„Musik aus alten Mauern“ – zum 1300. Geburtstag der Frauenbergkirche in Ellrich

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„Die ‚alte Dame‘ hätte eine würdevolle Jubiläumsfeier anlässlich ihres Alters verdient. Nun leidet auch sie unter der CORONA-Pandemie.“ So begann der Artikel, der vor der kleinen Feier am 25. Oktober geschrieben wurde und Eingang in der Regionalpresse fand. Was aber am Spätnachmittag des vergangenen Sonntags erfolgte, war ein Auftakt in das folgende Jahrhundert, das dieses Kleinod erleben wird, wenn die Ellricher weiterhin mit ‚Herz und Hand‘ für dieses uralte Kirchlein sorgen werden – ein Auftakt in mehrfacher Hinsicht, denn bereits der Kopf des Programmzettels überraschte selbst Eingeweihte. Zwischen den zwei Logos „Konzerte auf dem Frauenberg“ und „Ellrich und ich 2020“ war das Motto dieser Veranstaltung zu lesen: „Musikalischer Auftakt zum Veranstaltungszyklus 2020 – 2023“! Und gleich zu Beginn erfüllte Musik von der Orgel den Kirchenraum, dargeboten von Michael Kremzow, dem bekannten Kantor aus Nordhausen, der sich mit viel Mühe um ein Repertoire bemühte, das einerseits dem Alter dieses Gotteshauses würdigte (u.a. Präludium C-Dur von J.S.Bach) und andererseits den Möglichkeiten dieser ursprünglich in Mauderode beheimateten Orgel entsprach. Die Begrüßung, das Gebet und den Segen gab Pfarrer Jochen Lenz, der ob seiner umgänglichen Art, von Steifheit keine Spur, nicht nur von den Ellricher Gläubigen geschätzt wird – man erlebte ihn auch schon in Sachen Swing und Jazz, dieses Mal ohne seine ihn sonst auch zum Gottesdienst begleitende Gitarre. Dr. Hannelore Pientka ließ die Besucher in einem kleinen Abriss an der Geschichte der Kirche auf dem Frauenberg teilhaben. Sie beschränkte sich nicht nur auf die vergangenen Jahrhunderte, sondern wünschte der ‚alten Dame‘ für die nächsten hundert Jahre Gesundheit und versprach im Namen aller, auch weiterhin sich zu bemühen um Geld für den Fortschritt der Restaurierung, um helfende Hände und um Gesundheit für dieses Gotteshaus. Diese CORONA-bedingt kleine Veranstaltung bildete den Auftakt zu einer dreijährigen Geburtstagsfeier, wie Jochen Lenz mit einem Lächeln ankündigte. Man darf ja einer solch alten Dame nicht allzu viel zumuten, aber eine größere Feier wurde nach hoffentlich baldigem Ende der Pandemie versprochen. Angebote und Zusagen für weitere Konzerte liegen schon vor – eben typisch Ellrich! Die Stadt nahm in den vergangenen Jahrhunderten oft durch Feuer großen Schaden, litt durch die nahe Grenze und durch Aussiedelung nicht dem System genehmer Bürger, musste zuschauen, wie aus der stolzen Stadtkirche eine Ruine wurde und dennoch, der Wille und die Bereitschaft immer wieder aufzustehen ist ungebrochen. Ganz passend zu dieser Haltung sprach Jochen Lenz ein Gebet von Theresa von Avila, die im 16. Jahrhundert lebte, aber dessen Aussagen gerade in dieser Zeit aktueller denn je sind. Trotz des zunehmenden Alters werden in dieser Fürbitte sinngemäß u.a. Wünsche geäußert, dass alte Freunde erhalten bleiben mögen, dass Schwingen zum Erlangen des Wesentlichen verliehen und dass unerwartete Talente an anderen Menschen entdeckt und auch genutzt werden mögen, um nur einige Bruchstücke dieses an Herz gehenden Gebets zu nennen. Man kann gewiss sein, dass dieser alten, die Stadt Ellrich überragenden Kirche in ihrem hohen Alter nicht ein Dahindämmern ihr Los sein wird, sondern ein ‚buntes Treiben‘ mit Musik und Fröhlichkeit, mit dem Lachen von Kindern und der Sorge tatkräftiger Hände. Es wäre schön, wenn diese Zukunft jedem versprochen würde, gleich ob Mensch oder Bauwerk.

Dr. Wolfgang Pientka im Namen der Kirchgemeinde Ellrich

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