Martinstag in Nordhausen – Wie es einst war…

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Nordhausens höchster Feiertag ist unbestritten der Martinstag, der 10. November.

Schon am frühen Morgen merkt der Fremde, dass etwas Besonderes in Nordhausen los sein muss. Um den Brunnen mit dem meerbeherrschenden Neptun drängen sich die Menschen und schauen ins Wasser, das heute seltene Gäste birgt. Zu einem richtigen Martinsabendessen in Nordhausen gehören nämlich zwei Gänge, Karpfen und Gänsebraten. Und es wird erzählt, dass ein Teil des Karpfenvorrates provisorisch im Brunnenbecken untergebracht wird. Die Kinder bestehen auf ihrem alten Recht an Feuerwerk und verzierten Kerzen. Am frühen Nachmittag stellt sich der Festzug auf, die Schulen und viele Vereine. Vor den einzelnen Klassen marschieren die Anführer stolz mit blankem Degen. Roland, der Riese am Rathauseck, ist heute sehr umdrängt von den Leuten, die den Festumzug recht aus der Nähe sehen wollen. Immer voller werden die Straßen um das Lutherdenkmal. Endlich heißt es: Sie kommen! Musik, Aufmarsch, Festrede, dann das alte Lutherlied „Eine feste Burg ist unser Gott…“ Im Abenddunkel klingen die letzten Takte aus. Bengalische Flammen leuchten von den Hausdächern, Feuerwerk knattert. Die Kleinen zünden ihre Laternchen an. Dann strebt man nach Hause, wo heute das leckere Mahl, Karpfen und Gänsebraten wartet.

Bild und Text: „Die Illustrierte des erzgebirgischen Volksfreunds“ vom 08. November 1931

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