Nordhäuser Geotechniker besuchen sturmsichere Windkraftanlagen

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Nordhausen (HSPN) Kyrill, Lothar, Xavier: Wer kennt sie nicht, die verheerenden Stürme, die so große Schäden in Deutschland angerichtet haben. Der Klimawandel wird für weitere Stürme sorgen und wir fragen uns: Wie halten eigentlich die Großwindkraftanlagen diesen enormen Belastungen stand? Warum werden sie nicht einfach umgeblasen?

Mit Fragen wie diesen befassten sich Studierende der Geotechnik auf ihrer einwöchigen Exkursion nach Berlin und Hamburg. Nach dem Besuch eines komplexen Projektes zur Absenkung des Grundwasserspiegels in Köpenick und einer Stippvisite auf dem Schöneberger EUREF-Campus ging es zunächst auf den Spreebogen, wo Professor Genske die Entwicklung dieses historisch bedeutenden Areals von der Eiszeit bis zum Mauerfall erläuterte. Am nächsten Morgen folgte der Besuch des „QH-Tracks“ vor dem Berliner Hauptbahnhof. Ein ganzes Stadtviertel wird neu gebaut und die schwierigen Baugrundverhältnisse stellen hier die Geotechniker von Bauer Spezialtiefbau vor besondere Herausforderungen. Schon mittags ging es weiter nach Hamburg zur Hafen City und zur Elbphilharmonie.

Wie man extrem kontaminierte Böden wieder reinigt, wurde den Studierenden am nächsten Vormittag zunächst von der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie und der reconsite GmbH auf dem Eurogate-Gelände demonstriert und dann von der Bauer Resources GmbH/Bauer Umwelt auf der bundesweit bekannten Altlast von Boehringer Ingelheim.

Der vierte Exkursionstag führte die Teilnehmer zur 5. Schleusenkammer am Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel, wo insbesondere die Umlagerung der Schlickböden die Geotechniker vor technische und logistische Herausforderungen stellt, wie das Ingenieurbüro Küster & Petereit aus Elmshorn anschaulich demonstrieren konnte.

Am letzten Tag wurde dann schließlich die eingangs erwähnte Frage zur Gründung von Windkraftanlagen beantwortet: Im Landkreis Ludwigslust-Parchim südlich von Schwerin entsteht ein Windpark mit 16 Windkraftanlagen vom Typ N117/3600 der Nordex Group mit einer Nennleistung von 58 Megawatt. Am Bau beteiligt sind die LOSCON GmbH aus Beeskow, die Gemeinde Hoort und die mea Energieagentur. Der Rotordurchmesser beträgt 117 Meter bei einer Nabenhöhe von 141 Metern. Mit seinen Rotorblättern ist eine solche Anlage höher als der Kölner Dom. Damit diese „Riesen“ auch starken Stürmen standhalten, reicht die notwendige kreisförmige Gründung im Zentrum bis 8 m in die Tiefe. Hierfür werden 600 Kubikmeter Beton benötigt, die an einem Tag gegossen werden müssen. Der anschließende Turmaufbau erfolgt in Hybridbauweise: Bis in 80 Meter Höhe werden eckige Betonfertigteile und danach runde Stahlbauteile verbaut.

Nach diesem eindrucksvollen Einblick in den Spezialtiefbau ging es zurück an die Hochschule Nordhausen in der Gewissheit, dass auch bei starken Stürmen das Licht nicht ausgehen wird. Die Studierenden zeigten sich beeindruckt von dem runden und anspruchsvollen Programm – obwohl ein Aspekt fehlte: Es waren wirklich nur Studenten mit von der Partie, keine einzige Studentin. Und es waren wirklich nur Bauleiter und Ingenieure vor Ort, keine einzige Bauleiterin oder Ingenieurin. Die Hochschule Nordhausen ruft daher ausdrücklich auch Interessentinnen auf, sich in den Studiengang Geotechnik einzuschreiben, der eigens nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik entwickelt wurde. Traut Euch! Zu tun gibt es genug und willkommen sind alle, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

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