Ina Müller begeistert mit neuem Album „55“

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Ina Müller ist ein echtes, unverfälschtes, norddeutsches Einzelstück. Sie ist einzig aber nicht artig, sie ist laut, sie sie schrill, mal frech und fast schon böse.
Aber sie kann auch leise, nachdenklich und mit viel Gefühl.
Sie ist ein wahres Energiebündel und ein echtes Multitalent, das moderiert, singt und nach ihren eigenen Gesetzen lebt.
Unbeirrbar, klug, vorlaut und bei Bedarf auch gegen jeden Trend und dem allgemeinen Jugendwahn mit geballter Kraft immer wieder zum Trotz.
Sie verzückt TV-Zuschauer genauso wie hunderttausende Menschen in vielen ausverkauften Arenen und Sälen von Flensburg bis nach München, Zürich oder Wien.

Konventionen zu widerstehen, unbequem und einzigartig zu sein und trotzdem das große Publikum zu erreichen ist ein Teil des kleinen Ina Müller Wunders und Universums.

Aber auch auf CD kann, Die Müller immer wieder zu überzeugen.

So auch auf ihrem neusten Streich mit dem schlichten Namen „55“ welches damit ihr drittes Album mit einer Zahl im Titel ist, etwas das sie neben Trinkfestigkeit, Humor und Hang zur Melancholie mit ihrer britischen Kollegin Adele verbindet.

Das Wort ‚Zahl’ und nicht ‚Alter’ ist bewusst gewählt, denn es fällt leicht sich noch eine ganz andere Bedeutung dieses Titels zu erschließen. „55“ könnte genauso gut eine recht präzise Angabe darüber sein wie viele Herzen in ihrer Brust schlagen.

Wieviele verschiedene Ina Müllers in der einen, der absoluten, der ultimativen Ina Müller wohnen.
Viele davon haben wir über die Jahre auf ihren Alben und auf ihren Konzerten kennenlernen dürfen – laut, schrill, spitzfindig und oft auch nachdenklich emotional in den Zwischentönen.
Auf ihrem neuen Album präsentiert sie uns nun ihre neuen durchdachten Lieder.
12 sind es geworden, ganz unterschiedliche mit Geschichten voller Emotionen , Humor und auch mal mit gewohnter Satire und frechem Sarkasmus.

Wir dürfen uns freuen, denn noch nie hat uns die Sängerin so nah an sich herangelassen und lässt uns dabei ganz tief in ihre ganz eigene Welt und ihre Seele schauen.
Dabei begegnet uns eine Ina Müller die wir kennen und die gleichzeitig auch ganz neu und ungewohnt ist.
Wenn sie etwa singt, fühle sie sich „wie neugebor’n, nur gut 50 Jahre älter“, weiß man instinktiv was sie meint, während sie das Kunststück fertigbringt, unverbraucht manchmal fast kindlich verspielt und dabei resolut und weise zu klingen.
Gerade in den kleinen Widersprüchen spürt man immer wieder ihre Glaubwürdig- und Wahrhaftigkeit.

Doch was sind die Seiten der Musikerin, Sängerin und der Frau, die wir hier kennenlernen dürfen und die so selbstverständlich weit über die bewährte ‚Müllerische Dreifaltigkeit: Singen, Sabbeln und Saufen’ hinausgehen?
Da ist der ehemalige Teenager, der sich über die Ungeschicklich- und Peinlichkeiten des „Ersten halben Mals“ austauscht – schonungslos, aber ohne verletzend zu sein.
Oder das hungrige Monster, das ohne Schokolade im Haus versehentlich ganz gemeine Dinge von sich gibt, wütet und tobt, aber nach dem ersten Bissen und den Zuckerspiegel im Einklang wieder ganz brav wird und umgänglich ist.

Direkt daneben die Einsicht der eigenen Endlichkeit – eine Bestandsaufnahme verpasster Chancen, Lieben und Träume.
Hart aber nicht bitter und mit der Hoffnung sowie dem Versprechen ab jetzt jeden Tag dreifach zählen zu lassen und das Leben zu leben und zu genießen.
Das innere wuselige Eichhörnchen, das die Autoschlüssel in den Kühlschrank legt oder der altersmilde Schweinehund, der statt durch den Park lieber gemütlich zum Kiosk läuft. Dazwischen die Erkenntnis, dass „fast“ manchmal länger hält als „fest“ und ein traurig schönes, zweischneidiges Liebes – und fast Abschiedslied an das „Rauchen“.

Und recht schnell wird klar das der lauten und direkten Ina Müller auch das
Leise nachdenkliche melancholische genau so leicht über die Lippen kommt und dabei genau so glaubwürdig und ehrlich ist. (in „Wenn die liebe Gott will“ u .a.)

So treffen immer wieder Humor auf leise Momente mit einem Hauch Zerbrechlichkeit.
Ja, Ina Müller macht sich unangreifbar, indem sie sich so angreifbar macht, aber dann überrascht sie wieder auf ihre ganz eigene Art und doch ganz anders als gedacht zu sein.
Das Interessante aber ist, wenn man ihr (intensiv und richtig) zuhört stellt sich manchmal ein spannender Moment ein, indem man sich selbst entdeckt und in ihren Zeilen wiederfindet als ob man sich selbst zuhört – ob in Gedanken oder ganz offen.

Mit anderen Worten, es sind Lieder mit Themen die Jede oder Jeder von uns schon mal erlebt hat, nachvollziehen und sich hinein versetzten kann – direkt aus dem Leben.

Da ist nicht geküntzelt, da ist alles echt und pur.

Fazit: Es ist einfach gut, das es SIE gibt… denn man müsste sie sonst erfinden
– die Müllerin!
Und solange sie singt, geht alles immer irgendwie weiter.
Auch in diesen seltsamen Zeiten…..
Das kann man hören. Und das kann man tief ehrlich spüren. DANKE dafür!

Stefan Peter Foto Stefan Peter

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