NABU begrüßt Schadensausgleich für Fischereibetriebe

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Erstattung der Ertragsausfälle ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe / Abschüsse von Kormoran und Co. müssen aufhören

Berlin, Jena – Fischfressende Vögel wie der Kormoran sind Fischereibetrieben seit langem ein Dorn im Auge. Oft kommt es daher zu Konflikten mit dem Artenschutz. Mit der „Rahmenrichtlinie für den Ausgleich von durch geschützte Tiere verursachten Schäden in der Fischerei und Aquakultur“ hat das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) jetzt die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Schäden finanziell ausgeglichen und die Existenzen der Fischereibetriebe somit gesichert werden können.

Ralf Schulte, NABU-Fachbereichsleiter Naturschutzpolitik, begrüßt die Initiative des BMEL: „Die Richtlinie unterstreicht die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für erhebliche wirtschaftliche Schäden, die von geschützten Arten verursacht werden.“ Wenig Verständnis zeigt der NABU jedoch für das Festhalten an Vergrämungsabschüssen. Schulte: „Man darf von Fischereibetrieben erwarten, dass sie andere Maßnahmen zur Schadensvorbeugung treffen. Wenn die Gesellschaft den Betrieben die Ertragsausfälle erstattet, gibt es keinen Grund mehr für den Abschuss von Kormoran und Co. Hier sind nun die Länder gefragt, ihre Kormoranverordnungen entsprechend anzupassen, beziehungsweise auslaufen zu lassen.“

Kormorane dürfen laut Thüringer Kormoranverordnung zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden sowie zum Schutz der heimischen Tierwelt getötet werden. Klaus Lieder, der Sprecher der Landesarbeitsgruppe Ornithologie beim NABU Thüringen, hierzu: „Der Rastbestand der Kormorane in Thüringen liegt insbesondere im Winterhalbjahr seit 2007 durchschnittlich bei etwa 1.500 Vögeln, von Jahr zu Jahr natürlich mit Schwankungen. Daran hat auch der Abschuss von hunderten von Kormoranen pro Jahr nichts geändert. Aktuell gibt es keine Brutvorkommen in Thüringen. Das Land Thüringen hat bis jetzt Ausgleichzahlungen in Abhängigkeit von den verfügbaren Haushaltsmitteln teilweise auszahlen können. Durch die neue Richtlinie besteht in Thüringen kein Grund mehr, an einer Tötung der Tiere länger festzuhalten.“

Laut BMEL ermöglicht die nun genehmigte Rahmenrichtlinie es den Ländern, im Falle eines konkreten Schadens schnell und zielgerichtet Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen. Für Schäden, die unmittelbar durch geschützte Tiere wie Kormoran, Grau- und Silberreiher, Fischotter oder Biber verursacht werden, sieht sie in der Binnenfischerei und Aquakultur einen Ausgleich in Höhe von bis zu 100 Prozent vor.

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