Illegale Wolfstötungen sind kein Kavaliersdelikt

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NABU Thüringen fordert von politischen Mandatsträgern sachlichen Umgang mit streng geschützten Arten

Jena – Mit Blick auf die heute vorgelegten offiziellen Zahlen zur Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland kritisiert der NABU Thüringen die gestiegene Zahl illegaler Wolfstötungen. „Auch bei uns im Freistaat wird von politisch motivierten Kreisen ein Klima der Verunsicherung erzeugt, dass den illegalen Abschuss von geschützten Arten, wenn nicht rechtfertigt, aber zumindest anfeuert“, sagt Silvester Tamás, der Sprecher der Landesarbeitsgruppe Luchs und Wolf. Als Beispiel nennt er die jüngst vom CDU-Landtagsabgeordneten, Egon Primas, gemachten Äußerungen während der Veranstaltung „Landtag im Dialog“ in Nordhausen. „Wir brauchen keinen Wolf – wehret den Anfängen – weg Schluss aus – weg damit – schießen“, so Primas. „Wir können nicht akzeptieren, dass politische Mandatsträger sich hinreißen lassen, streng geschützte Arten wie den Wolf und auch Luchs öffentlich zu verunglimpfen und sogar zu deren Tötung und Abschuss aufzurufen.“

„Aus juristischer Sicht sind Äußerungen wie von Egon Primas zum Abschuss von Wölfen in der Öffentlichkeit äußerst problematisch und könnten bei Bekanntwerden auch durch amtliche Stellen zur Strafanzeige gebracht werden“, so Katy Wächter, Juristin und stellvertretende Sprecherin der Landesarbeitsgruppe Wolf und Luchs beim NABU Thüringen.

Allein in diesem Jahr wurden in Deutschland bereits acht Wölfe mit Schussverletzungen tot aufgefunden. Seit 2003 wurden bundesweit 35 Tiere illegal geschossen. Die Dunkelziffer ist mit großer Wahrscheinlichkeit viel höher. „In Thüringen wurde nach aktuellem Kenntnisstand noch kein Wolf illegal getötet. Äußerungen wie die von Primas können aber den Boden dafür bereiten.“

Der NABU Thüringen kritisiert Vertreter aus Politik und Landwirtschaft sowie Teile der Jagdlobby, die immer wieder aufs Neue eine fachlich völlig unzureichend begründete Bejagung der Wölfe fordern, und dies auch noch unter dem Deckmantel des Herdenschutzes. Bejagung ersetzt keinen Herdenschutz.

Hintergrund

73 Rudel, 30 Paare und drei territoriale Einzeltiere – das sind die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) offiziell vorgelegten Bestandszahlen von Wölfen in Deutschland aus dem Monitoringjahr 2017/18. Der Zuwachs der Territorien von rund 27 Prozent ist aus biologischer Sicht vollkommen normal für die Entwicklung der Wolfspopulation. Einen günstigen Erhaltungszustand hat die Population noch nicht erreicht.

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