Labormobil ist wieder unterwegs

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Umweltschützer untersuchen Brunnenwasser auf dem Rathausplatz in Nordhausen

Gerade jetzt in der Coronakrise verbringen viele Familien ihre freie Zeit
im eigenen Garten. Das selbst angebaute Gemüse und die Blumen brauchen viel
Wasser um nicht zu vertrocknen. Außerdem möchten die Kinder im Wasser
planschen – doch ein Besuch im Freibad ist in diesen Zeiten nur
eingeschränkt möglich. „Wichtig ist, dass kostbares Leitungswasser gespart
wird und geklärt wird, ob das eigene Brunnenwasser ohne Gesundheitsgefahren
zum Gießen von Gemüse oder zum Befüllen des Planschbeckens geeignet ist.“
so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz e.V. Leider
verschmutzen Nitrate und Pestizide das Grundwasser unserer
landwirtschaftlich intensiv genutzten Region. Außerdem können durch
verschiedene Einflüsse Krankheitserreger ins Wasser geraten.

Die gemeinnützige Organisation VSR-Gewässerschutz bietet am Mittwoch, den
24. Juni, auf dem Rathausplatz in Nordhausen eine Untersuchung des eigenen
Brunnenwassers an. Wasserproben können von 15 bis 17 Uhr am Labormobil
abgegeben werden. Dipl. Ing. Peter Brückner, Rentner im
Bundesfreiwilligendienst hilft Dipl.-Phys. Harald Gülzow am
Informationsstand, damit die Bürger bei der Abgabe ihrer Wasserprobe nicht
lange warten müssen. Im Vorfeld wurde ein Hygiene- und Abstandsplan
erstellt, damit alle sicher ihre Wasserprobe abgeben und trotz Corona
ausführlich beraten werden können. Eine Grunduntersuchung auf den Nitrat-,
Säure- und Salzgehalt wird gegen eine geringe Kostenbeteiligung von zwölf
Euro durchgeführt. Diese Untersuchung wird bereits vor Ort durchgeführt, so
dass die Bürger ihre Ergebnisse schon gegen Ende der Aktion abholen können.
Gegen weitere Kostenbeteiligungen werden umfangreichere Untersuchungen auf
Parameter wie Eisen, Phosphat oder Bakterien angeboten. Das Ergebnis dieser
Analysen wird mit einer Bewertung per Post zugesandt.

Die Brunnenbesitzer werden mit ihren Messwerten nicht allein gelassen. Das
Team vom VSR-Gewässerschutz berät anhand der Messergebnisse wofür das
Brunnenwasser geeignet ist. Außerdem beantwortet Dipl.-Phys. Harald Gülzow,
der Experte zum Thema Brunnenwasserqualität, immer Freitags zwischen 10 und
13 Uhr Fragen unter der Rufnummer 02831 9763342. Damit die Ergebnisse auch
aussagefähig sind, sollen zur Probenahme und Transport
Mineralwasserflaschen genutzt werden. Besonders geeignet sind dabei bis zum
Rand gefüllte 0,5 l Flaschen aus Kunststoff.

Das Team vom VSR-Gewässerschutz bietet am Mobil neben den allgemeinen
Informationen zu Belastungen und deren Ursachen auch eine individuelle
Beratung für den jeweiligen Brunnenbesitzer an, um mögliche Belastungen und
deren Ursachen zu besprechen.

Die Umweltschützer möchten beim Thema Wasserqualität besonders die breite
Öffentlichkeit einbeziehen. „Brunnennutzer haben das gleiche Ziel wie wir:
Unbelastetes Grundwasser!“ so Susanne Bareiß-Gülzow. Die Brunnenbesitzer
und der Verein tragen gemeinsam dazu bei, dass die Wasserqualität des
Grundwassers verbessert wird – auch außerhalb von Wasserschutzgebieten. Dem
VSR-Gewässerschutz ist es wichtig, dass die Menschen über Belastungen des
Grundwassers informiert sind. Messergebnisse werden deshalb regelmäßig in
Karten zusammengefasst, um Belastungsschwerpunkte deutlich erkennbar zu
machen. So wurde auch eine Nitratkarte Thüringen 2019 erstellt, die auf der
Homepage der Gewässerschützer eingesehen werden kann.

Seit 39 Jahren engagiert sich die Umweltschutzorganisation für den Schutz
des Grund- und Oberflächenwassers vor Verunreinigungen. Der VSR-
Gewässerschutz entstand als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen
im Rheineinzugssystem – damals noch unter dem Namen „Verein zum Schutze des
Rheins und seiner Nebenflüsse“. Der VSR-Gewässerschutz analysiert nicht
nur, sondern bewertet, klärt auf, benennt die Ursache und stellt
Forderungen, um die Belastungen zu reduzieren.

Nitrate im Grundwasser

Nitrat ist ein Bestandteil von Dünger. Bringen Landwirte und
Gartenbaubetriebe Gülle und Mineraldünger auf, besteht immer die Gefahr,
dass Nitrat ins Grundwasser gelangt. Dadurch kommt es häufig zur
Nitratbelastung von Brunnenwasser. Wasser mit höheren Nitratkonzentrationen
ist aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Trinken geeignet. Auch die
Verwendung zum Befüllen eines Planschbeckens oder Teichs wird
eingeschränkt. Beim Gießen ist es wichtig, die Nitratkonzentration zu
kennen. Eine Nitratanreicherung im Gemüse kann man verhindern, indem
Nährstoffe aus dem Gießwasser bei der Düngung angerechnet werden.

Eisen im Grundwasser – Hinweis auf guten Nitratabbau

Nitrat kann im Grundwasser aber auch abgebaut werden. Allerdings entsteht
dabei gelöstes Eisen. So stellen viele Brunnenbesitzer in den letzten
Jahren fest, dass ihr Brunnenwasser immer eisenhaltiger wird. Das ist ein
Segen und ein Fluch zugleich: Ihr Wasser weist immer noch eine sehr geringe
Nitratbelastung auf. Doch eine hohe Eisenkonzentration im Brunnenwasser
kann das Wasser gelb/orange verfärben. Schön ist das nicht – besonders nicht
in einem Planschbecken oder an weißen Hauswänden. Außerdem kann es beim
Gießen zu Pflanzenschäden kommen. Durch die Ablagerungen kommt es zu
verstopften Leitungen und Schäden an Geräten.

Geldern, im Juni 2020
Dipl.-Phys. Harald Gülzow, Pressesprecher

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