Landwirtschaftsministerium blockt Dialog ab – NABU kritisiert vorgehen bei der geplanten Änderung zum Thüringer Jagdgesetz

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Jena – In Bezug auf die geplante Änderung des Thüringer Jagdgesetzes und die
Kürzung der Liste der Jagdbaren Arten wirf der NABU Thüringen dem Thüringer
Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL) eine Blockierung der
Möglichkeit zur Diskussion vor. „Der Dialogprozess zur Änderung des
Thüringer Jagdgesetztes war zwar in vielen Teilen gut und konstruktiv.
Kompromisse wurden gefunden, jedoch nicht bei der Liste der jagdbaren
Arten“, sagt Mike Jessat, der Landesvorsitzende des NABU Thüringen. Schon in
der ersten Runde des Dialoges gab es zu diesem Thema keine Einigung zwischen
Jagd und Naturschutz und beim Jagdbeirat des Ministeriums wurde das Thema
aus der Diskussion genommen. Die Liste der jagdbaren Arten sei nicht
Bestandteil des Gesetzes, sondern wird in einer Verordnung geregelt. „Damit
wird dem Parlament die Möglichkeit genommen dieses Thema zu behandeln“, so
Jessat.

Um den Abgeordneten bewusst zu machen, dass die Behörde die Entscheidung
über die jagdbaren Tierarten in einer Verordnung regelt und das Parlament
damit außen vor lässt, hat der NABU ein Quartett entwickelt, welches er zum
Jahreswechsel an die Abgeordneten des Thüringer Landtages verteilt hat. Dies
wurde nun in einem Brief von Thüringens Ministerin für Infrastruktur und
Landwirtschaft, Birgit Keller stark kritisiert. „Das von Ihnen beigelegte
Quartett „Jagt mich nicht – Spielen für die Artenvielfalt!“ lässt jedoch die
notwendige Sachorientierung für einen konstruktiven Dialog bei der
Überarbeitung des Thüringer Jagdgesetztes vermissen“, schreibt die
Ministerin in Ihrem Brief.
„Genau diesen Dialog wollen wir aber führen. So wie die
außerparlamentarische Diskussion über dieses strittige Thema nicht gewollt
ist, so soll das Thema auch an der parlamentarischen Diskussion
vorbeigeleitet werden. Wir hoffen, dass die Abgeordneten verstehen, warum
wir dieses Thema lieber in den Händen der Parlamentarier sehen wollen,
anstatt in denen des Behördenapparates“, so der NABU-Landesvorsitzende.

Hintergrund
Aus Sicht des NABU Thüringen dürfen in der Liste der jagdbaren Tierarten nur
solche Arten aufgeführt sein, die nicht in ihren Beständen gefährdet sind,
durch die Jagd auch nachweislich nicht gefährdet werden, nicht durch die
nationale und europäische Naturschutzgesetzgebung geschützt sind und nicht
auf den Roten Listen stehen. Alle anderen Tierarten sollten nur noch dem
Naturschutzrecht unterliegen und durch Wildtiermanagement organisiert
(gemanagt) werden. Diese vom NABU geforderten Punkte müssen dringend direkt
ins Jagdgesetz aufgenommen werden. Nur so kann der dauerhafte Schutz dieser
Tierarten gewährleistet werden. Eine Verordnung eignet sich hierfür nicht.

Warum will der NABU, dass geschützte oder sogar streng geschützte Tierarten
wie zum Beispiel Seeadler, Rotmilan, Wildkatze und Luchs nicht mehr auf der
Liste der jagdbaren Arten stehen, auch wenn diese einer ganzjährigen
Schonzeit unterliegen?
Viele der Tierarten, die in der Liste der jagdbaren Arten aufgeführt sind,
wurden einst als sogenanntes „Raubzeug“ stark dezimiert. Als „Raubzeug“
wurde zum Beispiel der Seeadler bezeichnet, der Enten, Gänse und Kormorane
jagt. Die Tiere galten und gelten als Konkurrenten von Jägern und wurden
erbarmungslos verfolgt. Diese Sichtweise stammt aus früheren Jahrhunderten
und entspricht nicht mehr dem heutigen gesellschaftlichen Anspruch vom
Umgang mit Wildtieren in der Natur. Es ist heutzutage auch
selbstverständlich, dass viele unserer Singvogelarten nicht dem Jagdgesetz
unterliegen.
Eine Jagd auf geschützte Arten ist aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll und
für die Gesellschaft nicht nachvollziehbar. Diese Arten in einer Verordnung
und einer Liste der jagdbaren Arten oder im Jagdgesetz anzuführen, ist nicht
mehr zeitgemäß, auch wenn diese ganzjährig geschont werden. Zukünftig sollen
diese Arten nur noch dem Naturschutzgesetz unterliegen und dort im
Wildtiermanagement verankert sein. Das Wildtiermanagement kann dann
gemeinsam von Landnutzern, Jägern, Anglern und Naturschützern umgesetzt
werden.

Welchen Sinn sieht der NABU im Wildtiermanagement und dessen alleinige
Verankerung im Naturschutzgesetz?
Zukünftig soll deutlich zwischen der Jagd als eine Form der Landnutzung und
dem Wildtiermanagement als geeignetes und wissenschaftlich fundiertes
Instrument für Konfliktlösungen im Bereich von wirtschaftlichen Schäden
sowie bei Artenschutzmaßnahmen unterschieden werden. Zum Schutz von
gefährdeten Arten kann es unter Umständen notwendig werden, jagdliche
Methoden zur gezielten Regulierung von Beständen punktuell anzuwenden. Dies
kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Waschbären die Nester von Fischadlern
ausnehmen. Hier macht es unter Umständen Sinn, wenn keine anderen Methoden
erfolgversprechend sind, punktuell Waschbären zu regulieren. Dies muss in
solch einem Fall über das Wildtiermanagement geregelt werden, welches im
Naturschutzgesetz verankert ist.

Haben Jäger Nachteile durch die von uns geforderten Änderungen?
Um den Herausforderungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Zukunft
gewachsen zu sein, wird unter anderem auch das Wildtiermanagement eine
wichtige Rolle spielen. Engagierte Jäger, die sich zum Naturschutz bekennen,
wird der rechtliche Zuständigkeitswechsel von geschützten Arten nicht davon
abhalten, weiterhin Naturschutzmaßnahmen durchzuführen. Viele Jäger üben die
Jagd aus, weil sie von der Natur fasziniert sind. Engagement für die Natur
kann auch ohne jagdliches Eigeninteresse umgesetzt werden.

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