Mit der Wachheit der Sinne – aus der Tiefe der Stille! Seit Samstag ist die neue Schau des Kunsthaus Meyenburg zu besichtigen

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Vier Jahre ist es zwischenzeitlich her, dass sich die sechs Künstlerinnen und Künstler – Karl Heinz Bastian, Beate Debus, Michael Ernst, Elvira Franz, Cordula Hartung und Marita Kühn-Leihbecher – zu einer Projektgruppe des Verbandes Bildender Künstler Thüringen zu einem gemeinsamen Ausstellungsvorhaben zusammengefunden haben, das vom 23. Juni bis 2. September 2018 im KUNSTHAUS MEYENBURG Station macht. Der assoziationsreiche Titel lautet „Mit der Wachheit der Sinne – aus der Tiefe der Stille“. Er macht neugierig und es sind dem Kunsthaus viele Besucher zu wünschen, die sich einlassen mit allen Sinnen in die Stille der Ausstellungsräume einzutauchen. Die Erschließung der Bilder und Plastiken erfordert Kontemplation und es wäre sicherlich verfehlt, wenn man versucht den Werken eine Erläuterung, eine Interpretation zu geben.

Jeder Betrachter erfühlt anders, jeder Betrachter findet in dieser Stille seinen Zugang zum jeweiligen Werk. Die Zeit, die die Schaffenden in ihre Arbeiten speicherten, die Zeit, die es brauchte, um sie zu erschaffen, die kann man erfühlen, wenn sie weitergeschenkt wird an den Besucher, an den Betrachter. Ursprünglich stand für dieses Ausstellungsvorhaben das Wort Meister Eckharts, einer der bedeutenden Mystiker des 13./14. Jahrhunderts, einer der am ursprünglichen Christentum anknüpfte und vom wahren innerlichen Christentum überzeugt war: „Inmitten des Schweigens ward mir zugesprochen ein verborgenes Wort“. Wenn man will und vielleicht ist es der Grundgedanke des Gemeinschaftsprojektes, so kann man in diesem Konzept einen Kontrapunkt gegen Eventkultur und Effekthascherei, gegen die virtuelle Bilderflut und gegen das oft inhaltlose Kommunizieren in den s.g. ‚sozialen Netzwerken‘ sehen. Die Arbeiten benötigen keine intellektuelle Erklärung einer Schautafel, die die ergreifende Evidenz, die unmittelbare und vollständige Einsichtigkeit, Deutlichkeit, Gewissheit der Kunst ersetzt, zu ersetzen versucht. Und doch überkam dem Unterzeichnenden das Gefühl, den Atem des Bauhauses in den Werken zu erspüren.

Vielleicht lag es an den Vorbereitungen zum 100-jährigen Bestehen des Bauhauses im kommenden Jahr, vielleicht auch an den Nachwirkungen eines Besuches des Diakonissenmutterhauses Neuvandsburg Elbingerode – eines der Verbundpartner der großen Würdigungen dieser Idee, eines der Ikonen der Moderne – dessen Besuch sehr zu empfehlen ist. Eine gewisse Bestätigung findet sich auch im dem Zitat von Walter Gropius, dem Architekten und Gründer des Bauhauses, unter dem diese Gemeinschaftsschau steht: „Schönheit zu schaffen und zu lieben ist ein elementares Glückserlebnis……“ Sicher – unterschiedliche künstlerische Positionen kann man in diesem Ausstellungsprojekt erleben, aber das sinnliche Erlebnis der Bilder und Plastiken bildet die Klammer, die die Werke und die Schöpfer inhaltlich verbinden. In die laute Gegenwart zurückkehrend kann man einfach nur empfehlen, besuchen Sie diese Schau, schalten Sie Ihr Smartphone aus und lassen Sie sich ein „in die Tiefe der Stille mit der Wachheit all Ihrer Sinne“.

Dr. Wolfgang R. Pientka Vorsitzender des KUNSTHAUS MEYENBURG Fördervereins

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