Klinikorchidee lockt Jenaer Botaniker nach Bleicherode

0

Im vergangenen Sommer berichtete die HELIOS Klinik Bleicherode über eine seltene Orchideenart, die sich im Laufe der Zeit auf dem Klinikdach ansiedelte. Das Knabenkraut interessierte viele Besucher und Pflanzenliebhaber. Nun wurde die Pflanze von Botanikern aus Jena untersucht.

Seit einigen Wochen blüht es wieder auf dem Klinikdach der Bleicheröder Fachklinik für Orthopädie. Das Gründach, welches 1997 im Zuge komplexer Umbauarbeiten der HELIOS Klinik künstlich angelegt wurde, beherbergt seit vielen Jahren Gräser, Wildkräuter, Moose und seit etwa fünf Jahren violettfarbene Blumen. Die Klinikleitung setzte im vergangenen Sommer extra die Mäharbeiten aus, als klar wurde, dass die schön anzuschauenden Pflanzen einer seltenen Orchideenart angehören. Als darüber in diversen Medien berichtet wurde, erfuhren unter anderem Dr. Helga Dietrich und Dr. Wolfgang Heinrich, namhafte Botaniker aus Jena, von dem Fund und ließen es sich nicht nehmen, der Bestimmung der Pflanzenart auf den Grund zu gehen.

Dr. Dietrich und Dr. Heinrich hatten auf dem Dach der HELIOS Klinik Bleicherode viel zu entdecken. „Wir haben sämtliche Pflanzenarten notiert. Auch eine Flechtenart sowie Sämlinge von Gehölzen, wie Ahorn, Esche, Linde und Weißdorn, waren darunter“, erklärt Dr. Wolfgang Heinrich vom Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen e.V. Das Jenaer Team wird anhand dieser Proben eine Artenliste erstellen, um so auch die Begleitflora der Orchidee aufzuzeigen. Die Moose werden von Spezialisten der Friedrich-Schiller Universität Jena bestimmt. Besonders beeindruckt zeigten sich die Botaniker von der Klinikorchidee. Wurden im vergangenen Sommer noch 11 blühende Exemplare des Knabenkrautes entdeckt, zählten die Forscher in diesem Jahr 75!

Bäume und eine Blütenexplosion auf einem Klinikdach?

„Eine Pflanze verfügt über 20 bis 30 Blüten. Aus jeder entwickelt sich nach der Bestäubung eine Kapsel, worin sich wiederum bis zu 1000 Samen befinden. Verbreiten sich diese, können immer mehr Pflanzen entstehen“, erklärt Dr. Heinrich die rasche Vervielfältigung der Pflänzchen. Da die Mäharbeiten bis nach Ausreifung der Samen ausgesetzt wurden, konnten neue Pflanzen entstehen. „Es ist auch gut möglich, dass die Samen in den angrenzenden Klinikpark verstreut werden und dort ebenfalls Knabenkräuter aufwachsen“, sagt Dr. Helga Dietrich. Das Klinikdach ist ein offener Standort, auf dem sich die Orchideen ohne Konkurrenz durch andere Pflanzen entwickeln können. Das künstlich angelegte Substrat sowie die Erde und das Moos speichern Feuchtigkeit, Nährstoffe und mikroskopische Pilze, die für das Wachstum der Orchideen sehr wichtig sind. „Das Dach bietet ihnen einen optimalen Lebensraum mit hoher Grundfeuchtigkeit und zunehmender Beschattung“, so Dr. Heinrich.

Die regelmäßigen Mäharbeiten im Herbst seien jedoch notwendig, da sie die Entwicklung der ebenfalls aufgewachsenen Gehölze unterbrechen, erklären die Botaniker. „Würde nicht gemäht werden, bestünde die Gefahr, dass die Pflanzen zu hoch wachsen und die Last eine statische Gefahr für die unter dem Dach befindliche Cafeteria darstellen würde“, erklärt Dr. Heinrich.

Nun gilt es jedoch, die zierlichen Blüten genau zu bestimmen. „Letzten Sommer ging man davon aus, dass es sich um eine Orchis handele. Dies ist nicht der Fall – das können wir schon sagen“, meinte Dr. Dietrich. Bei der Orchidee handele es sich um eine Art der Gattung Dactylorhiza, die in Europa und Asien vorkommt. Um welche genau, darum wollen sich jetzt die Jenaer Spezialisten kümmern. „Wir mussten es mit eigenen Augen sehen, als wir von dem Dach erfuhren“, erzählt Dr. Helga Dietrich. Zusammen mit ihrem Kollegen war sie Jahrzehnte lang an der biologischen Fakultät der Friedrich-Schiller Universität Jena tätig. „Eigentlich sind wir schon beide längst in Rente, aber wir können es einfach nicht lassen“, schmunzelt Dr. Wolfgang Heinrich.

Share.

Leave A Reply

*