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Wirksame Behandlungsmöglichkeiten bei Hüft- und Leistenschmerzen

Bleicherode – Schlechtere Beweglichkeit, Schmerzen – mit zunehmendem Alter werden immer häufiger Männer und Frauen von diesen Leiden geplagt. Besonders im Hüftgelenk treten mit der Zeit Verschleißerscheinungen auf. Doch Schmerzen in der Hüfte können vielfältiger Natur sein. Wann verbirgt sich dahinter ein Krankheitsbild, was einen operativen Eingriff hervorruft? Welche wirksamen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Hüft- und Leistenschmerzen? Und wann ist es Zeit für ein künstliches Hüftgelenk? Diesen Fragen stellt sich Dr. Jana Baumbach, Oberärztin der HELIOS Klinik Bleicherode, in der Patientenakademie am Dienstag, den 2. Mai 2017 um 18.00 Uhr. Vorab spricht sie im Interview über Hüftgelenksschmerzen und Therapiemöglichkeiten.

Frau Dr. Baumbach, viele Menschen klagen über Hüftgelenksschmerzen. Welche Ursachen können dahinter stecken und welche Symptome deuten auf eine ernsthafte Erkrankung hin?

Hüftgelenksschmerzen können viele Ursachen haben, welche von Gelenkbeschwerden bis hin zu Abszessen oder Gefäßerkrankungen reichen. Die Symptome sind meist dieselben, so dass man immer an eine ernsthafte Erkrankung denken und diese zunächst ausschließen sollte.

Was versteht man unter Coxarthrose und wie viele Menschen sind in etwa davon betroffen?

Unter Coxarthrose versteht man eine Erkrankung des Hüftgelenkes, bei der es zu einem Verlust des Knorpels kommt, so dass der darunterliegende Knochen frei liegt. Die Hüftgelenksarthrose ist zumeist eine verschleißbedingte Erkrankung des Hüftgelenks. Nach Aussage des statistischen Bundesamtes von 2015 leiden in Deutschland circa fünf Prozent der Bevölkerung ab dem 60. Lebensjahr an einer symptomatischen Arthrose des Hüftgelenkes. 2005 ging man noch von einem Anteil von nur zwei Prozent der Deutschen mit Beschwerden im Bereich der Hüfte in Bezug auf die Gesamtbevölkerung aus. Es zeigt sich also, dass es in den letzten 10 Jahren zu einem Anstieg an Menschen mit symptomatischen Hüftgelenksbeschwerden gekommen ist.

Woran kann das liegen?

Ursachen für eine Gelenkerkrankung des Hüftgelenkes gibt es viele. Es gibt nicht die eine Ursache für den Verschleiß des Hüftgelenkes, so dass man immer den Einzelfall betrachten muss und keine Pauschalaussage zur Ursache treffen kann.

Wie entsteht eine Coxarthrose?

Bei der Arthrose unterscheidet man zwei grundsätzliche Formen: die primäre und sekundäre Arthrose. Eine Ursache für die primäre Arthrose ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht bekannt. Eine sekundäre Arthrose kann angeboren sein. Durch eine während der Ausreifung im Mutterleib oder im Kindesalter entstandene Fehlform entweder der Hüftpfanne oder des Hüftkopfes passen die beiden Gelenkpartner nicht ineinander, wodurch es zu einer erhöhten mechanischen Belastung und damit Abrieb des Gelenkknorpels kommt. Aber auch Unfälle mit Brüchen eines oder beider Gelenkpartner, Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder auch entzündliche Erkrankungen wie Rheuma bzw. eine Eiterung im Hüftgelenk können zur Schädigungen der Knorpeloberfläche und damit zur Arthrose führen.

Man geht heute davon aus, dass nicht nur eine Ursache zur Entstehung der Coxarthrose führt. Neben der Grundkrankheit müssen noch andere Risikofaktoren auf das Hüftgelenk einwirken, die dann das Gleichgewicht aus Knorpelauf- und abbau stören, so dass es zur Entstehung der Coxarthrose kommt. Große Beachtung findet hier die chronische Überlastung des Hüftgelenkes, durch die es dann zu einer mechanischen Schädigung des Knorpels kommt.

Wie wird sie diagnostiziert?

Die einfachste Methode ist die Durchführung eines Röntgenbildes. Durch eine Veränderung des Abstandes der knöchernen Gelenkpartner kann man Rückschlüsse auf den vorhandenen Knorpel ziehen. Stoßen beide Gelenkpartner aneinander, so liegt kein Knorpel mehr dazwischen. Im MRT kann man zudem sowohl den Knochen aber auch alle anderen Weichteilstrukturen wie u.a. Knorpel beurteilen, so dass das MRT bei speziellen Fragestellungen zum Einsatz kommt. Aufgrund der guten Aussagekraft ist hinsichtlich der Beurteilung der Coxarthrose jedoch das Röntgenbild die erste Wahl.

Heißt das, dass alle Patienten mit einem Verlust des Knorpels automatisch ein künstliches Hüftgelenk benötigen?

Nein. Legt man nur radiologische Veränderungen zu Grunde, so wird bei 10-20 Prozent der Europäer in den Röntgenbildern eine Hüftarthrose deutlich. Wenn wir uns an die o.g. Zahlen der unter Coxarthrose leidenden Bevölkerung erinnern, heißt das, dass nur ca. ein Drittel aller Menschen, die radiologisch eine Hüftarthrose aufweisen, überhaupt Beschwerden haben, die eine Therapie nach sich ziehen sollte.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Eine Therapie sollte im Anfangsstadium der Coxarthrose immer konservativ sein, also nicht operativ. Hierzu zählt die Ausschöpfung konservativer Maßnahmen, wie die Verordnung von Schmerzmedikamenten, physiotherapeutischer und physikalischer Maßnahmen, Wärme- oder Kältepackungen oder Elektrotherapie. Hierdurch kann man zwar den Verschleiß des Hüftgelenkes nicht aufhalten, aber zumindest eine Operation hinausschieben. Man lässt sich ja auch nicht gleich alle Zähne ziehen nur weil man ein kleines Loch hat.

Ab wann sollte man operieren und welche Möglichkeiten bieten sich einem bei einer Operation?

Im Einzelfall kann schon zu Beginn der Arthrose eine Arthroskopie des Hüftgelenkes durchgeführt werden, insbesondere beim Impingementsyndrom oder auch bei freien Gelenkkörpern. Sind Entwicklungs- oder Formstörungen der Grund für die Entstehung der Arthrose empfiehlt sich ebenfalls ein frühzeitigeres operatives Vorgehen, wenn sich dadurch die Kongruenz – also das Ineinanderpassen – der Gelenkpartner zueinander verbessern lässt. So kann man durch eine Operation am Becken mit Verschieben einzelner Knochenteile eine bessere Überdachung des Hüftkopfes erzielen. Oder durch eine Operation am Oberschenkel bewirken, dass sich der Hüftkopf besser in die Pfanne einstellt. Erst wenn wirklich Knochen auf Knochen reibt, bleibt nur noch der Ersatz des Hüftgelenkes.

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