NABU rät zum sachlichen Umgang mit dem Thema Wolf.

0

Studie belegt: Wolfsangriffe auf Menschen sind sehr unwahrscheinlich – Wolf bei Gera ist vermutlich ein Durchzügler

Jena – Auch wenn Wölfe ab und zu durch unsere Dörfer und Städte streifen, wie jüngst das Beispiel aus Wünschendorf bei Gera zeigt, gibt es keinen Grund, in Panik zu verfallen. „Wölfe verirren sich auf ihren Wanderung manchmal in Siedlungsgebiete. Das kennen wir aus Ländern wie Russland und Rumänien mit größeren Wolfsvorkommen. Dort kommt es viel häufiger zu solchen Meldungen, wie jüngst die hiesige aus Wünschendorf“, sagt Silvester Tamás, der Sprecher der Landesarbeitsgruppe Luchs und Wolf beim NABU Thüringen. „Eine aktuelle Studie zeigt, dass trotz der wachsenden Wolfspopulation in Europa das Risiko eines Wolfsangriffes sehr gering ist.“

Um herauszufinden wie groß die Gefahr eines Wolfsangriffes wirklich ist, haben die Verbände NABU, IFAW und WWF das NINA-Institut beauftragt, eine zurückliegende ältere Studie zu wiederholen und dabei weltweit nach entsprechenden neuen Vorfällen zu suchen. Die Ergebnisse der älteren NINA-Studie zeigten schon damals, dass es zwar Angriffe durch Wölfe auf Menschen gab, aber die Wahrscheinlichkeit dafür jedoch sehr gering war. Zwischen 1950 und 2002 wurden in Europa (ausgenommen Russland) und Nordamerika 68 Menschen von Wölfen verletzt, in acht Fällen tödlich. Bei über der Hälfte der Angriffe war Tollwut die Ursache. Mit der neuen, aktuell vorliegenden Studie fanden die Wissenschaftler für den Zeitraum von 2002 bis 2020 weltweit 489 Angriffe, von denen 26 tödlich endeten. Schwerpunktregionen für Konflikte sind der Iran, die Türkei und Indien. Der Großteil (78 Prozent) der Angriffe lässt sich auf eine Erkrankung mit Tollwut zurückführen. Tollwut spielt für Mitteleuropa und Deutschland seit gut 15 Jahren keine Rolle mehr. Für Nordamerika und Europa kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass es in den zurückliegenden 18 Jahren insgesamt 14 Angriffe von Wölfen auf Menschen gab, von denen zwei Fälle (beide in Nordamerika) tödlich waren. Die Tollwut ist hier ausgerottet, nur ein Fall in Kroatien ließ sich auf ein tollwütiges Tier zurückführen.

Die Studie zeigt: ein Angriff durch einen Wolf, wie auch durch andere Wild-, Nutz- oder Haustiere auf Menschen, kann niemals völlig ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit für Wolfsangriffe ist jedoch im Verhältnis zu anderen Alltagsgefahren äußerst gering. „Ein aktives Wolfsmonitoring und Management ist eine Voraussetzung dafür, um derartige Vorfälle zu verhindern“, sagt Silvester Tamás. „Tiere, die ein auffälliges Verhalten zeigen, können wir dadurch frühestmöglich erkennen.“ Damit Wölfe nicht zusätzlich in Dörfer und Städte gelockt werden, bittet der NABU darum, die Tiere nicht anzufüttern. Menschliche Nahrungsquellen dürfen für die Tiere nicht zugänglich sein. Ebenso sollten Situationen vermieden werden, die Wölfe unnötig in Bedrängnis bringen. „Tauchen Wölfe auf ihren Wanderungen durch unsere dichtbesiedelte Kulturlandschaft in Siedlungen auf, müssen sie in Ruhe gelassen werden. Man darf die Tiere nicht unnötig in die Enge treiben und sie brauchen immer Rückzugsmöglichkeiten“, empfiehlt Silvester Tamás.

Für den NABU ist klar: Die Sicherheit des Menschen steht an erster Stelle, sodass im Notfall auch die Entnahme eines auffälligen Wolfes gerechtfertigt ist. Die aktuelle Studie hilft jedoch, das tatsächliche Risiko sachlich einschätzen zu können, Ursachen zu identifizieren und Handlungsoptionen aufzuzeigen.

Hintergrundinformation zu Wölfen in Siedlungsgebieten
Wölfe brauchen keine Wildnis und leben mit uns in der Kulturlandschaft. Daher ist eine Wolfsichtung in der Nähe von Siedlungen an sich nichts Ungewöhnliches. Bei einer Reviergröße von 200 bis 300 Quadratkilometern liegen immer Ortschaften und Gehöfte mitten im Wolfsrevier. Bei ihrer Wanderung wählen sie oftmals den leichtesten Weg – und der kann schon mal entlang der bequemen Straßen mitten durch eine Siedlung gehen. Weitere Informationen zum Thema Wolf: www.NABU-Thueringen.de/wolf

Share.

Leave A Reply

* Bitte lesen Sie die Datenschutzbestimmungen und stimmen diesen zu

*