In Bad Wildungen eine „offene Rechnung“ begleichen

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In den englischen Wochen gibt es keine Erholungspause, und gerade die hätte das fast auf die Hälfte zusammengeschmolzene Team des Thüringer HC dringend nötig. Von den ursprünglich im September angetretenen 17 Spielerinnen, davon 3 Torhüterinnen, sind acht durch Verletzung nicht im Einsatz. Die halbe Mannschaft fehlt, mit Kerstin Wohlbold und Nina Müller sind zwei neu dazugekommen. Eigentlich geht das gar nicht. Mit 11 Spielerinnen, ohne die Hochkaräter Iveta Luzumova, Anne Hubinger, Alicia Stolle, Beate Scheffknecht, Ina Großmann, Saskia Lang, Krisztina Triscsuk und Kristy Zimmermann (allesamt Nationalspielerinnen) ist der THC in die Hauptrunde der EHF Champions League eingestiegen und hat gegen eine europäische Spitzenmannschaft, wie bereits vier Tage vorher in Bietigheim gezeigt, auf welchem Level die Mannschaft spielen kann. Es ist jammerschade, dass sich durch das Verletzungspech die Saison völlig anders entwickelt, als es unter normalen Umständen möglich gewesen wäre.
Doch Team und Trainer denken nicht daran zu jammern. Sie zeigen sich kämpferisch, rücken noch enger zusammen, müssen und wollen da durch.

Rückblick:
Beim Champions League Hauptrundenauftakt war der Thüringer HC, so wie in Bietigheim beim Ligakonkurrenten um die Meisterschaft, in der ersten Halbzeit die klar bessere Mannschaft. Die Mannschaft brannte ein Angriffsfeuerwerk ab, begeisterte so den eigenen Anhang. In Nordhausen war es eine offene Feldschlacht, beide Deckungsreihen hatte zunächst keinen Zugriff. Bei den Ungarinnen wurde eine allein zur Matchwinnerin – Nerea Pena Abaurrea. Die spanische Nationalspielerin traf aus dem Rückraum, setzte sich im Eins gegen Eins durch und wurde immer wieder frei vor dem Kreis angespielt. Ihre 14 Treffer, davon allein 12 in Halbzeit eins, waren wohl spielentscheidend. Am Ende entschieden Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage, vergebene Strafwürfe, verworfene Hundertprozenter, ein paar Fehler zu viel. Eine Frage der Kraft, dass beide Spiele in der crunch time verloren wurden. Dennoch ist Herbert Müller voll des Lobes für seine Mädels: „Die Mannschaft hat gekämpft und war nahe an einem Sieg dran. Am Ende hat die Kraft und ein wenig das Glück gefehlt.“ Es waren die jungen Spielerinnen, die diesem Spiel ihren Stempel aufdrückten, eine überragende Josefine Huber und die seit Wochen Weltklasse spielende Meike Schmelzer am Kreis, die einzig im Rückraum übrig gebliebene 20-jährige Werferin Emily Bölk. Die Jungen „mausern“ sich und der Lernprozess auf internationalem Parkett geht weiter.

Zum Spiel:
Gegen die HSG Bad Wildungen Vipers wird mit dem 13. Spieltag die Hinrunde der Bundesliga abgeschlossen. Endgültig wird die Meisterschaft der Hinrunde noch nicht entschieden, denn Bietigheim hat sein Nachholspiel gegen Dortmund erst am 6. Februar. Herbert Müller zieht eine positive Bilanz: „12 Spiele, 11 Siege. Trotz der Niederlage in Bietigheim ist die Mannschaft in der Bundesliga im Soll.“ In Bad Wildungen will die Mannschaft trotz der Personalsorgen punkten. Iveta Luzumova wird dort wieder dabei sein. Jedem sollte klar sein, das dauert noch, bis sie wieder zu 100 Prozent fit ist. „Ohne den ehrgeizigen Gegner zu unterschätzen, und Tessa Bremmer lässt sich gerade gegen uns immer etwas einfallen, wird die Mannschaft maximal vorbereiten“, sagt Herbert Müller; „solche Spiele muss man gewinnen.“ So seine Kampfansage. Dabei hat der THC in der vorjährigen Meistersaison dort die einzige Niederlage in der Hinrunde kassiert. Es liegt nur ein Tag Training dazwischen. Herbert Müller kennt die Stärken der Vipers, den wurfgewaltigen Rückraum mit Laura Vasilescu, Sabine Heusdens oder Anouk Nieuwenweg, die zu den besten Werferinnen der Bundesliga gehört. Gegen die gute Schweizer Nationaltorhüterin Manuela Brütsch muss der THC-Angriff konzentriert werfen. In Bad Wildungen muss die Abwehr wieder Schwerstarbeit für den Sieg leisten, bevor es am Wochenende nach Norwegen zu Vipers Kristiansand geht. Die haben gerade bei Krim Ljubljana gewonnen, liegen hinter der Übermannschaft Györ nun vor CSM Bukarest auf Platz zwei in unserer Gruppe.

Zum Kader:
Mit Iveta Luzumova auf der Einsatzbank – wahrscheinlich bekommt sie Einsatzzeiten, gibt es nichts Neues. Die Verletztenliste lichtet sich so schnell nicht. Am frühesten kommt wohl Kristy Zimmerman, die Knieprobleme außer Gefecht gesetzt haben, zurück. Danach Alicia Stolle, die im rechten Rückraum schmerzhaft vermisst wird. Bei Ina Großmann wird es noch bis zu drei Wochen dauern, dann gibt es in der Salzahalle das erste Heimspiel der Rückrunde gegen Bensheim/Auerbach. Alle anderen schaffen es voraussichtlich bis zum Saisonende nicht. Sie müssen erst zu 100 Prozent wieder gesund werden.

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