Harzer Falken verlangen dem Tabellenführer alles ab

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Man musste nach dem eher mäßigen Spiel am Freitag gegen die Hannover Scorpions nicht unbedingt damit rechnen, doch was die Harzer Falken gegen die Tilburg Trappers am Sonntagabend boten, war aller Ehren wert und hätte gerne mit mindestens einem Punkt werden dürfen. 473 Zuschauer sahen insgesamt ein tolles Eishockeyspiel mit ganz viel Tempo und tollen Torszenen, das die Gäste aus Tilburg erst durch ein Empty-Net-Goal in allerletzter Sekunde endgültig mit 3:5 (1:2; 0:1; 2:2) für sich entscheiden konnten.

Doch bis es soweit war, musste der Tabellenführer alles aufbieten und hätte sich nicht beschweren dürfen, wenn sie hier nicht als Sieger vom Eis gegangen wären. Selbst das Torschussverhältnis von 51:48 zu Gunsten der Harzer sprach an diesem Abend dafür, dass man mindestens ebenbürtig war. Mindestens, da man vor allem im ersten Drittel klar überlegen war und in der Summe deutlich mehr zwingende Torchancen hatte. Und diesmal kann man eigentlich auch gar nicht sagen, dass man mit den Chancen zu leichtfertig umging. Vielmehr fehlten immer mal wieder nur wenige Zentimeter und mehr und mehr bewahrheitete sich die alte Erkenntnis, dass man solche Chancen locker verwertet, wenn man in der Tabelle oben steht und diese Selbstverständlichkeit einfach fehlt, wenn man im Tabellenkeller gegen den sportlichen Abstieg kämpft. Denn die neuformierten Reihen mit Morley-Pipp-Trattner sowie Zerbst-Kubail-Gulda machte ordentlich Dampf und die dritte Reihe mit Deich-Dzemla-Guts hielt dagegen, was dagegen zu halten ging gegen einen Gegner, der natürlich dennoch immer wieder seine Klasse aufblitzen ließ. Vor allem wenn es darum ging, die spärlich gesähten Chancen im 1. Drittel in Tore umzumünzen. Und so ganz glücklich sahen dann auch die Harzer Spieler bei den beiden Gegentoren nicht aus. Zwei mal war es Kevin Bruijsten, den im eigenen Slot so keiner richtig ernst nahm und der die Zuspiele seiner Mitspieler souverän zur 2:0-Führung verwandelte. Eine Führung, die den Spielverlauf irgendwie völlig auf den Kopf stellte und so war es ungemein wichtig, dass Richard Zerbst bei einem Blueliner von Nico Ehmann seine Kelle goldrichtig hinhielt und den Puck 21 Sekunden vor der Drittelpause ins Tilburger Tor ablenkte.

Und auch die 1:3-Führung der Gäste im Mitteldrittel resultierte aus eigener Nachlässigkeit. Denn nachdem vor allem die Reihe um Morley, Pipp und Trattner in der 27. Minute für ordentlich Alarm im Tilburger Drittel sorgte, konnte Mitch Bruijsten völlig unbedrängt einmal um das Harzer Tor kurven und per Bauerntrick einnetzen. Wenn man den Falken an diesem Abend etwas vorwerfen konnte, dann war es erneut die physische Präsenz in den Zweikämpfen. Natürlich ist das Gros der Trappers bereits körperlich teilweise ein ganz anderes Kaliber und aufgrund ihrer Schnelligkeit nur sehr schwer zu bespielen, aber arbeitete man an der Bande im Kampf um den Puck ordentlich und mit vollem Körpereinsatz, fehlte in einigen Situationen der Punch, der dem Gegner dann auch mal den nötigen Respekt abnötigt.

Und dann war da auch wieder das Pech, als Zach Josepher in der 50. Minuten mit einem harten Blueliner nur den Pfosten traf und Nardo Nagtzaam „Danke!“ sagte, als Louis Trattner in eigener 5:3-Überzahl beim Aufbauspiel den Puck verlor und sich Nagtzaam plötzlich allein vor dem guten Fabian Hönkhaus im Harzer Tor wiederfand. Allerdings, und das eine Eigenschaft, die auch Trainer Arno Lörsch in der anschließenden Pressekonferenz und bereits öfter hervorhob, zeigten die Falken erneut starke Comeback-Qualitäten, während sich die Zuschauer angesichts dieses Rückschlages wohl schon auf eine klare Niederlage eingestellt hatten. Denn Manko der Tilburger an diesem Abend waren die unnötigen Strafzeiten, von denen Erik Pipp ein Powerplay in der 52. Minute mit einer schönen Direktabnahme nach Zuspiel von Zach Josepher zum 2:4 nutzte. Die Hoffnung war zurück und als Richard Zerbst zwei Minuten später, wunderbar angespielt von Max Bauer, in der neutralen Zone zum Alleingang ansetzte, die halbe Tilburger Mannschaft schwindelig spielte und auch dem Torwart der Trappers mit einem Treffer der Marke „Tor des Monats“ keine Chance ließ, hielt es keinen mehr auf den Plätzen. Und so sollte es doch noch ein Herzschlagfinale werden, in dem Patrik Franz am Tilburger Schlussmann scheiterte und auch Fabian Hönkhaus noch einmal großartige im Spagat rettete, als zwei Tilburger den Versuch starteten, ihn in der letzten Minute auszuspielen. Doch es sollte nicht mehr sein. Im Liegen wollte Mitch Bruijsten den Puck wohl einfach nur aus dem eigenen Drittel befördern. Doch wie es so ist, wenn man in der Tabelle oben steht, leitete Fortuna das runde Gummi schnurstracks in den verwaisten Harzer Kasten – natürlich Bruchteile einer Sekunde bevor die Schlusssirene ertönte.

So konnte man sich zwar auf den Rängen über ein tolles Spiel und ein großartiges Ergebnis freuen. Ebenso, wie die Zuschauer mit lautstarken Ovationen den Kampf und eben diese Comeback-Qualitäten der Falken feierten. Doch Team und Trainer war so gar nicht nach Feiern zumute. Man wusste nur zu gut, dass hier mindestens ein Punkt drin gewesen wäre und individuelle Fehler, die von einem Klasseteam wie dem der Trappers sofort bestraft werden, dazu geführt haben, dass man höchstens als moralischer Sieger das Eis verließ. Ein Titel, der keine Sonderpunkte einbringt und an den sich nach ein paar Tagen angesichts des nackten Ergebnisses auch keiner mehr erinnern kann. Woran man sich aber sehr wohl erinnern wird, ist die Art und Weise, wie die Falken hier aufgetreten sind. Brandon Morley zwar nicht ganz so stark wie am Freitag gegen die Scorpions, zeigt sich als eine absolute Bereicherung für das Harzer Team. An seiner Seite wird der immer besser aufspielende Erik Pipp gesetzt sein. Ob sich Lörsch wie am Freitag für Gulda oder am Sonntag für Trattner als dritten Mann in dieser Reihe entscheidet, oder vielleicht noch eine ganz andere Alternative entdeckt, bleibt abzuwarten. Gezeigt hat sich allerdings wieder einmal, dass man Richard Zerbst in dieser Saison hinstellen kann, wo man will. Zwar ist das Gegentorverhältnis verbesserungsbedürftig, doch es macht einfach Spaß, Zerbst derzeit beim Spielen zuzuschauen. Und wenn er sich dann noch öfter mit derart schönen Toren wie dem zum 3:4 belohnt, wäre das ein Resultat harter Arbeit. Und noch ein Aspekt dürfte Arno Lörsch an diesem Wochenende beruhigt haben. Denn sowohl Fritz Hessel als auch Fabian Hönkhaus sind zwei Schlussleute, auf die er setzen kann. (Hei)

Foto:Harzer Falken

Brandon Morley

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