Neustadts älteste Schützenfahne kehrt nach Jahrzehnten zurück

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142 Jahre Fahne im Internet entdeckt. Kurort startet Spendenaktion
Viele Jahrzehnte war sie verschwunden: Jetzt ist die zweite und älteste Fahne des einstigen Neustädter Schützenvereins wieder in den Kurort zurückgekehrt. Nachdem die erste Schützenfahne bereits 2005 aus den USA wieder ihren Weg nach Neustadt fand, brachte jetzt der Urbacher Jürgen Vopel die zweite vermisste Schützenfahne zurück und übergab sie an Ortsteilbürgermeister Dirk Erfurt. Der Urbacher Bürgermeister ist nicht nur Vorsitzender des örtlichen Schützenvereins, sondern forscht auch zur Schützenbewegung in Deutschland und speziell im Südharz. „Ich suche regelmäßig im Internet nach historischen Sachen aus der Region. Es war reiner Zufall, dass ich die Fahne aus dem Jahr 1878 im Internet entdeckt habe“, berichtet er.
Im Frühjahr fand der 62-Jährige die grüne Fahne, die auf der anderen Seite das Neustädter Wappen auf hellem Grund zeigt, auf der Onlineseite eines Sammlers aus Brandenburg. Die Inschrift „Schützen-Compagnie zu Neustadt u.H. 1878 “ und die Fahnennägel anlässlich des 75. Vereinsjubiläums am 22. Juni 1930 ließen keinen Zweifel: Die Fahne musste aus Neustadt im Südharz stammen. Fahnennägel sind Plaketten, die am Stock der Fahne angebracht worden sind, ähnlich wie an Wanderstöcken und meist zu Jubiläen von befreundeten Vereinen geschenkt worden sind. Auf der Fahne sind neben einem Fahnennagel eines Männerturnvereins, auch Nägel vom SV Hohnstein, dem Schützenverein Urbach, dem Schützenbund Salza und dem Schützenverein Buchholz sowie der einer Familie Bratfisch angebracht.
Vopel ließ sich daraufhin von dem Sammler aus Brandenburg Fotos der Fahne schicken und nahm Kontakt nach Neustadt auf. Ruth und Rupert Ströbele suchten in der Ortschronik nach Fotos der Schützenfahnen und fanden tatsächlich zwei Fotos aus dem Jahr 1928, auf denen die älteste der beiden Schützenfahnen zu sehen ist. „Selbst die Lädierung, die die Fahne heute noch aufweist, ist bereits auf den Fotos zu sehen“, schwärmt Vopel. Als klar war, dass es sich um die vermisste Schützenfahne handeln muss, kaufte Vopel die Fahne und ließ sie nach Urbach schicken.
Einen mittleren dreistelligen Betrag hat Jürgen Vopel für die Fahne an den Sammler bezahlt. „Wir wollen die Fahne natürlich auslösen und starten deshalb einen Spendenaufruf. Ich freue mich über jeden gespendeten Euro. Wir werden im Gemeindebüro eine Spendenbüchse aufstellen“, kündigte Dirk Erfurt an.
Auch der Osteröder Schützenverein, der in Osterode und Neustadt die Schützentradition weiterführt, wird sich finanziell beteiligen, wie dessen Vorsitzender Andreas Lohrengel am Rande der Übergabe sagte.
Wann genau die Fahne verschwunden ist, kann keiner mehr sagen. „Vermutlich in den Kriegswirren oder in den Jahren danach“, sagt Heimatforscher Rupert Ströbele. Zu DDR-Zeiten war der Neustädter Schützenverein, der 1855 gegründet worden war, verboten. Nach der politischen Wende gründete sich der Verein kurz wieder, ehe er sich erneut auflöste. Deshalb soll die Fahne erst einmal im Gemeindeamt aufbewahrt werden. „Wo genau sie langfristig ausgestellt wird, ist noch nicht entschieden. Sie wird einen würdigen Platz erhalten. Wer sich die Fahne ansehen möchte, kann gern in das Gemeindebüro kommen“, lädt Ortsbürgermeister Dirk Erfurt Interessierte ein.
Fest steht für den Ortschef, dass die Fahne spätestens im Jahr 2022 der Öffentlichkeit wieder präsentiert wird. Dann feiert Neustadt seinen 650. Geburtstag und lädt zum großen Neustadttreffen.
Foto: Jürgen Vopel (hinter der Fahne) überbrachte Dirk Erfurt jetzt die Schützenfahne. Weiterhin auf dem Foto (v.l.n.r.): Ruth Ströbele, Harry Appenrodt, Rupert Ströbele und Andreas Lohrengel. Foto: Susanne Schedwill

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