Krätze in Thüringen auf dem Vormarsch – Über 50 Prozent mehr Verordnungen bei Krätze-Medikamenten

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Erfurt, 14.03.2018 – Eine längst vergessene Erkrankung scheint wieder auf dem Vormarsch zu sein: Die Krätze breitet sich in Thüringen aus. Das legt eine Analyse der BARMER nahe. „Wir stellen in Thüringen einen Anstieg bei den wichtigsten Arzneimittel-Wirkstoffen gegen Krätze fest. Die Anzahl der Verordnungen von entsprechenden Salben und Tabletten stieg innerhalb eines Jahres um 53 Prozent, im Bundesschnitt sogar um rund 70 Prozent“, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Thüringen. Allein bei der BARMER wurden demnach im vergangenen Jahr in Thüringen 812 Rezepte gegen Krätze ausgestellt. Starker Juckreiz bis hin zu blutigem Kratzen sind die Folgen einer Ansteckung. Bereits bei den ersten Krätze-Anzeichen wie gerötete Papeln im Intimbereich, zwischen den Fingern oder in den Achseln und vor allem nächtlichem Juckreiz sollte man zügig den Arzt aufsuchen. Ein Blick in die Bundesländer zeigt starke regionale Unterschiede (siehe Grafik). Während die Anzahl der Rezepte in Berlin um 35 Prozent zulegt hat, belief sich die Zunahme in Schleswig-Holstein auf 127 Prozent. Ausgewertet wurden Verordnungen mit den Wirkstoffen Permethrin und Ivermectin der Jahre 2016 und 2017.

Keine Frage der Hygiene / Krätzmilben vor allem in Kitas aktiv

„Betroffene müssen sich nicht schämen, denn eine Ansteckung mit Krätze kann jeden treffen und hat nicht unbedingt etwas mit fehlender Hygiene zu tun“, erklärt Dr. Utta Petzold, Dermatologin bei der BARMER. „Hinzu kommt, dass die Krätze zunächst durchaus übersehen werden kann. Dann wird der von den kleinen Milben ausgelöste Juckreiz mit den Symptomen eines Hautekzems verwechselt und auch so behandelt, was wiederum die Krätze kaschiert. Wichtig zu wissen: Die Erkrankten können andere Menschen durch Körperkontakt schon anstecken, wenn sie noch keine Symptome aufweisen. Besonders leicht könne sich die Krätzmilbe in Kitas verbreiten. Da Krätzmilben außerhalb des menschlichen Körpers einige Tage überleben können, wird Betroffenen und ihren Kontaktpersonen empfohlen, Kleidung und Bettwäsche täglich zu wechseln und bei mindestens 60 Grad zu waschen. Handtücher solle man direkt nach Gebrauch erneuern, so Petzold. Nicht waschbare Dinge sollten sieben bis 14 Tage lang luftdicht verpackt werden. Sinnvoll sei es auch, Polstermöbel und Matratzen täglich mit einem starken Staubsauger abzusaugen. Man sollte außerdem den Körperkontakt mit an Krätze Erkrankten meiden und nicht im selben Bett schlafen.

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