Natura 2000 bedroht den Lebensraum der Menschen am Stausee Kelbra!

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Der Stausee Kelbra wurde in den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts erbaut. Grund dafür waren die nahezu jährlichen Hochwasserereignisse in der Goldenen Aue mit beträchtlichen Schäden, hervorgerufen durch die Helme, Thyra und andere Gewässer, welche das Schmelzwasser aus dem Harz ableiten.
Priorität am Stausee hat der Hochwasserschutz!
Das Gewässer ist bei Einheimischen ,Touristen und Naturfreunden sehr beliebt und bildet, wie Touristiker sagen, einen Hotspot in der Region.
Die allseits akzeptierte Landschaftsschutzverordnung regelt das Zusammenleben am Stausee. So haben sich in den 50 Jahren des Bestehens des Gewässers viele Arten im und um den See angesiedelt oder sind temporär anzutreffen. Es funktioniert gut am Stausee.
Nun soll eine Natura 2000 Verordnung dem Gebiet übergestülpt werden. Gemeinden, Verbände , Vereine und andere Betroffene wurden überhaupt nicht bei dem Entwurf zur Natura 2000 Verordnung mit einbezogen. Welch ein Fehler! Hier hätte auf Basis der bestehenden Landschaftsschutzverordnung das Muster einer Verordnung zu Natura 2000 mit sehr großer Akzeptanz entstehen können. Denn der Gedanke der Natura 2000 ist nicht Kulturlandschaften in Reservate zu verwandeln, sondern die bestehende Natur so zu erhalten wie wir sie vorfinden. Jetzt ist ein Misstrauen zum Naturschutz in der Bevölkerung, welcher dem Naturschutz mehr schadet als nützt. Das ist sehr schade. Über 300 Menschen haben bei einer Bürgerversammlung ihren Unmut zum Natura 2000 Entwurf zum Ausdruck gebracht. 800 Personen haben eine Petition unterschrieben. Den zuständigen Stellen liegen 3500 Einsprüche zur Verordnung vor und beschäftigen diese. Diese Arbeit und die dafür verwendeten Mittel hätten wahrlich sinnvoller eingesetzt werden können.
Wir sind mal gespannt, ob der Entwurf mit all den nicht zu begründeten Verboten, Einschränkungen in Kraft tritt. Man hat ja in diesem Jahr das langjährig bewährte Stauregime schon einmal geändert. Ab Ende Mai konnte man an unserem Pegel beobachten, dass durch Verdunstung fehlende Wasser nicht mehr ausgeglichen wurde. Der Wasserstand der Helme hätte zu diesem Zeitpunkt und bis Ende Juni ausgereicht um nachzustauen. Die Pegel der Helme sind bekannt. Die Umweltministerin des Landes Thüringen hat es ja im September 2017 im Zusammenhang mit der Vorstellung der so genannten Kranichranger kund getan, dass sie sich für ein frühes Absenken des Wasserspiegels im Stausee einsetzen wird.
Was hat man erreicht? Auf Grund der extremen Trockenheit verbunden mit den außergewöhnlich hohen Temperaturen und eigentlich keinem Niederschlag in der Region fiel der Wasserstand sehr schnell. Dadurch fiel die gesamte Ufervegetation trocken. Wir konnten dann verlassene Nester von Blesshühnern und Tauchern aller Art beobachten. Waschbär und Fuchs hatten leichte Beute. Selbst das Schwanenpaar, welches in unmittelbarer Nähe unserer Steganlage brütete gelang es nur ein Jungtier gegen die Räuber zu verteidigen. Bei den Enten konnte man ähnliches beobachten. Das der Stausee bei diesen Bedingungen trocken fällt ist unvermeidbar. Aber unsere langjährigen Beobachtungen zeigen, dass dieses dann aber erst Mitte-Ende August passiert. Dann fällt evtl. eine Brut bei den Wasservögeln aus und nicht alle. Ein Beispieljahr wäre 2003. Die Watvögel waren schon einmal Anfang Juli kurz zu beobachten, diese sind aber im Moment nicht zu finden. Die Schlickflächen sind ähnlich hart wie Beton, so dass dort keine Nahrung gepickt werden kann. Ein längere Stau hätte auch länger den Grundwasserspiegel in den Polderflächen gehalten, so dass ein reichhaltigeres Nahrungsangebot für alles, um es mit Hermann Löns zu sagen, was da kreucht und fleucht, bestehen würde.
Die Umweltministerin des Landes Sachsen Anhalt hat wiederum eine Einladung zu einem Arbeitsgespräch ausgeschlagen. Derzeit würde eine fachliche Arbeitsgruppe den künftigen Betriebsplan zur künftigen Steuerung der Talsperre außerhalb der Hochwasserführung erarbeiten ! Weiterhin sollen die Möglichkeiten und Grenzen einer künftigen touristischen Nutzung ausgelotet werden. Aus wem besteht denn die Expertengruppe? Wie beim „Gesamtkonzept Elbe“ aus Grüner Partei , NABU und BUND? Warum lässt man bei der Erarbeitung dieser Konzepte die Menschen vor Ort außen vor? Natürlich fragen wir uns auch, warum ein Ingenieurbüro mit der Erarbeitung eines neuen Managementplanes zur Wasserführung des Stausees beauftragt wird? Warum bestimmen dort überwiegend Nichteinheimische im Zusammenspiel mit Behörden über unsere Region? Warum stellen diese Leute sich nicht einer sachlichen Diskussion? Wird so von den Umweltministerien in Sachsen Anhalt und Thüringen Demokratie gelebt? Ist das Wissen um die Natur der einheimischen Bevölkerung nichts wert, oder einfach nur hinderlich?
Für uns als Wassersportverein bedeutet im Umkehrschluss nichts anderes, als weitere Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Man verbietet uns nichts, aber man macht es uns unmöglich unseren Sport auszuüben. Der Verlierer dabei ist wie man an Hand dieses Jahres sehr deutlich sieht die Natur, insbesondere die Vogelwelt. Man sollte einfach mal überlegen was man tut. Wenn man das umbringt was es zu schützen gilt, stimmt etwas im Denkansatz nicht!
Wenn diese Pläne umgesetzt werden, wird nach 50 Jahren der Segelsports am Stausee Kelbra zum Erliegen kommen, ein Stück Sportkultur aus der Region verschwinden. Der SCK e.V. wird Opfer eines ideologisch getriebenen Vogelschutzes. Derzeit hat der Segelclub Kyffhäuser e.V. 70 Mitglieder, es trainieren im Segelclub 10 Kinder und Jugendliche. Von unseren Regattaseglern reisen 4 Mannschaften zu den Ranglistenregatten der Klassenvereinigungen. In den letzten Jahren haben wir regelmäßig 2-3 Mannschaften bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft der Ixylon. Wir hatten 2012 die Ehre eine von der Klassenvereinigung Ixylon und dem DSV vergebene IDM am Stausee Kelbra austragen zu dürfen. Monatlich findet eine offene Vereinsregatta statt. Eine Regatta ist als Ranglistenregatta der Ixylonklasse fest im Regattakalender der Klassenvereinigung verankert. Ein Jugendtrainingslager und ein Jugendleistungslager wird vom SCK jährlich veranstaltet. Der Verein hat mehrmals von der EU das Umweltzertifikat „Blaue Flagge“ erhalten. Ist es das Wert, alles aufzugeben? Sollen hier die Menschen gegen in keiner Weise bedrohte Tiere ausgespielt werden? Was wird dann aus unseren Kindern und Jugendlichen? Wie fühlen sich dann unsere Senioren die alles während der letzten 50 Jahre ihrer Freizeit aufgebaut haben? Wo bleibt der viel gepriesene Respekt vor gemeinnütziger Arbeit und Ehrenamt? Auf diese Fragen ist uns ein Landtagsabgeordneter der grünen Partei des Landes Sachsen Anhalt seit einem Jahr die Antwort noch schuldig. Soll mit diesen Maßnahmen die Gesellschaft weiter polarisiert werden? Um es mit den Worten eines Lokalpolitikers zu sagen: „Die einzige Spezies welche in der Region bedroht ist, ist der Mensch“ .
Noch einen Tipp an alle, welche die in den letzten 50 Jahren gewachsene Natur am Stausee im Sinne einer von ihnen gewollten Natura 2000 Auslegung umbauen wollen:
Was hinter dem Horizont ist, kann man nur vermuten , festzulegen was hinter dem Horizont zu sein hat ist nicht möglich!

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