In Thüringen besonders viel Physio- und Ergotherapie

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Erfurt, 22. April 2022

Die Inanspruchnahme und Kosten von Heilmittelverordnungen sind in Thüringen überdurchschnittlich. Laut BARMER Heilmittelreport haben im Jahr 2020 im Schnitt 545 von 1.000 Thüringerinnen und Thüringern mindestens einmal eine Heilmittelverordnung wie Physio-, Ergotherapie oder Logopädie bekommen.

Bundesweit liegt der Schnitt bei 511 Verordnungen je 1.000 Personen und damit sieben Prozent niedriger. Die Heilmittelausgaben liegen im Freistaat acht Prozent über dem Bundesdurchschnitt. „Die deutlichen regionalen Unterschiede beim Einsatz von Heilmitteln sind rein medizinisch nicht erklärbar.

Im Sinne der Patientinnen und Patienten ist mehr Transparenz zum Nutzen und zum medizinisch angemessenen Einsatz von Heilmitteln erforderlich“, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Thüringen. Bei den physiotherapeutischen Leistungen würden in den östlichen Bundesländern eher die vom Patienten passiv erlebten Arten der Physiotherapie dominieren. Dazu gehörten neben der Manuellen Therapie auch die Wärme- und Kältetherapie sowie Massagen. In den westlichen Bundesländern werde hingegen in erster Linie Krankengymnastik verordnet.
Sie beinhaltet mehr aktivierende Elemente und Anleitungen zur Selbstübung. Die Ursachen für die regional unterschiedlichen Therapieentscheidungen müssten ebenso wie die Effektivität der therapeutischen Maßnahmen weiter untersucht werden. Es brauche eine von Leistungserbringenden und Kostentragenden gemeinsam organisierte Evidenz, beispielsweise durch ein unabhängiges Institut. Im Osten schneller zum Heilmittel Patientinnen und Patienten der östlichen Bundesländer bekommen laut BARMER häufiger ein Heilmittel verordnet als Gleichaltrige in den westlichen Bundesländern und den Stadtstaaten.
Das gelte vor allem für Physio- und Ergotherapie. Bei der Logopädie gebe es hingegen eine andere regionale Verteilung. Hierbei könne Nordrhein-Westfalen die meisten Logopädie-Patienten aufweisen (+17 Prozent). „Die regionalen Unterschiede zeigen, dass bei Heilmitteln mehr Transparenz erforderlich ist. Dies würde deren patientenorientierten Einsatz weiter stärken“, sagt Birgit Dziuk.
Niedriges Gehalt in Thüringen Der BARMER Heilmittelreport zeigt zudem auf, dass trotz der seit 2019 bundeseinheitlichen Preise für alle Heilmittelleistungen weiterhin erhebliche Unterschiede bei den Einkommen nach Bundesländern bestehen. Das durchschnittliche Monatseinkommen bei Thüringer Physiotherapeutinnen und -therapeuten liege rund 13 Prozent unter dem bundesweiten Mittel. Im Freistaat verdienten Angestellte in der Physiotherapie im Schnitt 2.264 Euro. Noch niedriger sei das Einkommen nur in Sachsen (2.238 Euro), bundesweit liege es bei 2.588 Euro, wie aus dem Entgeltatlas der Arbeitsagenturen hervorgeht.
Bis 2020 sei die Einkommensentwicklung der angestellten Therapeutinnen und Therapeuten in der Heilmittelversorgung weit hinter dem Preis- und Umsatzzuwachs der Praxen zurückgeblieben. „Regionale Verwerfungen bei den Einkommen bestehen weiterhin. Damit wurde das Ziel des Gesetzgebers unterlaufen, die Einkommenssituation der angestellten Therapeutinnen und Therapeuten bundesweit angemessen zu verbessern und zu vereinheitlichen“, schlussfolgert BARMER-Landeschefin Birgit Dziuk und fordert: „Es wäre dringend Zeit, dass die zusätzlichen Milliarden Euro, die für Heilmittel aufgewendet werden, in angemessenem Umfang dort ankommen, wo sie für die Sicherung der Attraktivität des Berufsbilds und die künftige Versorgungssicherheit erforderlich sind.“ Dazu brauche es aber auch die entsprechenden Regelungen im Rahmen der Tarifautonomie.

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