„Im Haus der Väter“ – Steinerne Zeugnisse jüdischer Geschichte in Nordhausen (Teil 2)

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Der Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins e. V. lädt für den 15. Mai 2022, 15.00 Uhr, zur Führung über den jüdischen Friedhof in Nordhausen ein.

Bereits zur ersten Führung auf dem jüdischen Friedhof in Ellrich waren über 40 Besucherinnen und Besucher dabei. Der unter Denkmalschutz stehende Ellricher Friedhof ist wie der Nordhäuser jüdische Friedhof auch eines der wenigen Zeugnisse jüdischer Bestattungskultur im Landkreis. Die Friedhofsverwaltungen der Städte Ellrich und Nordhausen sichern und erhalten mit Grünpflege und Instandsetzung, z. B. des Eingangstores, die Anlagen und unterstützen damit die Arbeit für das Digitalisierungsprojekt vor Ort. Dass an den ersten Grabmalen des 18. und 19. Jahrhunderts keine größeren Restaurierungsarbeiten stattfinden, liegt an dem jüdischen Brauch, dass Grabsteine verfallen sollen und das Grab auf ewig besteht und sein Zustand der Vergänglichkeit preisgegeben wird. Die Grabmale in ihrem Originalzustand sind damit eine gute Basis für die Forschung. Zudem hat der verwitterungsbedingte Zustand seinen ganz eigenen Reiz und lässt eine besondere Atmosphäre der Vergänglichkeit für den Betrachtenden entstehen.
In den 1820er Jahren erwarb die 1808 neugegründete jüdische Gemeinde in Nordhausen auf dem Töpferfelde ein Grundstück, um einen neuen Friedhof darauf zu errichten. Damit ist er der jüngste erhalten gebliebene jüdische Friedhof im Landkreis Nordhausen.
Vom heutigen Eingang führt eine gerade Baumallee zum gegenüber liegenden ehemaligen Leichenhaus des ca. über 5.000 m² großen Areals mit über 477 Grabmalen und einem seltenen Grabdenkmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges. Damit ist er der größte jüdische Friedhof im Landkreis, mit den meisten Grabmalen und darauf befindlichem Gebäude aus der jüdischen Vergangenheit. Symbole wie die Levitenkanne, segnende Hände, Glockenblume oder auch der Schmetterling und florale Verzierungen sind auf den Grabsteinen zu finden. Sie erzählen ihre ganz eigene Geschichte. Fundstücke wie ein Pessach-Stempel und ein Firmensiegel, ein Tagebuch oder auch ein Krug sind ebenfalls Zeugnisse des jüdischen Lebens, die den verstorbenen Personen einst im Leben und Wirken begleiteten.
Interessierte Gäste sind herzlich willkommen. Treffpunkt ist Ecke Dr. Silberborth-Straße/Ammerberg in Nordhausen. Wetterfeste Kleidung und Schuhe sowie eine Kopfbedeckung sind erwünscht.

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