ist nicht sicher. Fest steht, dass er eine Partnerschaft mit William Cree einging, um das Geschäft James Wyld & Co zu kaufen. Nach dem Tod von Cree im Jahr 1840 wurde das Unternehmen in John Crabbie & Co. umbenannt. Seine größte unternehmerische Leistung war die Gründung der North British Distillery. Crabbie starb 1891 in Royal Terrace als vermögender Mann. Mit einem Großteil seines Erbes bedachte er seine Bediensteten oder wurde an medizinische Einrichtungen gespendet.
Alle drei hatten mit der Gründung der North British Distillery die Absicht, sich eine sichere Quelle von dem für ihren Whisky Blends so wichtigen Grain-Whisky zu schaffen. Die Produktionskapazität war für damalige Verhältnisse – und ist es für heute noch – enorm hoch. Bereits ein Jahr nach Inbetriebnahme, im Jahr 1888, waren es 3,6 Millionen Liter. 1914 lag die Jahresproduktion bei fast 9 Millionen Liter. Der 1. Weltkrieg traf North British hart, 1917 folgte zwangsläufig die Schließung. Pläne die Destillerie in eine Aceton Fabrik umzuwandeln wurden entworfen bzw. wieder fallen gelassen. Ab Januar 1920 wurde die Produktion wieder aufgenommen, so dass sie 1925 wieder das Vorkriegsniveau erreichte.
Die amerikanische Prohibition und der Weltwirtschaftskrise am Anfang der 1930 Jahre warfen den Whisky-Riesen wieder zurück, die Produktion sank auf 1,2 Millionen Liter. Bis 1937 gelang es wieder die Produktion auf etwa 9 Millionen Liter zu steigern. Während des Zweiten Weltkrieges war North British wieder gezwungen, die Produktion einzustellen. Danach wurde die Produktion wieder ausgebaut und liegt im Jahr 2019 bei über 65 Millionen Liter.
Für die Produktion wird eine Kombination aus gemälzter Gerste und Mais verwendet. Das Mälzen erfolgt ab etwa 2002 in hauseigenen Saladin Boxen und die Destillation in drei Coffey Stills. Die Reifung erfolgt in Eichen- und Ex-Sherryfässern. Die Lagerhäuser haben eine Kapazität von etwa 130 Millionen Liter. Die Destillerie besitzt kein Besucherzentrum, ist aber dafür bekannt, dass nach Voranmeldungen ein Besuch möglich ist.
Offizielle Abfüllungen von North British sind extrem rar und – soweit dem Verfasser dieser Zeilen bekannt – erst ab 2010 lanciert worden. Zuvor gab es jedoch mindesten zwei Abfüllungen, die nur für Mitarbeiter der Destillerie bestimmt waren aber inzwischen auch manchmal von Auktionshäuser angeboten werden. Bei der – soweit bekannt – ersten handelt es sich um den „North British 1980“. Dieser wurde im Jahr 1980 destilliert und vermutlich um 1990 fassstark abgefüllt. Den vorläufigen Höhepunkt bildete ein 58-jähriger Single Grain Whisky. Am 24. Oktober 2018 erklärte North British, dass sie diesen ab November 2018 in einer limitierten Auflage von nur 222 Exemplaren zum Preis von 1.700 GBP je Exemplar anbieten wollen.
L. E.

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