Hohe Nitratbelastungen im Raum Nordhausen

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Auswertung der Messdaten vom VSR-Gewässerschutz zeigen, dass Abwasser nicht
zur Belastung beiträgt

Der VSR-Gewässerschutz wurde in den letzten Wochen scharf von den
Landwirtschaftsverbänden für die Aussage kritisiert, dass die
Agrarindustrie die Hauptursache der Nitratbelastung ist. Ihre Behauptung,
dass die hohen Werte unter anderem die Folge defekter Abwasserrohre sind,
widerlegt Dipl. Oecotroph. Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-
Gewässerschutz: „Brunnenwasser, das durch Abwasser belastet ist, enthält
Escherichia coli (E.coli). Das sind Darmbakterien, die immer im Abwasser
festzustellen sind. Wenn die untersuchten Wasserproben keine Belastung
durch diese Bakterien aufweisen ist davon auszugehen, dass das Grundwasser
nicht durch Abwasser belastet wird.“

Insgesamt stellte das Team der gemeinnützigen Organisation viel zu hohe
Nitratwerte im Grundwasser fest. Bei jeder vierten der 74 untersuchten
Brunnenwasserproben im Raum Nordhausen wurden der Grenzwert der
Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter überschritten. In allen
Proben mit erhöhten Nitratwerten aus den Orten Kehmstedt, Großwechsungen,
Urbach und Berga wurde keine Belastung mit E.coli festgestellt. Das
beweist, dass die Ursache der Nitratbelastung hier nicht den defekten
Abwasserrohren zuzuordnen ist.

Ein weiteres Argument der Landwirtschaftsvertreter ist die Überdüngung in
den privaten Gärten und Kleingartenanlagen. Hier hat sich der VSR-
Gewässerschutz an Kleingartenanlagen in ganz Deutschland gewandt um
festzustellen, ob dort hohe Belastungen zu finden sind. Gerade die
städtischen Kleingärten ohne Landwirtschaft in der nahen Umgebung haben
eine geringe Nitratbelastung. Diese Annahme bestätigt auch der Nitratbericht
2020: „Die Belastungsschwerpunkte mit Messstellen über 50 mg/l Nitrat
treten dabei überwiegend unter landwirtschaftlicher Flächennutzung auf.
Unter den Nutzungen Siedlung und Wald finden sich selten
hoch belastete Messstellen.“

Die hohe Nitratbelastung hat gravierende Folgen für die Umwelt. Das
belastete Grundwasser sickert den Gräben und Bächen zu und gelangt so über
die Flüsse in die Nordsee. Dort führt die massive Nitratbelastung zu einem
übermäßigen Algenwachstum und Sauerstoffmangel. Ohne Sauerstoff ist kein
Leben möglich – Fische sterben, sogenannte Todeszonen entstehen. Eine
Verringerung der Belastung unserer Gewässer ist dringend nötig. Der VSR-
Gewässerschutz findet es schade, dass die Landwirtschaftsverbände von den
Nitratbelastungen, die von der Agrarindustrie ausgehen, ablenken wollen.

Eine Verringerung der Nitratbelastung ist möglich – das zeigen die geringen
Nitratwerte der Wasserschutzgebiete. Auch in diesen geschützten Bereichen
wird Landwirtschaft betrieben. Die Wasserversorger schlugen schnell Alarm
als sie feststellten, dass die Nitratwerte drastisch anstiegen. Dank
frühzeitig geschlossener Kooperationen zwischen den Wasserversorgern und
Landwirten sank die Belastung enorm. „Es wird höchste Zeit die
Nitratauswaschung ins Grundwasser auch außerhalb der Wasserschutzgebiete zu
verringern. Die Agrarpolitik muss sich ihrer ökologischen Verantwortung
stellen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern“, so Susanne Bareiß-
Gülzow.

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