Mobbing an Schulen aktiv begegnen

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Mobbing an Schulen aktiv begegnen, Zusammengehörigkeitsgefühl nach Corona stärken. Bildungsministerium und Techniker Krankenkasse machen Schulen für den Umgang mit Mobbing stark

Mobbing soll in Thüringer Klassenzimmern und in der digitalen Kommunikation der Jugendlichen gar nicht erst zum Problem werden. Wenn es das schon ist, sollen dem sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler möglichst gut entgegenwirken können. Eine Grundlage dafür bilden die Lehrmaterialien des Online-Programms „Gemeinsam Klasse sein“, das vom Thüringer Bildungsministerium und von der Techniker Krankenkasse (TK) umgesetzt wird. Die Materialien stehen nun auf einer digitalen Plattform zur Verfügung. Die Plattform ist der Nachfolger des seit 2011 genutzten Anti-Mobbing-Koffers der beiden Projektpartner.

„Im Schulgesetz ist jetzt der klare Auftrag festgelegt, dass Schulen aktiv gegen Mobbing vorgehen sollen. Das setzen wir um. Ein Baustein sind dabei zum Schuljahresbeginn bereitstehende digitale Lehrangebote, die sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler für das Thema Mobbing sensibilisieren“, so Thüringens Bildungsminister Helmut Holter. Mobbing führe zu Ausgrenzung und starken psychosozialen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Deshalb, so der Minister, kämen der Intervention, der Hilfe und vor allem der Prävention eine so große Bedeutung zu.

Cybermobbing im Fokus

„Früher fand Mobbing vor allem in den Klassenräumen und auf Schulhöfen statt. Heute setzt sich Ausgrenzung und Gewalt nach Schulschluss über soziale Netzwerke und Messenger Dienste online fort. Das sogenannte Cybermobbing ist ein immer größeres Problem“, sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen.

„Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung noch verschärft. Aus der Studie Cyberlife III, die wir zusammen mit dem Bündnis gegen Cybermobbing herausgegeben haben, wissen wir, dass deutschlandweit jeder sechste Schüler von Cybermobbing betroffen ist. Die Opfer werden vor allem durch Beschimpfungen gemobbt oder durch Lügen, die andere über sie verbreiten, ausgegrenzt“, so Dressel weiter.

Deswegen finden sich in den Schulungsunterlagen mehrere Informationen und Module zum Thema Cybermobbing. Den Pädagoginnen und Pädagogen werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden im Umgang mit Mobbing vermittelt.

55 Thüringer Fachleute als Multiplikatoren ausgebildet

In einem ersten Schritt wurden seit Jahresbeginn 35 Thüringer Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter sowie 20 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen im Umgang mit den Onlinemodulen geschult. Die Weiterbildungen fanden digital statt.

Im zweiten Schritt werden die Angebote Lehrerinnen und Lehrern zur Verfügung gestellt, um fachliche und pädagogische Expertise im Kampf gegen Mobbing zu erwerben. Sie werden dabei von den Expertinnen und Experten der Schulsozialarbeit und der Schulpsychologie unterstützt. Nach einer Fortbildung durch die 55 ausgebildeten Multiplikatoren erhalten Schulen einen Zugangscode zur Plattform und können mit den kostenfreien Materialien bis zu fünf Projekttage zum Thema Mobbing gestalten.

Diese Lehrkräfte können im dritten Schritt die Module mit ihren Schülerinnen und Schülern nutzen. Die Schülerinnen und Schüler trainieren unter anderem in Rollenspielen, wie sie positiv und konstruktiv miteinander umgehen. Verschiedene Filme zeigen, welche Folgen Mobbing für die Betroffenen hat. Gemeinsam mit den Lehrkräften erarbeiten die Kinder und Jugendlichen, was sie selbst tun können, um sich zu schützen und Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen. Zudem werden rechtliche Grundlagen und die Bedeutung von bloßem Zuschauen und damit stillschweigendem Hinnehmen beleuchtet. Auch der Unterschied zwischen Konflikten und Mobbing ist Thema.

Die Schulen werden im neuen Schuljahr über regionale Veranstaltungen informiert. Als Ansprechpartner steht ihnen der Schulspychologische Dienst im jeweiligen Schulamt zur Verfügung.

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