IG Metall-Betriebsrätebefragung: Mehr Leiharbeit und Werkverträge verdrängen reguläre Arbeitsplätze, schaffen prekäre Beschäftigungsverhältnisse

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Betriebsräte fordern mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten bei betrieblichen Ausgliederungen
Trotz Wirtschaftsboom und Arbeitskräftemangel gliedern Industriebetriebe immer mehr Arbeit über Leiharbeit und Fremdvergaben aus. Rund 80 Prozent der Betriebe der Metall- und Elektroindustrie, der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie sowie der Textilindustrie nutzen Leiharbeit oder vergeben Aufträge über sogenannte Werkverträge an Fremdfirmen. Das zeigt eine bundesweite Befragung der IG Metall unter Betriebsräten in rund 4.000 Betrieben. „Die Befragung der Betriebsräte zeigt, dass Leiharbeit und Fremdvergabe immer stärker zum billigeren Ersatz für reguläre Arbeitsplätze genutzt werden. Dies geht weiter über die Abdeckung von Auftragsspitzen oder andere vorübergehende Personalengpässe hinaus“, sagt Bernd Spitzbarth, Geschäftsführer der IG Metall Nordhausen, anlässlich des Tages der Prekären Beschäftigung.

Die IG Metall will deshalb gemeinsam mit den Beschäftigten den Missbrauch von Ausgliederungen weiter eindämmen. „Wir haben in den vergangenen Jahren bereits viel erreicht: Branchentarifverträge und Betriebsvereinbarungen sichern Leiharbeitern mehr Geld und bessere Chancen auf Übernahme – und sie begrenzen Leiharbeit im Betrieb. Zudem setzen wir bei immer mehr Industrienahen Dienstleistern Tarifverträge durch“, sagt Spitzbarth. „Trotz der Einzelerfolge besteht das Hindernis, dass es keine ausreichende Mitbestimmung für Betriebsräte bei der Fremdvergabe gibt, um Missbrauch zu verhindern. Zwar hat die Politik im letzten Jahr die Gesetze nachgebessert, den Missbrauch dämmen sie jedoch nach wie vor nicht ein“.

27,5 Prozent der befragten Betriebsräte sagen, dass Leiharbeit und Fremdvergabe in den vergangenen drei Jahren in ihrem Betrieb dauerhafte Stammarbeitsplätze verdrängt haben. „Betroffen von Ausgliederungen sind mittlerweile alle Bereiche in den Industriebetrieben, von der Entwicklung über die IT bis zur internen Logistik und hinein in die Produktion. Dieser Trend hatte sich bereits bei einer vergleichbaren Befragung der IG Metall vor drei Jahren abgezeichnet. Die Wirtschaft muss grundlegend ihre Philosphie ändern. Solange sie an prekären Arbeitsbedingungen als Erfolgsmodell festheält, trägt sie wesentlich an der Spaltung der Gesellschaft bei.“, So Spitzbarth weiter.

Die IG Metall will daher den Missbrauch von Leiharbeit und Fremdver-gabe nun verstärkt in den Betrieben angehen und dort gemeinsam mit Betriebsräten und Beschäftigten weitere Regelungen durchsetzen. Dazu startet die IG Metall eine betriebspolitische Kampagne unter dem Motto „Gute Arbeit für alle“. Das Ziel: Alle Beschäftigten eines Betriebs – egal ob Stammbeschäftigte, Leihbeschäftigte oder Beschäftigte bei Industrie-nahen Dienstleistern – sollen gute, gleichberechtigte Arbeitsbedingungen haben.

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