Moderner cooler poppiger Swing aus Wien mit Marina & The Kats

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Irgendwie ist es in einer Welt der oft leb- und seelenlosen, schnell reproduzierbaren, immer gleich klingenden Plastikmusik mal Zeit für richtig gute und handgemachte Musik, die mit dem Kopf erdacht ist und aus dem Bauch gespielt wird.

Das haben sich sicher auch die Musiker von Marina & The Kats gedacht, als sie ihre Band, die ursprünglich als Trio startete und mittlerweile zum Quartett herangewachsen ist und liebevoll gern als kleinste Big Band der Welt bezeichnet wird, gründeten.

Seit einigen Jahren zählt der Vierer aus unserem österreichischem Nachbarland bzw. aus deren Hauptstadt Wien zu den spannendsten und interessantesten Bands des Landes, wenn nicht Europas.
Wer je in den Genuss einer ihrer zahlreichen, vor Energie berstenden Shows gekommen ist, wird das bestätigen.
Gleich drei der vier Bandmitglieder spielen aktiv Schlagzeug. „Shared Drums macht es zwar nicht leichter“ sagt die Band selbst, dazu, „dafür aber fetter.“
Denn das ist die Marina & The Kats Markenzeichen, ein völlig eigenständiger Sound, der die Songs gnadenlos vorantreibt und dafür sorgt, dass sich bei den Konzerten niemand dem swingenden und leicht rockenden handgemachten Groove entziehen kann, den die Band nun auch bei den Aufnahmen im Studio des aktuellen Albums, dass die Gang rund um die Bandchefin Marina in den letzten Monaten aufgenommen hat, perfekt eingefangen hat.

Denn auf der einen Seite präsentiert sich ihr neues Album „Different“, als rau, direkt und als herrlich ungehobelt.
Andererseits aber sind die Songs auf dem Album natürlich auch eine musikalische Reflektion des letzten Jahres.
Einer Berg- und Talfahrt, die zunächst zwar mit Konzerten in Israel, Deutschland und Österreich noch vielversprechend begann, dann aber umso abrupter gestoppt wurde.
So wie die Band selbst sich von einem Moment auf den anderen in ihrem Drang auf die Bühne beschnitten sah und sich plötzlich mit Stillstand und Langsamkeit abfinden musste, wo zuvor purer Tatendrang und Enthusiasmus war.
Zurückgeworfen auf sich selbst begann das, was Marina & The Kats selbst als „Grundlagenforschung“ bezeichnen.
„Wie können, wie wollen wir 2021 und darüber hinaus klingen?
Erlauben wir uns den Luxus die Dinge anders zu machen? Einfach Musik schreiben, die uns gefällt und herausfinden, wohin uns das führt? Wird es reichen, wenn es auch nur uns gefällt?“
Das Ergebnis dieses Selbstfindungs-Prozesses wurde von der Band live eingespielt – ganz dem Klischee entsprechend sind auf „Different“ vier Vollblutmusiker zu hören, die aufeinander eingehen und reagieren, die sich – wenn es dem Song und dem Feeling, das er vermitteln soll, dienlich ist – auch einmal kleinere Fehler verzeihen und kompromisslos Musik direkt aus dem Herzen und aus dem Bauch heraus machen.

Dass es im Titelsong klarerweise ums Anders-Sein geht, liegt auf der Hand.
Für Marina geht es dabei auch darum zu wissen, wer man ist und wer man sein möchte. Und um die Schwierigkeit den eigenen Weg zu gehen, ohne stets auf andere zu hören.
Auch „Pressure“ behandelt ein allgegenwärtiges Phänomen.
Während die einen sich dem Druck beugen oder an ihm zerbrechen, lebt Marina daran auf, je grösser der Druck, desto besser und lebendiger fühlt sich die Sängerin.

In „Sorry“ dreht sich alles darum, wie schwer es sein kann, das Wort „Entschuldigung“ über die Lippen zu bringen, während „Speak Softly“ sich damit auseinandersetzt, dass nicht notwendigerweise diejenigen automatisch Recht haben, die am lautesten schreien. In Zeiten wie diesen ist das natürlich ein Thema von größter Aktualität.

Und mit „Just Like You“ verneigen sich Marina & The Kats vor den Eltern.
Vor ihren eigenen genauso wie vor Eltern im Allgemeinen – wie man es nämlich dreht und wendet: „Am Ende des Tages tragen wir mehr von ihnen in uns, als wir zugeben wollen.“

Und so wird beim Durchhören vom „Different“ schnell klar, hier ist mit Marina & The Kats keine Band von der Stange am Start.
Ganz im Gegenteil hier sind Musiker mit Leib und Seele bei der Sache um ihr Ding zu machen, um damit sich selbst aber vor allem ihr Publikum mit einem Sound, angereichert und gewürzt mit viel Swing, einer kleinen Prise Pop, rockigem Soul und Jazz und einer Sängerin die jeden Song zu etwas besonderen macht.

Womit und das wird beim Anhören der CD immer wieder klar, das Wiener Quartett und auch ihre Ausnahmestellung in der Musikszene mit ihrem ganz besonderen Style unter Beweis zu stellen.

Mit anderen Worten „Different“ es ist ein kurzweiliges Album zum Genießen, vielleicht mit einem Glas Rotwein auf der Terrasse allein oder zu zweit, aber auch zum Tanzen und Feiern, handgemacht und authentisch, zugleich aber auch aktuell und mutig jenseits aller gängigen Radioformate.
So ist das Ganze absolut bemerkens- und empfehlenswert, mit Songs die nicht nur in lauen Sommernächten Spaß machen, sondern sicher auch live auf der Bühne ihren ganz besonderen Charme versprühen werden.

Stefan Peter
Text und Grafik

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