Mehr Akzeptanz für gefährdete Rückkehrer Biber, Luchs und Wolf bereichern die Natur

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Jena – Zum Internationalen Tag des Artenschutzes am 3. März wirbt der NABU Thüringen um mehr Akzeptanz für die zurückkehrenden Tierarten Biber, Luchs und Wolf. Die drei großen Säuger sind seit einigen Jahren in Thüringen heimisch geworden. Eigentlich ein Grund zur Freude – doch vielerorts treffen die Lebensweisen der Tiere auf die Nutzungsinteressen der Menschen. Die Naturschützer sehen weiterhin dringenden Handlungsbedarf, die gefährdeten Rückkehrer zu unterstützen und das Zusammenleben mit den Menschen zu ermöglichen.

Biber
„Der Europäische Biber breitet sich langsam und stetig in Thüringen aus und ist ein wahrer Motor für die biologische Vielfalt an Gewässern. Zum Beispiel profitieren Eisvogel, Laubfrosch und viele weiter Pflanzen und Tiere von der Gestaltungskraft des Baumeisters der Flüsse“, erklärt Marcus Orlamünder, der Projektkoordinator des vom Freistaat Thüringen und von der Europäischen Union geförderten NABU-Projektes „Bibermanagement in Thüringen“. „Bei zunehmender Trockenheit und Wassermangel werden uns Biberdämme zudem in der Landschaft helfen, das Wasser zurückzuhalten. Menschen, Tiere, Wild- und Nutzpflanzen können davon in trockenen Monaten und Jahren profitieren, das muss uns nur bewusst werden.“ Mit der Ausbreitung stoßen Biber oft auf die Nutzungsinteressen von Menschen, die am Gewässer wirtschaften und leben. Durch Biberdämme werden zum Teil landwirtschaftliche Flächen überstaut und Bäume durch den Biber benagt sowie gefällt. „Meist sind die hieraus entstehenden Probleme durch verbeugende Maßnahmen, Konfliktminimierung vor Ort und durch Beratung zu lösen. Wichtig ist die Bereitschaft, den Biber und seine Lebensweisen zu akzeptieren und offen zu sein für gemeinsame Lösungen“, so Orlamünder.

Luchs
Nach rund 200 Jahren kehrt der Luchs auf leisen Pfoten nach Thüringen zurück. An einigen Orten wurde er bereits gesichtet. „Beim Luchs freuen wir uns über jede Meldung, dennoch sind diese noch sehr selten. Mit einer im Jahr 2019 durch den NABU begleiteten Lebensraumstudie wurde deutlich, dass Thüringen viel Platz und Potential für das scheue Pinselohr hat. Allein was fehlt, sind Luchse“, sagt Silvester Tamás, ein Sprecher der Landesarbeitsgruppe Wolf und Luchs beim NABU Thüringen. Hier wünscht sich der NABU zum Tag des Artenschutzes deutlich mehr Anstrengungen von der Politik in Fragen des Lebensraumschutzes und der Lebensraumvernetzung. „Noch immer sterben Luchse, aber auch Wölfe im Straßenverkehr. So starben bereits 2016 und 2018 zwei junge Wölfe auf dem Weg durch Thüringen.“

Wolf
In Bezug auf den Wolf sieht der NABU Thüringen vor allem Handlungsbedarf beim Ausbau des Herdenschutzes. Wie notwendig ein verlässlicher Herdenschutzes ist, zeigt sich am Beispiel der Ohrdrufer Wölfin, die erst seit 2019 einen zugewanderten Wolfsrüden als Partner hat. „Wenn alles gut geht, besteht in diesem Jahr die Hoffnung auf ersten echten Wolfsnachwuchs in Thüringen“, berichtet Silvester Tamás. Bislang ist der Freistaat das einzige Bundesland der östlichen Flächenbundesländer, das noch kein Wolfsrudel verzeichnen kann. Trotzdem bemühen sich das Umweltministerium und die zuständige Fachbehörde um den Abschuss der bislang einzigen, in Thüringen beheimateten, Wölfin bei Ohrdruf. Der Freistaat hat die Aufgabe Weidetierhaltung und den Artenschutz für den Wolf gerade in Schutzgebieten in Einklang zu bringen und hat diesbezüglich auch viel für die finanzielle Unterstützung der Weidetierhalter geleistet. Der NABU fordert aber schon seit langem die nötigen Fördermittel für die Unterhaltungskosten von Herdenschutzhunden bereitzustellen. Denn die nächsten Wölfe kommen bestimmt.

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