Im Ernstfall sicher vorgesorgt – Was es bei Patientenverfügung und Patientenvollmacht zu beachten gilt

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Bleicherode – Manchmal geht es schneller, als gedacht und trifft die Hinterbliebenen unerwartet und plötzlich. Doch auch ein langsames Lebensende kann Familie und Angehörige vor schmerzliche und schwierige Entscheidungen stellen. Welche medizinischen Hilfestellungen möchte ich im Ernstfall bekommen? Möchte ich künstlich beatmet werden? Wie viele Schmerzen kann und will ich ertragen? Wer diese Entscheidungen nicht anderen überlassen will, benötigt eine Patientenverfügung.

Anne-Maria Klinge, HELIOS-Regionalleiterin Recht, spricht am Dienstag, den 6. Juni um 18.00 Uhr, in der Patientenakademie der HELIOS Klinik Bleicherode zum Thema „Sicher vorgesorgt – Patientenverfügung und Vollmacht.“ Wenn ein Notfall – ob durch Unfall oder schwere Krankheit – eintritt und man selbst nicht mehr in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen, richten sich die Ärzte nach den Wünschen, die in der Patientenverfügung verfasst worden sind. Dabei ist die Verfügung für die Ärzte und das Behandlungsteam bindend. Anne-Maria Klinge kennt die Problematik und spricht vorab im Interview, worin der Unterschied zwischen Verfügung und Vollmacht liegt, was es bei der Formulierung der Patientenverfügung zu beachten gilt und welche Aspekte darin geregelt werden.

Frau Klinge, was genau ist eine Patientenverfügung und was regelt diese?

Eine Patientenverfügung ist eine schriftliche Willenserklärung mit der man seine Wünsche in Bezug auf medizinische Behandlungen und Pflege bekundet, für den Fall, dass man aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls nicht mehr selbst in der Lage ist, seinen Willen zu äußern. Dann tritt die Patientenverfügung als so genanntes „Selbstbestimmungsrecht“ in Kraft.

Von wem und in welcher Form wird sie angefertigt?

Die Patientenverfügung kann nur von einer geschäftsfähigen, volljährigen Person abgegeben werden. Sie muss schriftlich formuliert – handschriftlich oder anders – und unterschrieben sein. Dies ist vom Gesetzgeber so vorgeschrieben.

Was kann in einer Patientenverfügung geregelt werden?

In einer Patientenverfügung können Angaben zu lebenserhaltenden Maßnahmen, der Schmerzbehandlung oder die künstliche Ernährung geregelt werden. In ihr muss ganz genau beschrieben sein, welche Behandlungsmaßnahmen abgelehnt werden, wenn man im Krankheitsfall nicht mehr in der Lage sein sollte, seinen eigenen Willen zu äußern. Das ist oft schwierig, denn meist schreibt man eine Patientenverfügung wenn man bei guter Gesundheit ist. Sind konkrete gesundheitliche Schwierigkeiten bereits absehbar, sollte ein Arzt bei der Abfassung der Patientenverfügung miteinbezogen werden. Auch Wünsche zum Sterbeort und zur Sterbebegleitung sowie die mögliche Bereitschaft zur Organspende können darin verfasst werden. Grundsätzlich setzt man mit einer Patientenverfügung ein bindendes Dokument auf, wie man im Notfall behandelt werden möchte.

Kann eine Patientenverfügung geändert oder für ungültig erklärt werden?

Ja, eine Patientenverfügung kann jederzeit von der betreffenden Person durch Unterzeichnung mit aktuellem Datum geändert und widerrufen werden. So stellen Sie sicher, dass Ihr Wille stets aktuell dokumentiert ist und die Patientenverfügung noch Ihrer aktuellen Lebens- und Behandlungssituation und Ihren Wünschen entspricht.

Zu welchem Zeitpunkt sollte eine Patientenverfügung verfasst werden?

Einen bestimmten Zeitpunkt gibt es nicht. Prinzipiell sollte Jeder, der sich Sorgen macht, was später einmal mit ihm geschieht, wenn er selbst nicht mehr entscheidungsfähig ist, eine Patientenverfügung verfassen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Patientenverfügung und einer Vollmacht?

Mit einer Patientenverfügung bestimmt man weitgehend alle medizinischen Angelegenheiten im Falle einer schweren Krankheit; mit der Vorsorgevollmacht wird eine Vertrauensperson festgelegt, die Sie in allen rechtlichen Belangen vertreten kann, falls Sie einmal nicht mehr für sich selbst entscheiden können.

Was ist wichtiger? Die Patientenverfügung oder die Vorsorgevollmacht?

Mindestens ebenso wichtig wie das Abfassen einer Patientenverfügung ist die Bevollmächtigung geeigneter Vertrauenspersonen, die den Willen des Betroffenen kennen und bereit und in der Lage sind, diesen umzusetzen. Der Patientenverfügung muss Gehör verschafft werden. Der Verfügende selbst ist hierzu nicht mehr in der Lage.

Weitere Punkte, die es zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu beachten gilt und in wieweit Ärzte und Therapeuten in die Thematik einbezogen werden sollten, darüber gibt Anne-Maria Klinge in der Patientenakademie Auskunft. Alle Interessierten erwartet ein spannender Themenabend. Der Eintritt ist frei.

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