Harzer Minikader mit riesiger Moral in Herne

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Böse Zungen behaupten, bei dem Schreiben eines Artikels zu den Spielen der Harzer Falken brauche man nur noch „kopieren und einfügen“, denn die Aussage „viel Lob, keine Punkte“ zieht sich derzeit wie ein roter Faden durch die Saison. So muss man auch nach dem Spiel in Herne, welches die Hausherren viel zu hoch mit 5:1 (2:01:1; 2:0) gewannen, resümieren, dass es von außen betrachtet auch hier nicht viel anders war.

Aber es gab doch diesen entscheidenden Unterschied. Denn ohne dass dies respektlos gegenüber den verbliebenen Spielern gedeutet werden darf, fehlten in der Verteidigung mit Erik Pipp, Nico Ehmann, Max Bauer, Zach Josepher und Florian Kraus gleich fünf Spieler, die sich in den letzten Spielen bzw. schon lange den Status „Führungsspieler“ erspielt haben. So rutschte neben dem erfahren Patrik Franz und dem 20-jährigen Youngster Andreas Druzhinin sowie dem zu Saisonbeginn umgeschulten Valerij Guts noch Jörn Weikamp aus dem Sturm in die Defensive. Da neben dem erkrankten Patrick Dzemla auch die Förderlizenzspieler Tim Lucca Krüger und Bastian Schirmacher in Kassel nicht abkömmlich waren, sollte so auch die Personaldecke in der Offensive auf acht Spieler schrumpfen.

Ausfälle also, die ein Trainer mit den vorhandenen Mitteln niemals kompensieren kann. Die aber durch den Willen und Kampf des letzten Aufgebotes, gepaart mit einem ganz starken Fabian Hönkhaus im Tor, mehr als respektabel kompensiert wurden. Und so wurde dieses Spiel nicht nur begleitet von dem oben erwähnten roten Faden, sondern auch ziemlich viel Konjunktiv und einen mit Björn Linda ebenso starken Herner Schlussmann. Denn man merkte dem Herner Team an, dass es in den letzten Spielen nicht funktioniert hat und gegen die Harzer enorm unter Druck stand. Und hätte Lasse Bödefeld in der 3. Minute nicht nur den Pfosten getroffen und drei Minuten später das Tor nur ganz knapp verfehlt, kann man nur vage vermuten, welchen Verlauf diese Partie nimmt. Denn Herne reichte eigentlich ein verdeckter Blueliner und ein genialer Pass von Brad Snetsinger auf Sören Hauptig vor das Harzer Tor, um das Spiel mit 2:0 ein wenig auf den Kopf zu stellen. Denn auch nach diesen Toren war der Kampfgeist der Falken nicht gebrochen und Morley, Zerbst und Franz scheiterten lediglich an Torwart Linda.
Das 2. Drittel ging dann aber doch zunächst sehr deutlich an den Hausherren. Im Minutentakt scheiterten sie aber zunächst mit gefährlichen Schüssen auf den in dieser Phase überragenden Hönkhaus, bis Mike Schmitz ihm bei einem Nachschuss aus kurzer Distanz keine Chance ließ. Aber sollte man meinen, die Partie wäre nun gelaufen, musste man verwundert feststellen, dass die Herner Mannschaft zum einen zufrieden mit der 3-Tore-Führung schien und den vorhandenen Druck einstellten. Und das Harzer Team zum anderen noch einmal Reserven aktivierte, die man angesichts des hohen Aufwandes, den jeder einzelne Spieler betrieb, nicht für möglich gehalten hätte. Vor allem, wenn man bedenkt, dass mit Andreas Druzhinin nach einem normalen Check noch ein Verteidiger mit einer Schulterverletzung ausfiel, der in der Folge durch Richard Zerbst ersetzt wurde. Und scheiterten Kubail und Kostyrev in der 34. und 36. Minute noch an Linda, war es zwei Minuten vor Drittelende Brandon Morley, der eine schöne Kombination über Louis Trattner und Gregor Kubail zum mehr als verdienten Anschlusstreffer vollendete.

Es sollte jedoch der einzige Treffer bleiben. Denn, und damit wären wir wieder beim Konjunktiv angelangt, hätte Björn Linda sein Team in Harzer 5:3-Überzahl nicht schadlos gehalten, hätten Druck auf Herner und Adrenalin auf Harzer Seite vielleicht auch dafür gesorgt, dass dieses Spiel noch kippt. So ist es dann fast schon bezeichnend, dass das 4:1 durch einen Sonntagsschuss von der blauen Linie in den langen Torwinkel dieses Spiel entscheiden sollte. Das 5:1 in Herner Überzahl stellte dann auch nur noch einen kosmetischen Makel dar.

Denn, und das ließ auch Herne-Coach Danny Albrecht in der anschließenden Pressekonferenz durchblicken, mit Ruhm hatte sich sein mit klangvollen Namen gespicktes Team hier nicht bekleckert. Natürlich gibt es bei Rumpfteams auch immer den Effekt, dass man noch näher zusammenrückt und die viele Spielzeit jedes einzelnen Spielers auch dafür sorgen kann, dass diese an ihre Grenzen gehen können. Zudem hat man mit einem derart kleinen Kader auch nichts zu verlieren, während der eh schon unter dem Druck der Öffentlichkeit stehende Gegner nur verlieren kann. Doch am gestrigen Spieltag kann man keinen Spieler besonders hervorheben. Natürlich hat ein Brandon Morley eine andere spielerische Klasse, als ein Marcel Deich und natürlich gab es auch wieder den einen oder anderen individuellen Fehler. Aber wenn es darum geht zu beurteilen, wie diese Mannschaft funktioniert hat, ist das nur ein Aspekt, der für den vorhandenen Teamspirit eher zweitrangig ist. (Hei)

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