Nordhäuser Jugendamt hat 163mal einen „sozialen Rettungsring“ ausgeworfen

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In einer bundesweiten Kampagne machen die Jugendämter in Deutschland derzeit auf ihre Arbeit aufmerksam, die gerade in der Corona-Pandemie eine besondere Relevanz erhält. „Wir bieten einen ‚sozialen Rettungsring‘“, nach dem Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern greifen können“, sagt Roswitha Lindemann, Leiterin des Allgemeinen Sozialen Dienst, kurz ASD, des Landratsamtes Nordhausen. „Der ASD ist in Familien immer dann zur Stelle, wenn’s kriselt – in der Corona-Krise und natürlich auch danach. Von Schulproblemen über Konflikte in der Familie bis zur Sucht – vieles kann Kindern und Jugendlichen das Leben schwer machen. Die Corona-Pandemie hat in vielen Familien die Probleme noch verschärft“, so Lindemann. Eltern hätten Probleme, den Alltag in den Griff zu bekommen: von regelmäßigen Mahlzeiten bis zum Umgang mit Konflikten. Genau dann sei das Jugendamt gefragt: Der ASD helfe dabei, den Alltag zu organisieren. „Praktische Unterstützung zu geben, das ist unser Job. Das Spektrum an Hilfe, das der ASD anbietet, ist breit: von der Erziehungsberatung über die Unterstützung in der Familie bis zum Vermitteln einer stationären Hilfe“, so Roswitha Lindemann.

Eltern oder Kinder wendeten sich oft selbst ans Jugendamt. „Aber auch Menschen aus dem Umfeld meldeten sich, wenn sie sich Sorgen um ein Kind machen: Vor der Corona-Pandemie kamen Hinweise oft aus Kitas und Schulen. Jetzt sind es häufiger auch Nachbarn, die merken, wenn Hilfe vom Jugendamt gebraucht wird. Wenn das Wohl von Kindern gefährdet ist, dann ist das ein absolut ernstes Thema. Es ist wichtig, hier die Augen im Alltag offenzuhalten und mit den Ohren im eigenen Umfeld auf Empfang zu bleiben“, so Lindemann. Im vergangenen Jahr seien 163 Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung beim Jugendamt des Landkreises Nordhausen eingegangen – Fälle, die den Allgemeinen Sozialen Dienst auf den Plan gerufen haben. Rund 30 Prozent davon waren „ernste, oft akute Fälle“, berichtet Lindemann. Hier sei es beispielsweise um Vernachlässigung bzw. Verwahrlosung gegangen. Ebenso komme es immer wieder vor, dass das Jugendamt auf selbstverletzendes Verhalten oder Suizidandrohungen von Eltern oder jungen Menschen treffe oder mit Alkohol und Drogenmissbrauch zu tun habe. „Bei gut 50 Prozent der Hinweise, die uns erreicht haben, gab es zwar keine Kindeswohlgefährdung, allerdings war Hilfe und Unterstützung vom Jugendamt dringend notwendig. Da sind wir drangeblieben. Bei knapp einem Fünftel der Meldungen handelte es sich um ‚falschen Alarm‘. Aber es ist uns lieber, es wird einmal zu viel als zu wenig hingeschaut“, so Roswitha Lindemann. „Wenn es darum geht, dass das Wohl der Kinder gefährdet ist, dann ist der Eins-zu-eins-Kontakt mit den Eltern enorm wichtig – egal, ob es einen Lockdown gibt oder nicht.“ Oft reiche es für den Schutz der Kinder bereits aus, den Eltern konkrete Hilfen anzubieten. „Denn das ist häufig schon der Schlüssel zum Erfolg. Wer die Eltern stärkt, schützt damit oft auch gleich die Kinder: starke Eltern, starke Kinder“, davon ist Lindemann überzeugt. Wer Hilfe braucht, kann sich direkt ans Jugendamt wenden – Telefon 03631 911- 5201 oder E-Mail an Jugend@lrandh.thueringen.de

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